Misereor: Mexiko muss gegen Verschwinden von Menschen angehen

  • Mexiko - 30.08.2017

Zum Internationalen Tag der Verschwundenen an diesem Mittwoch appelliert Misereor-Chef Pirmin Spiegel an die mexikanische Regierung, das Problem in dem Land offensiv anzugehen. „Der Staat Mexiko darf die Zahl der Verschwundenen und Getöteten und das Verbrechen Verschwindenlassen nicht länger herunterspielen“, so der Hauptgeschäftsführer des katholischen Hilfswerks am Montag in Aachen. Menschen werden Opfer von gewaltsamem Verschwindenlassen auch in anderen Ländern – daran erinnert alljährlich der Gedenktag der Vereinten Nationen.

Spiegel forderte mit Blick auf die prekäre Lage in Mexiko: „Die Regierung muss die Ursachen angehen und konkrete Maßnahmen ergreifen, die eine effektive Suche der Opfer, die strafrechtliche Verfolgung der Täter und eine Wiedergutmachung für Angehörige ermöglichen.“ Die Politik der aktuellen Regierung trage nicht zur Verbesserung der Sicherheitslage bei. Militär und Polizei seien „zunehmend für schwere Menschenrechtsverletzungen“ in Mexiko verantwortlich.

In dem Land gelten den Angaben zufolge mehr als 30.000 Menschen als vermisst. In rund ein Drittel der Fälle seien es Opfer gewaltsamen Verschwindenlassens – geduldet oder unter Mitwirkung von Mitgliedern staatlicher Behörden, des Militärs oder der Polizei. „Der Kampf gegen Terror und Drogenkriminalität dient als Vorwand. In Mexiko kann es jeden treffen“, so Länderreferentin Catharina Köhler.

Vorwiegend verschwänden junge Männer. Es treffe auch junge Frauen, die missbraucht oder zur Zwangsprostitution gezwungen würden, sowie Migranten, Journalisten und Aktivisten. „Die Betroffenen werden entführt, willkürlich festgenommen, gefoltert oder hingerichtet. Sogar Polizisten und Behördenvertreter können dem Verschwindenlassen zum Opfer fallen, wenn sie der falschen Seite angehören“, so Köhler.

In einem Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) sagte Köhler außerdem, dass die Folge des Verbrechens ein „Klima des Terrors und der Angst“ in der Gesellschaft sei. „Das führt dazu, dass es schwierig ist, sich zu organisieren und für seine Rechte einzutreten: Man hat Angst, man könnte der Nächste sein.“ Der UN-Gedenktag sei wichtig, „weil es sich nicht allein um ein historisches Phänomen handelt, das vor allem mit Militärdiktaturen in Verbindung gebracht wird“.

© KNA