Hilfswerke beklagen Kinderarbeit

  • Kinderarbeit - 12.06.2017

Zum internationalen Tag gegen Kinderarbeit an diesem Montag haben Hilfswerke die Ausbeutung von Mädchen und Jungen angeprangert. Das Kindermissionswerk „Die Sternsinger“ verwies am Donnerstag in Aachen auf Schätzungen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO), wonach rund 168 Millionen Kinder zwischen 5 und 17 Jahren weltweit mehrere Stunden am Tag arbeiten. Das seien 11 Prozent aller Minderjährigen. Etwa 85 Millionen Jungen und Mädchen arbeiteten unter ausbeuterischen Bedingungen.

Den Kampf gegen derartige Praktiken wollen die Träger der Aktion Dreikönigssingen – „Die Sternsinger“ sowie der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) – in den Mittelpunkt ihrer Aktion im nächsten Jahr stellen. Das Beispielland werde Indien sein, „das Land mit den meisten arbeitenden Kindern weltweit“, hieß es. Die Eröffnung der 60. Aktion Dreikönigssingen findet am 29. Dezember in Trier statt.

„Um Mädchen und Jungen aus der Kinderarbeit zu befreien, braucht es Alternativen“, erklärte „Sternsinger“-Präsident Klaus Krämer. „Wir sehen sie in der Schaffung von Bildungsmöglichkeiten, denn nur, wenn Kinder gestärkt werden, können sie später ein selbstbestimmtes Leben führen.“ Viele arbeitende Kinder, die zum Lebensunterhalt ihrer Familien beitragen müssten, könnten nicht zur Schule gehen. „Diesen Kreislauf zu durchbrechen, hat für uns oberste Priorität.“ Daher seien auch „Die Sternsinger“ an Bildungsprojekten weltweit beteiligt.

Ein neuer Kinderarbeitsreport des internationalen Kinderhilfswerks „terre des hommes“ in Osnabrück hält fest, dass der Klimawandel die Ausbeutung von Minderjährigen verschärfe. Extreme Wetterphänomene, Dürren und Umweltzerstörungen durch den Menschen führten zu Armut in vielen Ländern. „Kinder leiden besonders unter sich verschärfenden Umweltbedingungen“, so Vorstandssprecher Jörg Angerstein. Notwendig seien Ressourcenschutz und nachhaltiges Wirtschaften. „Das wäre auch ein Beitrag zum Schutz von Kindern vor ausbeuterischer Arbeit.“

Die Untersuchungen in Indien, Nepal, Burkina Faso, Peru und Nicaragua zeigten deutlich den Zusammenhang zwischen Klimawandel und vermehrter Kinderarbeit, hieß es. In der Sahelzone sei es wegen der Erderwärmung zu nicht vorhersehbaren Wetterbedingungen und einer Auslaugung der Böden gekommen. Immer mehr Kinder und Jugendliche müssten daher in Goldminen arbeiten. In Nicaragua erzielten Bauern aufgrund extremer Wetterbedingungen keine verlässliche Ernte mehr. Die Arbeit auf großen Mülldeponien sei oftmals die einzig lukrative Alternative.

Saisonale oder permanente Migration von Familien werde zunehmend in zahlreichen Ländern eine Folge des Klimawandels. „In den meisten untersuchten Fällen führt das dazu, dass die Kinder in ausbeuterische Arbeitsverhältnisse gelangen“, so Angerstein. Das Thema brauche dringend mehr Beachtung, wissenschaftliche Begleitung und eine Verzahnung der Politikfelder Umwelt und Kinderrechte.

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