Schatten über dem Fest

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  • Konflikte - 18.04.2017

In seiner Botschaft am Ostersonntag wählte Papst Franziskus deutliche Worte. Einen „schändlichen Angriff“ nannte er das, was sich tags zuvor im Norden Syriens abgespielt hatte. Ein Selbstmordattentäter riss bei einer Attacke auf einen Buskonvoi mit Flüchtlingen mehr als 120 Menschen in den Tod, darunter fast 70 Kinder. Auch am Ostermontag war unklar, wer hinter einem der schlimmsten Anschläge des an Grausamkeiten reichen Krieges in Syrien steckte. Neben der Ungewissheit beherrschte vor allem eines die internationalen Stellungnahmen: Fassungslosigkeit und Entsetzen.

Ein weiteres Ereignis zog an den Ostertagen die Aufmerksamkeit auf sich: die Abstimmung über die von Präsident Recep Tayyip Erdogan angestrebte Verfassungsänderung in der Türkei. Mit einer knappen Mehrheit von 51,4 Prozent konnten sich Erdogan und seine Anhänger behaupten. Was das nun beispielsweise für das Verhältnis der Türkei zur EU bedeutet, ist noch unklar. Ändern wird es sich auf alle Fälle. Und ändern dürfte sich auch das Klima in dem Land, so zumindest befürchten es Menschenrechtler und Oppositionelle.

Vertreter der christlichen Minderheit gaben sich am Ostermontag gelassen. Verglichen mit anderen Ländern in der Region scheint die Lage in der Türkei vergleichsweise stabil. Nachdem in Ägypten am Palmsonntag Islamisten zwei koptische Kirchen angegriffen hatten, stand die Frage im Raum, wie die Osterfeierlichkeiten in dem Land ablaufen würden, das Papst Franziskus Ende des Monats besuchen will.

Die ersten Reaktionen klangen erleichtert. Die Gottesdienste seien durchweg gut besucht gewesen, sagte etwa der katholische deutsche Auslandsseelsorger in Kairo, Joachim Schroedel, am Ostermontag der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Eine Ausnahme war Schroedels Angaben zufolge nur der Hauptgottesdienst der koptisch-orthodoxen Kirche mit Patriarch Tawadros II. „Eventuell lag das an den erhöhten Sicherheitsbestimmungen des Staates.“

Erhöhte Sicherheitsvorkehrungen galten auch in Israel, wo Christen aus aller Herren Länder zusammenkamen, um des Todes und der Auferstehung Jesu zu gedenken. Der Andrang war in diesem Jahr wieder einmal besonders groß, weil Ost- und Westkirche Ostern zum gleichen Termin feierten. Überschattet wurden die Feierlichkeiten in Jerusalem durch einen tödlichen Messerangriff auf eine 25-jährige Britin. Laut Polizei ist der Täter ein psychisch kranker Palästinenser aus Ostjerusalem.

Gedrückte Stimmung herrschte im Osten der Ukraine. Dort sollte ein Waffenstillstand zwischen ukrainischen Truppen und prorussischen Separatisten eigentlich ein halbwegs ruhiges Osterfest garantieren. Aber schon am Gründonnerstag flammten die Kämpfe zum wiederholten Male auf. Es gärt auch in anderen Teilen der Welt: In Venezuela gingen Demonstranten gegen die Regierung von Nicolas Maduro auf die Straßen; in Afrika leiden Menschen in vielen Ländern unter Hunger und gewaltsamen Auseinandersetzungen.

Die Auswirkungen sind direkt in Europa zu spüren. Mit Beginn der Frühlingszeit steigen die Zahlen der Bootsflüchtlinge im Mittelmeer rasant an. Am Osterwochenende schlug die deutsche Hilfsorganisation „Jugend Rettet“ Alarm. Deren Schiff „Iuventa“ war mit 400 Flüchtlingen an Bord in Seenot geraten. In der Zwischenzeit scheint sich die Situation geklärt zu haben. Aber allein in den vergangenen Tagen retteten Schiffe der italienischen Küstenwache sowie private Hilfsorganisationen laut Medienberichten mehrere Tausend Menschen aus Schlauchbooten.

In seiner Osterbotschaft mahnte Papst Franziskus eindringlich, Wege zum Frieden zu suchen und das Geschäft von Waffenhändlern und Schleusern zu unterbinden. Ein frommer Wunsch - und eine bleibende Herausforderung nach diesen Ostertagen.

Von Joachim Heinz, Katholische Nachrichten-Agentur (KNA)

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