Massiver Verlust an Kulturerbe im christlichen Osten

  • Ostkirchen - 10.05.2017

Ein „ungeheures Ausmaß“ der Zerstörung und Vernichtung des christlichen Kulturerbes durch die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) hat der Salzburger Ostkirchenexperte Dietmar Winkler beklagt. In seinem Vortrag bei der Jahrestagung der „Gesellschaft zum Studium des christlichen Ostens“ (GSCO) in Salzburg berichtete Winkler, allein im Irak seien rund 100 Kirchen, Klöster und kirchliche Einrichtungen Ziel von Zerstörungsakten geworden.

Als Beispiel unter anderen führte Winkler das Mar-Elija-Kloster südlich von Mossul an. Das älteste Kloster des Irak sei völlig dem Erdboden gleichgemacht worden. Auch das Mar-Elian-Kloster im syrischen Karjatan hätten Islamisten mit Bulldozern vollständig vernichtet.

Mit der Zerstörung von Klöstern, Kirchen und Manuskripten wolle der IS das Herz und die Seele des orientalischen Christentums treffen, so der Dekan der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Salzburg. Zur Ermordung und Vertreibung unzähliger Menschen komme so auch noch der Verlust wertvollster Traditionen, Spiritualität und Kulturen des christlichen Orients hinzu.

Irak - 09.05.2017

Zartes Pflänzchen Hoffnung im kriegsgeschundenen Irak: In der Niniveh-Ebene beginnt dieser Tage der Wiederaufbau zerstörter christlicher Ortschaften. Erste Rückkehrer bekommen zum Neubeginn ein Olivenbäumchen geschenkt.


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Die GSCO-Jahrestagung stand unter dem Titel „Reichtum und Gefährdung des orientalischen Christentums“. Den Hauptvortrag hielt die niederländische Ostkirchenexpertin Heleen Murre-Van der Berg. Sie ging auf den Völkermord an den Armeniern und syrischen Christen im Osmanischen Reich ab 1915 sowie auf die Rezeption der Ereignisse vor allem im Hinblick auf Franz Werfels Roman „Die 40 Tage des Musa Dagh“ ein.

Die Erinnerung an den Völkermord an den syrischen und armenischen Christen sei auch deshalb so wichtig, weil sich sonst neue Räume öffnen würden für die Unterdrückung von ethnischen, religiösen oder sozialen Minderheiten weltweit, so Murre-Van der Berg. Sie zog Parallelen zwischen dem Völkermord an den Armeniern, dem Holocaust an den Juden im Zweiten Weltkrieg und den Massakern des IS an den Jesiden und Christen im Nordirak und in Syrien.

Die GSCO wurde 2001 als Gemeinschaft wissenschaftlich arbeitender Institute und Einzelpersonen im deutschen Sprachraum gegründet.

© KNA

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