Venezolaner fliehen nach Kolumbien

  • Venezuela - 28.04.2017

Wegen der schlechten Versorungslage und politischer Unruhen fliehen immer mehr Venezolaner ins Nachbarland Kolumbien. Die Caritas hat deshalb ihre Hilfen für die Flüchtlinge ausgeweitet und kümmert sich besonders um Schwangere und mangelernährte Kinder.

Laut der kolumbianischen Migrationsbehörde halten sich mehr als 350.000 nicht registrierte Venezolaner in Kolumbien auf, Schätzungen zufolge fliehen täglich bis zu 500 Venezolaner über die Grenze, wie es in einer Mitteilung von Caritas international am Freitag hieß. Die Caritas habe deshalb in Zusammenarbeit mit dem Flüchtlingsdienst der Jesuiten im venezolanisch-kolumbianischen Grenzgebiet begonnen.

Venezolanische Flüchtlinge werden demnach mit den lebensnotwendigen Hilfsgütern versorgt. Caritas-Mitarbeiter Friedrich Kircher berichtet nach einem Einsatz in der Region, dass aufgrund des kollabierenden venezolanischen Gesundheitssystems selbst hochschwangere Venezolanerinnen über die Grenze fliehen, um in Kolumbien ihre Kinder zu bekommen. Da sie von den örtlichen Krankenhäusern erst aufgenommen würden, wenn die Wehen einsetzten, unterstütze sie Caritas beispielsweise durch pränatale Schwangerschaftsuntersuchungen.

Schüler fallen vor Hunger in Ohnmacht

Von der in Venezuela verbliebenen Bevölkerung leiden nach Angaben der lokalen Caritas besonders Kinder und kranke Menschen unter der katastrophalen Versorgungslage: „Es kostet mittlerweile das Zehnfache eines venezolanischen Mindestlohnes, um sich mit den wichtigsten Lebensmitteln versorgen zu können“, berichtet die Caritas-Direktorin Janeth Márquez. „Die Hälfte der Schüler besuchen den Unterricht nicht mehr, weil sie nichts zu essen haben. Lehrer berichten uns, dass schlecht ernährte Kinder im Unterricht vor Hunger in Ohnmacht fallen.“

Um die Ernährung von Kindern und Säuglingen zu verbessern, hat die Caritas Venezuela in mehreren Regionen des Landes Zusatzernährungsprojekte initiiert. Die dabei erhobenen Daten zeigten, dass 25 Prozent der Kinder Anzeichen von akuter Unterernährung aufwiesen, so die Mitteilung.

Caritas Venezuela gehört zu den wenigen Organisationen, die im Land noch Hilfe leisten können. Sowohl die Finanzierung als auch die praktische Umsetzung stellen jedoch auch das katholische Hilfswerk zunehmend vor Probleme. Wie Caritas-Direktorin Janeth Márquez berichtet, reichten ihre Möglichkeiten bei weitem nicht aus, um den immer größer werdenden Bedarf abzudecken: „Früher kamen zehn Menschen, um medizinische Hilfe bei uns zu erhalten. Heute sind es 5.000.”

© Caritas international/cze

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