Missio: Bundesregierung soll sich zu Religionsfreiheit in Indien äußern

  • Indien - 29.05.2017

Die Bundesregierung muss die Gefährdung der Religionsfreiheit in Indien beim Besuch von Premierminister Narendra Modi an diesem Montag offen ansprechen. Das fordert Prälat Klaus Krämer, Präsident des Internationalen Katholischen Missionswerkes Missio in Aachen. „Die christlichen und muslimischen Minderheiten sind besonders durch die Ideologie des Hindu-Nationalismus, den Druck zur Zwangskonversion zum Hinduismus und mangelnden Schutz der Behörden gegen lokale Gewalttaten bedroht“, sagte Prälat Krämer.

Gleichzeitig bittet Prälat Krämer die Bundesregierung, sich bei Modi für das Schicksal von sieben Christen aus dem Bundesstaat Odisha einzusetzen, die zu Unrecht zu lebenslanger Haft verurteilt sind. Die Männer sollen 2008 einen hindu-nationalistischen Geistlichen ermordet haben. Obwohl eine politische Rebellengruppe die Verantwortung für den Mord übernahm und die Indizien gegen die sieben Männer offenkundig manipuliert waren, sitzen sie weiter im Gefängnis. Sie gehören der indigenen Bevölkerung der Adivasi und der sozial benachteiligten Gruppe der Dalits an.

Im Namen der Familien dieser sieben Männer hat missio Anfang April die Petition #freeourhusbands an die indische Regierung gestartet, um Unterschriften für die Freilassung der sieben Männer zu sammeln. Die Petition wird zeitgleich in Indien von der Petition #Release7InnocentsofKandhamal begleitet, die durch die indische Bischofskonferenz unterstützt wird.

Prälat Krämer erinnerte vor dem Besuch von Modi in Berlin auch an die Opfer der mehrmonatigen Unruhen gegen Christen in Kandhamal 2007 und 2008. „Ihnen ist längst noch nicht juristische Gerechtigkeit widerfahren, das muss die Bundesregierung jetzt bei Modi auf die politische Agenda bringen“, fordert der Präsident des katholischen Hilfswerkes. Rund 100 Christen wurden vor zehn Jahren getötet, mehr als 50.000 mussten fliehen, mehrere tausend Wohnhäuser brannten nieder, etwa 300 kirchliche Gebäude wurden zerstört. Von den rund 84.000 Beschuldigten seien nach Angaben der indischen Menschenrechtsorganisation „Initiative to Justice, Peace and Human Rights“ bisher lediglich 477 Täter verurteilt worden, darunter zwei wegen Mordes. Rund 255 Strafverfahren seien immer noch anhängig.

© Missio