Papst Franziskus als Versöhner in Kolumbien

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  • Kolumbien - 07.08.2017

Kolumbien hat zuletzt wichtige Schritte in Richtung Frieden gemacht. Nun soll Papst Franziskus mit seinem Besuch dazu beitragen, dass sich ehemalige Feinde miteinander versöhnen.

Inzwischen ist das Porträt des Papstes fast überall in Kolumbien zu sehen: an Bushaltestellen, in Wäschereinigungen, auf den Titelseiten von Sonderausgaben. Einen Monat vor dem mit Spannung erwarteten Besuch von Franziskus (6. bis 11. September) wächst die Vorfreude. „Der Papst genießt in Kolumbien einen außerordentlich guten Ruf“, sagt Bogotas Kardinal Ruben Salazar Gomez im Gespräch mit der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). „Er ist eine Persönlichkeit, die helfen kann, Gräben zu überwinden.“

Genau das erwarten die Kolumbianer vom ersten Papst aus Lateinamerika. Der Friedensprozess im Land steht ein Jahr vor dem Ende der Amtszeit von Präsident Juan Manuel Santos vor der nächsten richtungsweisenden Etappe. Vor einigen Wochen wurde die Entwaffnung der rund 7.000 Kämpfer der linksgerichteten Guerilla-Organisation FARC offiziell abgeschlossen. Deren Mitglieder halten sich nun in 26 Übergangszonen im ganzen Land auf.

„Die FARC hat ihr Wort gehalten“, sagt Kolumbien-Expertin Monika Lauer Perez vom Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat nach einem Besuch in einem der Übergangslager in der Provinz Meta. Allerdings hinke der kolumbianische Staat bei der Einhaltung seiner Verpflichtungen hinterher. So fehle es in den Lagern häufig an der zugesagten Infrastruktur. Trotzdem hält der Pakt zwischen Staat und ehemaliger Guerilla. In Villavicencio will der Papst mit den verschiedenen Akteuren des Konflikts eine Art Versöhnungsgottesdienst feiern. Das ist die Überschrift seines Besuchs: Versöhnung und Vermittlung.

Kolumbien - 21.07.2017

Die Kolumbien-Expertin des kirchlichen Lateinamerika-Hilfswerks Adveniat, Monika Lauer Perez, hält ein Scheitern des Friedensprozesses in Kolumbien nach wie vor für möglich.


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Denn trotz der Fortschritte gibt es immer noch große Probleme – etwa die vielen Morde an Menschenrechtlern und Aktivisten, die den Friedensprozess belasten. Zwar gingen die Zahlen zuletzt spürbar zurück. Doch noch immer ist es in Kolumbien lebensgefährlich, sich für Landrückgabe oder gerechte Löhne einzusetzen. Für die meisten Morde machen Menschenrechtsorganisationen rechte paramilitärische Banden verantwortlich. „Der Schutz der Aktivisten ist fundamental für den erfolgreichen Verlauf des Friedensprozesses“, sagt Lauer Perez.

Und noch eine weitere Baustelle bedroht den Frieden. Trotz derzeit laufender Friedensgespräche zwischen der Regierung und der zweitgrößten Rebellengruppe des Landes, der marxistischen ELN, kommt es immer wieder zu Gefechten. Die ELN attackiert auch weiterhin die Ölinfrastruktur des Landes und sorgt damit für gravierende Umweltschäden; beide Seiten beklagen Todesopfer. Ein Waffenstillstand, der für die Zeit des Papstbesuchs gelten soll, scheint noch weit entfernt. Zudem dient die ELN als Sammelbecken für frustrierte FARC-Kämpfer, die sich dem Friedensprozess nicht anschließen wollen.

In einigen Provinzen sind ELN-Rebellen und rechte Paramilitärs verantwortlich für die gewaltsame Vertreibung der einheimischen Bevölkerung. Dabei geht es um Marktanteile im Drogen- und Waffenhandel. Vor allem an der Pazifikküste ist von Frieden bislang wenig zu spüren. In den Großstädten Bogota, Medellín oder Cartagena boomt dagegen die Wirtschaft – auch wenn sich der Aufschwung bislang in den Armenvierteln nicht bemerkbar macht.

Präsident Santos, der 2018 abtritt, weil er gemäß der Verfassung nach zwei Amtszeiten nicht mehr kandidieren darf, gibt sich trotzdem zuversichtlich: „Ich hinterlasse ein Land ohne FARC“, sagte der Friedensnobelpreisträger am Wochenende.

Als gäbe es im Land nicht genug Baustellen, wird den Papst in Kolumbien auch ein anderer Krisenherd einholen. Die Entwicklung im sozialistisch regierten Nachbarland Venezuela wird immer dramatischer. Die katholische Kirche hilft allein in der Grenzstadt Cucuta mit mehr als 100.000 Mittagessen für geflüchtete Venezolaner aus. Der kolumbianische Staat stellt Übergangsvisa aus, um den Aufenthaltsstatus der Migranten aus dem Nachbarland zu legalisieren. Viele der laut Schätzungen etwa 200.000 Flüchtlinge aus Venezuela erwarten daher eine klare Botschaft des Papstes zu den Vorgängen in ihrem Heimatland, wo Präsident Nicolas Maduro nur noch am Parlament vorbeiregieren kann.