Kirchen halten sich bei G20-Demos zurück

  • © Bild: KNA
  • G20 Hamburg - 06.07.2017

Während einige G20-Gegner spontan auf Kirchhöfen ihre Zelte aufgeschlagen haben, halten sich die christlichen Vertreter beim Demonstrieren eher zurück. Sie laden zu Gottesdiensten und Friedensgebeten.

Die Auswirkungen des G20-Gipfels werden allmählich in Hamburg spürbar: Am Mittwochabend legte ein friedlicher Protestmarsch in weiten Teilen der Innenstadt den öffentlichen Nahverkehr lahm, am Donnerstagmorgen bevölkerten Demonstranten, die mit einem Sonderzug angereist waren, den Hauptbahnhof. Auch in den Kirchen der Hansestadt sind die G20-Gegner angekommen. Weil die Stadt mehrere geplante Camps, in denen Aktivisten übernachten wollten, untersagt hatte, schlugen sie ihre Zelte kurzerhand vor einigen evangelischen Gotteshäusern auf. Die Pastoren vor Ort waren nicht begeistert, duldeten die ungebetenen Gäste aber.

Generell halten sich die großen Kirchen beim Demonstrieren eher zurück. Das eigens vor dem Gipfel gegründete kirchliche Bündnis „global.gerecht.gestalten“ bietet zwar allerlei Aktionen von Friedensgebeten über Vorträge bis zu einem Ökumenischen Gottesdienst. Zum Demonstrieren rufen die Verantwortlichen aber nicht auf, allenfalls zur „kritischen Begleitung“ des Treffens.

Misereor - 06.07.2017

Mit neun Zwischenrufen schaltet sich die Deutsche Kommission Justitia et Pax gemeinsam mit dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) in die Debatten vor der Bundestagswahl im September ein. Im siebten Zwischenruf meldet sich der Geschäftsführer von Misereor, Pirmin Spiegel, zu Wort.


Weitere Inhalte

Die evangelische Bischöfin Kirsten Fehrs und ihr katholischer Kollege, Erzbischof Stefan Heße, haben sich jedoch einem weiteren Bündnis angeschlossen – als Einzelpersonen. Unter dem Motto „Hamburg zeigt Haltung“ rufen sie mit weiteren Prominenten dazu auf, für Demokratie und Menschenrechte einzutreten – und dafür auch auf die Straße zu gehen. 10.000 Teilnehmer werden zu einer friedlichen Demonstration erwartet, die am Samstag von der Hauptkirche Sankt Katharinen zum Fischmarkt ziehen soll. Eine kleine Zahl angesichts der rund 75.000 Demonstranten, die zu einer Parallelveranstaltung kommen sollen, bei der die Polizei gewalttätige Ausschreitungen nicht ausschließt.

Grundsätzlichen Widerstand gegen den Gipfel wolle man nicht leisten, betont Heße. Denn zunächst sei es ja nicht verkehrt, wenn Staatschefs zusammenkommen, um miteinander zu reden. „Ich halte es für wichtig, dass es diese Gipfeltreffen gibt.“ Sie böten eine Chance, das Leben der benachteiligten Menschen zu verbessern. Und Fehrs bringt es auf den Punkt: „Wir sind nicht gegen G20, sondern gegen Umweltzerstörung und ungerechte Wirtschaftsstrukturen.“

Zum Ausdruck gebracht werden soll das unter anderem am Abend des ersten Gipfeltages. Wenn sich die Staats- und Regierungschefs am Freitag zum Konzert in der Elbphilharmonie treffen, sollen in zahlreichen Gotteshäusern Norddeutschlands 21 Glockenschläge ertönen. Sie rufen zu 21-minütigen Andachten, bei denen die Christen um den Frieden beten wollen. Die Zahl 21 soll nach Angaben der Kirchen daran erinnern, dass am Verhandlungstisch wichtige Stimmen fehlen, insbesondere die der armen Länder aus dem Süden.

Auch am Vorabend des Gipfels am heutigen Donnerstag wird bereits um den Frieden gebetet: Christen, Muslime, Juden, Buddhisten, Hinduisten, Aleviten und Baha'i laden zum Interreligiösen Friedensgebet in der Universität. Der zweite Gipfeltag am Samstag wird von einem Ökumenischen Gottesdienst begleitet. Als Vertreter der Weltkirche sprechen Agnes Abuom von der anglikanischen Kirche in Kenia und der katholische Bischof von Barbados, Charles Jason Gordon.

Auf dem G20-Gipfel selbst sind die Kirchen durch ihre Hilfswerke vertreten. Brot für die Welt und Misereor nehmen beispielsweise an den Gesprächen im Umfeld der Staats- und Regierungschefs teil, haben allerdings gedämpfte Erwartungen: Er sei „eher skeptisch als zuversichtlich“, sagte Misereor-Hauptgeschäftsführer Pirmin Spiegel der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Vielleicht müsse man es schon als Wert an sich betrachten, dass der Gipfel überhaupt stattfinde „in diesen unruhigen, nationalistisch orientierten Zeiten“. Dringend erforderlich sei eine stärkere Orientierung an den Bedürfnissen der Armen.

Von Michael Althaus (KNA)

© KNA