Jahrelang kein Regen im Norden Kenias

  • Kenia - 28.06.2017

Marsabit im Norden Kenias: 300.000 Menschen leben auf einer Fläche von 67.000 Quadratkilometern. Die Region ist die zweitgrößte des Landes. Die gleichnamige Hauptstadt des Verwaltungsbezirks Marsabit bietet zwar ein eher buntes Bild, aber auf dem Land wirkt die Region oft wie eine Mondlandschaft: Staub, Basaltsteine, Schotterstraßen, die nur mit Jeeps befahrbar sind.

Immer wieder sind verendete Tiere zu sehen, deren Skelette im Sand liegen. Landwirtschaft ist kaum möglich. Hier leben traditionell die nomadischen Viehhirten.

Der Weg führt bei glühender Hitze ins Dorf Yaa Sharbana. 900 Menschen leben hier. Rundzelte, die von außen mit Zweigen, Lederstücken und Plastiksäcken gegen den Wind geschützt werden, dienen den Nomaden als Unterkunft.

Der 93-jährige Elema Wario ist der Dorfälteste. Das harte Leben hat sich tief in sein Gesicht eingegraben. „Seit zwei Jahren hat es hier nicht mehr geregnet“, berichtet er. „Wir haben kein Wasser mehr und nichts zu essen. Unsere Tiere sind zu schwach, viele sind bereits gestorben.“ Der Grund dafür ist aus Sicht von Elema Wario klar: „Der Klimawandel ist schuld“, sagt er.

Traditionell leben die Nomaden in Yaa Scharbana 15 Jahre an einem Ort, um dann weiterzuziehen. Die Stammestradition untersagt es ihnen, in die nächste Stadt Balesa zu ziehen, die rund 30 Kilometer entfernt liegt. Wenigstens aber war es bisher möglich, mit den Kamelen Wasser zu holen; doch die sind nun größtenteils tot. Und die wenigen, die noch leben, sind zu schwach.

Die Kamele waren früher auch die Einkommensquelle der Nomaden von Yaa Sharbana. Mit dem Verkauf der Tiere finanzierten sie Wasserlieferungen durch Trucks. Das geht nun nicht mehr. Daher unterstützt die Organisation Pacida (Pastoralist Community Initiative and Development Assistance) die Menschen mit Nothilfemitteln der österreichischen Caritas.

2,6 Millionen Menschen sind auf Nahrungsmittelhilfen angewiesen

In Kenia haben derzeit rund 2,6 Millionen Menschen nicht genügend Nahrung und sind auf Hilfe angewiesen. Diese Zahl steigt durch die anhaltende Dürre stetig an. Der Norden des Landes mit der Region Marsabit ist besonders stark betroffen. Am stärksten leiden alte Menschen, Kranke, schwangere und stillende Frauen sowie Kinder unter fünf Jahren.

Durch die knappen Wasserressourcen ist die landwirtschaftliche Produktion eingebrochen. Laut Zahlen der Caritas Österreich liegt sie bis zu 70 Prozent unter dem Fünf-Jahres-Durchschnitt.

Der Dorfälteste Wario, der in seinem Leben zehn Kinder zu versorgen hatte, hofft, dass kommende Generationen durch Bildung eine Chance auf eine bessere Zukunft haben. Derzeit sei das aber nicht möglich. Ohne Einkommen können die Viehhirten ihre Kinder nicht in Internate schicken. Auch der Weggang in Städte ist schwierig, da die Menschen das Leben dort nicht kennen. „Wir sind aber bereit zu lernen“, sagt der 93-Jährige.

Die Caritas unterstützt in Kenia zwei Schulprojekte für die Kinder der Nomadenvölker der Region Marsabit. In Kalacha gibt es die Nomadic Girls School, ein Schulbau mit angrenzendem Internat. Hier erhalten speziell Mädchen aus den Nomadenfamilien in Marsabit eine Grundschul- und weiterführende Bildung. „Die meisten Schulen sind für Jungen, die werden gefördert, Mädchen kaum, da sie früh heiraten, Kinder bekommen und dann mit dem Haushalt beschäftigt sind“, sagt Schuldirektor Sora Duba. 99 Prozent der Mädchen und Frauen waren früher Analphabeten. In der Nomadic Girl School erhalten sie nun Unterricht in acht Klassenräumen. „Wir sind auch ein Schutzzentrum für die Mädchen, die oft Gewaltsituationen erfahren, darunter auch Genitalverstümmelung. Bei uns sind sie sicher“, sagt Schuldirektor Duba.

Burgabo in Marsabit. Neben der einzigen asphaltierten Straße in der Region wurde von der Caritas Österreich ein Schulneubau mit 600.000 Euro finanziert. Die Schule umfasst acht Klassenräume, zwei Schlafsäle, einen Essenssaal und Wohneinheiten für Lehrer. 2016 wurde die Schule fertiggestellt. Die Eltern sind Nomaden, ziehen mit den verbliebenen Tieren umher, daher gibt es in Burgabo auch ein Internat. Ab und zu besuchen die Nomaden ihre Kinder, denn ihre Wege führen an der Schule vorbei.