Missio fordert Glechberechtigung für ägyptische Christen

  • Ägypten - 26.04.2017

Christen in Ägypten sollen nicht wie Bürger zweiter Klasse behandelt werden. Das fordert das Internationale Katholische Missionswerk Missio in Aachen anlässlich des Papstbesuches in Kairo diese Woche. Es reiche nicht, allein die Sicherheitsvorkehrungen für die Christen in Ägypten zu erhöhen, sondern es müsse sich langfristig die Mentalität der Gesellschaft ändern.

„Dafür ist Bildung der Schlüssel“, sagte Missio-Präsident Prälat Klaus Krämer am Mittwoch laut einer Mitteilung des Hilfswerks. Für die Gleichberechtigung von Christen in Ägypten sei aber auch ein Umdenken seitens des offiziellen Islams notwendig. Zwar sei nach mehreren Jahren des Schweigens wieder das Gespräch zwischen der Al-Azar-Universität in Kairo und dem Vatikan aufgenommen worden, aber hier müsse es mehr Ergebnisse als „den Austausch von Höflichkeiten“ geben, so Krämer. „Die traditionelle islamische Auffassung, dass Toleranz die bloße Duldung von Angehörigen anderer Religionen meint, ohne sie als gleichberechtigte Bürger zu behandeln, muss sich ändern“. Er hoffe, dass Papst Franziskus dieses Thema bei seinen Treffen mit muslimischen Würdenträgern in Ägypten anspreche.

Dossier

In vielen Teilen der Welt werden Kirchen, christliche Gemeinschaften und einzelne Gläubige bedrängt, verfolgt und in ihren Grundrechten verletzt. Das Internetportal Weltkirche stellt für Sie einige wichtige Hintergrundinformationen und Dokumente zu den Themen „Bedrängte Christen“ und „Religionsfreiheit“ zusammen.


Zum Dossier

Auch die schrecklichen Anschläge von Palmsonntag gegen zwei koptische Kirchen seien noch nicht vergessen und die Menschen trauerten weiter. „Aber unsere Partner wollen, dass die Weltöffentlichkeit nicht nur den Terror registriert, sondern sich mehr für die Rolle der Kirche beim Aufbau einer gerechteren und besseren Zukunft des Landes interessiert“, berichtet Krämer weiter.

Ägyptische Kirche geht an die Ränder der Gesellschaft

Die ägyptische Kirche praktiziere das, was Papst Franziskus mit seinem Appell meine, an die Ränder der Gesellschaft zu gehen. In den schnell wachsenden neuen Vierteln der Großstädte sei die Kirche mit neuen Pfarreien und einem breiten Angebot für Bildungs- und Sozialarbeit präsent, um allen Menschen ungeachtet ihrer Religionszugehörigkeit zu helfen. Die Kirche biete Schulen und Bildungskurse für alle Ägypter an. Sie sei in der Behindertenarbeit tätig und kümmere sich um Menschen in Gefängnissen, gleichgültig ob diese Muslime oder Christen seien.

„Dieses diakonische Zeugnis fördert im Alltag die Wertschätzung der Christen durch die islamische Mehrheitsgesellschaft und trägt langfristig dazu bei, dass Christen als gleichberechtigte Bürger wahrgenommen werden“, so die Hoffnung von Prälat Krämer. Missio Aachen fördert das Engagement der koptisch-katholischen Kirche in Ägypten zurzeit mit 28 Projekten und rund 1,5 Millionen Euro.

© Missio/cze