Japans „Marco Polo“

  • Japan - 31.07.2017

Halbe Sachen waren definitiv nicht seine Sache. Peter Kasui Kibe (1587-1639) wollte unbedingt Jesuit werden, trotz der Verfolgung in seinem Land. Als erster Japaner schlug er sich nach Jerusalem durch – und bis nach Rom.

Die Geschichte von Peter Kasui Kibe ist eine besondere Geschichte. Als er im November 2008 in Nagasaki gemeinsam mit 187 anderen japanischen Märtyrern seliggesprochen wurde, stand sein Name an erster Stelle. Peter Kasui Kibe wollte unbedingt Jesuit werden – und nahm dafür Todesgefahr und Tausende Kilometer Fußmarsch in Kauf. Und als er endlich Jesuit geworden war, wollte er unbedingt in seine Heimat zurück, obwohl dort Christ zu sein mit dem Tode bestraft wurde.

Film von Martin Scorsese zeit Jesuitenmission in Japan

Der US-Regisseur Martin Scorsese hat 2016 in seinem Film „Silence“ die harte Christenverfolgung im Japan des 17. Jahrhunderts thematisiert. Im Mittelpunkt der Geschichte, die auf einem Roman von Shusaku Endo basiert, stehen Jesuiten-Missionare, die vor der Entscheidung stehen, entweder ihren Glauben zu verleugnen oder getötet zu werden. Einer von ihnen ist Cristovao Ferreira (um 1580-1650); eine historische Persönlichkeit, die auch am Lebensende von Peter Kasui Kibe eine zentrale Rolle spielen sollte.

Film - 14.02.2017

Im Jahr 1640 werden zwei portugiesische Jesuiten nach Japan geschickt, um einen Missionar zu suchen, der dem christlichen Glauben abgeschworen haben soll. Sie müssen sich bei einheimischen Christen verstecken, bis einer von ihnen vom Inquisitor gefangen und einer grausamen Prüfung unterzogen wird. Ein Essay zum Film „Silence“ des Magazins Filmdienst.


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Kibe wurde 1587 in eine christliche Samurai-Familie auf der Insel Kyushu hineingeboren. Im selben Jahr erließ der Daimyo Toyotomi Hideyoshi (1537-1598) das erste Verbot des Christentums. 1568 hatte es noch rund 30.000 Christen in Japan gegeben. Um 1600 waren es bereits zehnmal so viele. Sie wurden der japanischen Führung zur Bedrohung.

Flucht in die portugiesische Kolonie

Mit 13 Jahren trat Peter ins Jesuiten-Seminar von Arima südöstlich von Nagasaki ein, wo er Latein und Theologie studierte. Nach sechs Jahren wurde er Katechist und Dojuku – eine Art Jesuiten-Freiwilliger. Doch Peter wollte mehr. Er wählte als Beinamen „Kasui“, was soviel bedeutet wie „lebendiges Wasser“. War es Zufall, dass der Name des späteren Jesuitengenerals, der ihn in Rom in den Orden aufnehmen sollte, Claudio Acquaviva lautete?

Seine Ordensoberen verlangten von Peter, acht Jahre als Katechist zu absolvieren. Doch ausgerechnet 1614, als es endlich soweit sein sollte, vertrieb der Shogun Tokugawa Ieyasu alle christlichen Missionare aus Japan. Peter floh in die portugiesische Kolonie Macao auf dem chinesischen Festland und trat ins dortige Seminar ein. Doch die Pechsträhne hielt an: Bald schon mussten die Jesuiten die Einrichtung schließen.

Aber ein Samurai akzeptiert kein „Nein“. Peter entschied sich, nach Rom weiterzureisen. Mit dem Schiff erreichte er Nordindien – und ging von dort aus zu Fuß weiter. Vor 400 Jahren, 1617, marschierte der 32-Jährige auf der Seidenstraße los. Über Pakistan, Persien und die Arabische Halbinsel erreichte er 1619, nach rund 3.500 Kilometern, als erster japanischer Pilger Jerusalem. Von dort ging es per Schiff weiter ans Ziel. Im Mai 1620 erreichte Peter Kibe Rom. Wüsten, Stürme und Gebirge hatte er passiert, wilden Tieren und muslimischen Angreifern getrotzt.

Priesterweihe in der Lateranbasilika

Ohne jegliche Papiere und Studiennachweise gelang es ihm nun, seine lateinischen Studien abzuschließen; im November 1620 wurde er in der Lateranbasilika zum Priester geweiht. Im März 1622 nahm er an der Heiligsprechung des Jesuitengründers Ignatius von Loyola und des ersten Japan-Missionars, Franz Xaver, teil. Doch nach seinen Ordensgelübden im November 1622 in Lissabon zog es ihn zurück in die Heimat – obwohl dort das Christentum inzwischen bei Todesstrafe verboten war.

Der Heimweg war kaum weniger abenteuerlich als die Reise nach Rom – zumal allen Kapitänen strengstens untersagt war, Christen nach Japan zu bringen. Am Ende erlitt Peter gar Schiffbruch und strandete auf einer kleinen Insel vor der Küste von Kagoshima – jenem Ort, wo der heilige Franz Xaver einst japanischen Boden betreten hatte. Die Inselbewohner gaben ihm Obdach und setzen ihn später nach Kagoshima über.

Rückkehr nach Japan

1630 erreichte Peter Kasui Kibe das japanische Festland. Seine Ordensoberen hatten ihm geraten, soweit wie möglich nach Nordosten zu gehen. Unterwegs traf er geheime Christen, denen er für neun Jahre als Seelsorger diente. Er ließ sich in Sendai nördlich von Edo nieder, dem heutigen Tokio – bis er im Sommer 1639 von einem mittellosen Christen gegen Geldversprechen verraten wurde.

Peter landete in Edo vor dem Shogun Tokugawa Iemitsu, einem notorischen Christenverfolger. Dessen wichtigster Folterer, Inoue Masashige, überwachte persönlich die Verhöre. Er hatte bereits von Christovao Ferreira, dem früheren Vizeprovinzial der Jesuiten, eine Abschwörung vom Christentum erreicht, und zog diesen nun hinzu. Doch statt einzuknicken, so will es die Überlieferung, versuchte Peter Kibe seinerseits, seine Folterer zu Christus zu bringen.

Selbst die übelsten Foltermethoden, etwa engstes Aufknüpfen kopfüber über einer Latrine oder Entzünden eines Feuers über seinem Bauch, konnten ihn nicht bezwingen. Am Ende jagten ihm die Folterer in Wut einen Speer in den Bauch. Peter Kasui Kibe starb am 4. Juli 1639 mit 52 Jahren. Sein richterliches Urteil lautete: „Er ignorierte das Gebot des Shoguns und betreute Christen.“