Be the change - Internationale Jugendbegegnung in Bonn

  • Jugend - 28.01.2017

Zum Don Bosco Forum kamen auch die Teilnehmer der Internationalen Jugendbegegnung der Don Bosco Mission, die von 23. bis 30. Januar unter dem Motto „Be the change and heal the world” in Bonn zusammengekommen waren. Dort hatten an die 40 Jugendliche aus Europa und dem Nahen Osten unter anderem über das Thema Radikalisierung von jungen Menschen diskutiert. Lesen Sie hier die Berichte von Sara aus Italien und Ramy aus Palästina.

Sara, 20, aus Italien

„Bei der Jugendbegegnung in Bonn waren wir 40 Schüler und Studenten aus allen Ländern: Italien, Spanien, Tschechien, Polen und Deutschland und Ägypten und Palästina. Wir haben über den Unterschied von Radikalisierung und Extremismus gesprochen. Wer zum Extremisten wird, ist eine schwache Person, die gelitten hat, sich vielleicht ausgegrenzt gefühlt hat. Der Weg, der aus dieser Situation herausführt, ist die Inklusion, die Entwicklung von einem Bewusstsein durch Bildung. Das heißt nicht, dass man eine ganze Bibliothek studieren muss, sondern ich meine Bildung im salesianischen Sinne.

Schließlich gibt es auch eine positive Radikalität: Eine Radikalität wie sie Mahatma Gandhi hatte, oder Martin Luther King oder die Antimafia-Kämpfer in Italien. Es ist die Art von Radikalität der Liebe, die Jesus selbst uns vorgelebt hat. Radikalität ist nicht automatisch etwas Schlechtes, sie wird es erst, wenn sie in Extremismus umschlägt.

„Es gibt auch eine positive Radikalität: Die Radikalität der Liebe, die Jesus selbst uns vorgelebt hat.“

— Sara, 20, aus Italien

Ich habe mir noch nie so sehr den Frieden gewünscht, wie in dieser Woche. In den Gesichtern unserer Gruppenteilnehmer aus dem Nahen Osten siehst du ein Leid, das wir nur indirekt erleben, über die Berichte in den Medien. Aber ihr Leid direkt an ihrem Gesicht abzulesen, ist etwas ganz Anderes. Vorgestern haben wir Messe gefeiert. In der ersten Lesung kam die Stelle vor, wo Jesus sagte „Saul, Saul, warum verfolgst du mich?“ Pater Vincent sprach dann in seiner Predigt über die Situation der Christen in Palästina und Ägypten. Sofort hat sich der Gesichtsausdruck unserer Gruppenmitglieder aus dieser Region verändert.

Dennoch hat in dieser Woche ein Gefühl stark dominiert: Hoffnung. Unser Motto lautet: „You may say I’m a dreamer, but I’m not the only one“. Wie auf dem Weltjugendtag in Krakau habe ich auch hier erkannt, dass es eine große Anzahl von Menschen gibt, die den Wunsch nach einer besseren Welt haben. Wenn wir zurückkehren in unsere Heimatländer, legen wir sicher alle einen Gang zu!“

Rami ist katholischer Christ und lebt mit seiner Familie in Bethlehem.

Claudia Zeisel

Rami, 23, aus Palästina

„Ich bin Rami aus Bethlehem. Gemeinsam mit Pater Vincent und einer Gruppe aus dem Don Bosco Zentrum in Bethlehem sind wir zur Jugendbegegnung nach Bonn gereist. Wir haben dafür extra unsere Pullis bedruckt! Am liebsten würde ich in Deutschland bleiben, ich mag gar nicht an meine Heimat denken. Dort erleben wir täglich Druck von allen Seiten. Wir leben in dieser Stadt auf engem Raum, um uns wurde eine Mauer gebaut. So sind wir von den Juden getrennt.

Ich selbst habe die Uni abgebrochen, weil sie zu teuer war. Ein halbes Jahr habe ich Hotelmanagement studiert. Aber ich muss meine Eltern finanziell unterstützen und so arbeite ich seit vier Jahren im Supermarkt in einer jüdischen Siedlung in der Nähe. Das ist schon ein komisches Gefühl. Die Straße zwischen Bethlehem und Hebron dürfen wir zwar benutzen, aber wenn ich auf dem Weg zur Arbeit an der Bushaltestelle stehe, muss ich mich von den Israelis fernhalten. Da fühlst du dich, als wärst du kein Mensch, selbst die Hunde dürfen dort vorbei.

„Es ist mir egal, ob jemand Jude, Muslim oder Christ ist – ich sehe einfach den Menschen.“

— Rami, 23, katholischer Christ aus Bethlehem

Die Situation der Christen verschlechtert sich zunehmend. Besonders an Feiertagen nehmen die Spannungen zu. An Weihnachten hat man uns zum Beispiel den Christbaumschmuck vom Baum geklaut. Aber auch wegen der schlechten Bildung und mangelnden Jobperspektiven verlassen viele Christen die Stadt. Ich überlege, sogar das Land zu verlassen. Ich sage mir: Du lebst nur einmal, warum solltest du dein Leben in so einem Land verbringen? Wenn ich sehe, wie die Menschen in Europa und in Deutschland leben, sage ich mir: Ich wünschte, ich hätte eure Probleme.

Bei der Jugendbegegnung haben wir über Radikalisierung gesprochen, die besonders hier ein Problem ist. Ich wünsche mir, dass die radikalen Menschen von der Erde verschwinden. Ich persönlich will nur Frieden. Es ist mir egal, ob jemand Jude, Muslim oder Christ ist – ich sehe einfach den Menschen.“

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