Die Kultur des Anderen bewahren

  • Mission - 20.03.2017

Unter dem Titel „Missionsgeschichtliche Sammlungen heute. Herausforderungen, Chancen, Visionen“ kommen von Donnerstag bis Freitag Fachleute aus ganz Deutschland zusammen, um Erbe und Zukunft der Missionsmuseen in den Blick zu nehmen. Veranstalter sind der Landschaftsverband Rheinland (LVR) und der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL). Als Tagungsort dient das Kloster der Steyler Missionare in Sankt Augustin, die dort ein großes Missionsmuseum unterhalten. 

Das Museum „Haus Völker und Kulturen“ gilt als Kleinod: Objekte, die die Steyler Missionare während ihrer Tätigkeiten in den Missionsgebieten, im Rahmen von Feldforschungen oder mit Unterstützung von Stiftungen in Übersee sammelten, haben im Museum eine neue Heimat gefunden. Sie stammen aus Papua-Neuguinea, aus China und Indonesien, West- und Zentralafrika, Mittel- oder Südamerika. Die missionsgeschichtliche, ethnologische Sammlung legt Zeugnis ab über weltweite Missionsarbeit des Ordens und seiner Mitglieder – und mehr noch über die vielfältigen Kulturen der indigenen Völker. Der Kulturtransfer steht im Mittelpunkt der musealen Präsentation.

„Die Kultur des Anderen kennenzulernen und zu bewahren war das Motiv für die Sammlung der Gegenstände aus den Missionsgebieten“, erläutert Prof. Dr. Georg Skrabania SVD. Der Pater der Steyler Missionare ist Direktor des Museums „Haus Völker und Kulturen“ in Sankt Augustin. „An den realen Objekten sollten und sollen die angehenden Missionare in ihrer Ausbildung etwas über die Menschen in den Missionsgebieten, über ihr Leben und ihren Glauben lernen. Denn das Evangelium, die frohe Botschaft Jesu muss nach Überzeugung der Steyler Missionare in den jeweiligen kulturellen Kontexten der Völker verkündet werden“, so Skrabania. Die Missionshäuser eröffneten der benachbarten Bevölkerung und vielen Besuchern die Chance, mit authentischen kulturellen Produkten aus fernen Ländern in Berührung zu kommen.

Das Museum Haus Völker und Kulturen eröffnete 1973 und wurde bis heute nur minimal verändert, die Präsentation ist mittlerweile selbst museal. Ein vergleichbares Schicksal teilt die Sankt Augustiner Sammlung mit anderen missionsgeschichtlichen Sammlung und Museen. „Begegnung und Vermittlung der Kulturen ist das Programm vieler Steyler Missionshäuser. Was das Haus Völker und Kulturen auszeichnet, ist die enge Verbindung zu Disziplinen wie Ethnologie, Anthropologie, Missions- und Kulturwissenschaften, die hier in Sankt Augustin durch Philosophisch-Theologische Hochschule und die wissenschaftlichen Institute und Akademien vertreten sind“, sagt Skrabania.

Sowohl im aktuellen wissenschaftlichen Diskurs als auch in der Öffentlichkeit wird die Zukunft von ethnologischen Museen auf vielfältige Weise besprochen. Daran knüpfen unter anderem Umbenennungen von ehemaligen „Völkerkundemuseen“ und ihre Neukonzeptionen an. Beispielhaft ist ebenso die lebhafte Debatte zum „shared heritage“ im Zusammenhang mit dem Humboldt Forum in Berlin zu nennen.

Die zahlreichen missionsgeschichtlichen evangelischen wie katholischen Sammlungen in Deutschland verfügen ebenfalls über einen sehr umfangreichen und wertvollen Besitz an ethnologischen Objekten. Dennoch führen diese bisweilen ein Schattendasein. Liegt dies an den zum Teil nur ungenügend wissenschaftlich erschlossenen Bestandsgruppen, geringen Öffnungszeiten, mangelndem Bekanntheitsgrad und/oder einer schwierigen Personal- und Finanzsituation?

Museumsmitarbeiter, Ordensmitglieder sowie Wissenschaftler werden an zwei Tagen aktuelle Diskurse, Herausforderungen sowie mögliche Herangehensweisen für die Weiterentwicklung von missionsgeschichtlichen Sammlungen und Präsentationen diskutieren.

Das Symposium wird veranstaltet vom Landschaftsverband Rheinland, LVR-Fachbereich Regionale Kulturarbeit / Museumsberatung, Köln und dem Landschaftsverband Westfalen Lippe, LWL-Museumsamt für Westfalen, Münster.

© Steyler Missionare