Brasilien: Bevölkerung leidet unter der Korruption

  • Brasilien - 20.06.2017

Wegen der politisch schwierigen Situation in Brasilien werden Gesundheit und Schulbildung extrem vernachlässigt, berichtet der Steyler Missionar Ludwig Kaut. Er arbeitet seit 1981 am Amazonas in Brasilien. Seit sechs Jahren ist der Steyler Missionar in der Diözese Óbidos tätig.

Vor allem Korruption erschwert das Leben der einfachen Bevölkerung in Brasilien immer weiter. Auch Staatspräsident Temer soll darin verwickelt sein, erzählt Bruder Ludwig Kaut während seines aktuellen Heimaturlaubs in Sankt Augustin. Es gehe um Schweigegelder für Politiker und Bestechung der Justiz.

„Und unter all dem hat die Bevölkerung natürlich am meisten zu leiden“, so der Steyler Missionar. Zusammen mit fünf Mitbrüdern und vier Priestern betreut er Gemeinden in 130 verschiedenen Dörfern im Amazonas-Gebiet Alenquer. „Die Themen Gesundheit und Schulbildung müssen ein besonderes Augenmerk bekommen“, betont Kaut. Es fehle praktisch an allem. Die Infrastruktur der Straßen, Gebäude und Schulen sei unmenschlich. Die Schulen besonders im Landesinneren hätten keine Toiletten, kein Schreibmaterial, Schultafeln seien verrottet.

Seit 35 Jahren arbeitet der Steyler Missionar Bruder Ludwig Kaut in der Amazonas-Region Brasiliens.

Steyler Missionare

„Zwischenmahlzeiten gibt es nicht, weil niemand sie vorbereitet“, weiß der Steyler. Außerdem hätten Omnibusse in den Ferien repariert werden müssen, was aber nicht geschehen sei. Hinzu komme, dass Straßen und Wege aufgrund von schweren Regenfällen gar nicht passierbar seien. „Gemeinde und Staatsregierung sorgen nicht dafür, dass der Transport der Schüler unter sicheren Bedingungen geschehen kann“, beklagt der Missionar. „Wie sollen die Kinder also überhaupt in die Schule kommen? Wir Steyler versuchen deshalb mit Vertretern der Gewerkschaften Forderungen zu stellen, um zum Beispiel Sicherheit im Straßenverkehr zu gewährleisten.“

Aber das sind laut Kaut nicht die einzigen Probleme rund um das Thema Bildung: „Anfang Februar sollte die Schule beginnen. Begonnen hat sie aber erst Mitte April“, erzählt er. „Weil die Lehrer sich ungerecht entlohnt fühlen, streiken sie oft zu Beginn des Schuljahrs.“

Lehrer streiken, Schüler brechen ab

Laut einer im April 2017 veröffentlichen Studie gehen 2,5 Millionen junge Brasilianer zwischen vier und siebzehn Jahren nicht zur Schule. Eine Schulpflicht ist zwar vorhanden, wird aber nicht kontrolliert. Rund 60 Prozent der Schüler verlassen die Schule ohne Abschluss. Bei den Mädchen bis 17 Jahren hat zudem rund ein Drittel bereits ein oder mehrere Kinder. Rund 60 Prozent der jungen Mütter gehen weder zur Schule, noch arbeiten sie.

Für Bruder Ludwig Kaut und seine Mitbrüder ist der Kampf gegen die Korruption das Mittel, zu mehr sozialer Gerechtigkeit zu gelangen: „Deshalb haben wir Leute der Kirche in den Gemeinderat gebracht, denen wir vertrauen und von denen wir wissen, dass sie sich nicht haben kaufen lassen, dass sie korrekt und nicht in Skandale verwickelt sind. Und dafür werden wir uns in Zukunft auch noch mehr einsetzen.“

Von Melanie Pies

© Steyler Missionare