Kirchen in Mexiko und den USA kritisieren Trumps Mauerbaupläne

Der mexikanische Bischof Raul Vera Lopez hat den geplanten Mauerbau an der Grenze zu Mexiko kritisiert. Auch die Kirchen in den USA prangern Trumps Pläne zum Mauerbau an.

„Wir hätten dann ein großes Problem, denn durch Mexiko kommen viele Migranten und Flüchtlinge aus der ganzen Welt. Sie kommen aus vielen Ländern und wollen in die USA“, sagte der Bischof von Saltillo am Donnerstag der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in Aachen.

Die Ankündigung des neuen US-Präsidenten Donald Trump, Mexiko werde den Bau der Mauer bezahlen, bezeichnete der Kooperationspartner des Bischöflichen Hilfswerks Misereor als „Hirngespinst“: „Warum sollten wir dafür zahlen? Es wird hoffentlich vernünftige Menschen in den USA geben, die dem Präsidenten sagen, dass dieses Vorgehen gegen jegliche diplomatische Gepflogenheiten verstößt.“

Der Bischof betonte, dass ihm auch Trumps Abschiebepläne für Einwanderer ohne legalen Status Sorge bereiteten. „Da geht es um Menschen, die schon lange in den USA leben, die sich schon lange um die US-Staatsbürgerschaft bemühen“, sagte der Geistliche. „Das sollen dann Leute sein, die ein kleines Delikt begangen haben, vielleicht irgendwo im Verkehr aufgefallen sind oder mit Alkohol gehandelt haben.“ Tatsächlich seien dies „Vorwände“, um Millionen Mexikaner abzuschieben.

„Es ist Christus, den wir zurückweisen, wenn wir Mauern bauen“

— James Martin, US-amerikanischer katholischer Publizist und Jesuitenpater

Auch die Kirchen in den USA äußern sich kritisch

Auch die Kirchen in den USA kritisieren Trumps Pläne zum Mauerbau. Die Mauer würde „Immigrantenleben unnötig in Gefahr bringen“, kritisierte der Vorsitzende der Kommission für Migranten in der katholischen Bischofskonferenz, Bischof Joe Vasquez aus Austin (Texas), in einer ersten Stellungnahme. Der Mauerbau und Trumps weitere Pläne in Sachen Einwanderungspolitik würden „Familien auseinanderreißen und Angst und Panik in Gemeinschaften auslösen“, so Vasquez.

Der Bau der Mauer zerstöre zudem die vielen lebendigen miteinander verbundenen Gemeinschaften, die friedlich entlang der Grenze lebten: „Anstatt Mauern zu bauen, werden meine Bruderbischöfe und ich auch weiterhin dem Beispiel von Papst Franziskus folgen. Wir werden uns bemühen, Brücken zwischen Menschen zu bauen, Brücken, die es uns ermöglichen, die Mauern von Ausgrenzung und Ausbeutung zu brechen.“ Während seines Mexiko-Besuchs im Februar 2016 hatte sich auch der Papst an der US-Grenze deutlich gegen die Mauerbau-Pläne ausgesprochen.

Der katholische Publizist und Jesuitenpater James Martin erklärte am Mittwochabend: „Es ist Christus, den wir zurückweisen, wenn wir Mauern bauen“. Trumps Pläne seien „das Gegenteil von dem, was die Bibel sagt“, warnte William T. Barber, der mit seinen „Moral Mondays“ zu einem Sprachrohr progressiver Christen in den USA geworden ist: „Diese Entscheidungen riechen nach Rassismus und Fremdenfeindlichkeit.“

Grenze zwischen USA und Mexiko

Adveniat

Trump hatte am Mittwoch die präsidiale Order zum Bau einer Grenzmauer zwischen den USA und Mexiko unterzeichnet, wie er es im Wahlkampf immer wieder angekündigt hatte. Die Planungen dafür sollen sofort, der Bau in Kürze beginnen. Am Ende soll die bisher teilweise nur mit Metallzäunen und Sperranlagen versehene Grenze im Süden der USA auf der vollen Länge von rund 3.100 Kilometern komplett mit einer hohen Mauer befestigt sein.

Aus Sicht der Regierung sollen damit der Drogenhandel und vor allem die Einwanderung ohne Aufenthaltsgenehmigung unterbunden werden. Das Vorhaben könnte nach Einschätzung von Experten insgesamt bis zu 40 Milliarden Dollar kosten. Das Geld will Trump zu einem nicht näher fixierten Datum vom Nachbarland Mexiko wieder zurückfordern. Die mexikanische Regierung hat dies am Mittwoch erneut abgelehnt. Kritiker halten das Projekt für Geldverschwendung, da eine lückenlose Schließung der Grenze nicht möglich sei, gerade in Gebirgs- und Wüstenregionen.

Staatenbund CELAC für Politik der Integration

Mit Blick auf die ersten Amtshandlungen von US-Präsident Trump hat sich auch die „Gemeinschaft der Lateinamerikanischen und Karibischen Staaten (CELAC)“ auf ihrem Gipfeltreffen in der Dominikanischen Republik für eine Politik der „Integration und der Öffnung“ ausgesprochen. „Die Lösung sind keine Mauern, sind keine Grenzen, sondern Solidarität, Menschlichkeit und die Schaffung von Bedingungen des Wohlstandes und des Friedens“, sagte Ecuadors Präsident Rafael Correa in seiner Rede. Correa rief seine Amtskollegen dazu auf, eine klare Position zur Verteidigung der Migranten, nicht nur in Lateinamerika und der Karibik, sondern in der ganzen Welt einzunehmen.

Kubas Präsident Raul Castro signalisierte unterdessen Bereitschaft, einen respektvollen Dialog mit der neuen US-Regierung fortzusetzen und über die bilateralen Angelegenheiten mit den USA zu verhandeln. Im Staatenbund CELAC sind alle Staaten Amerikas und der Karibik mit Ausnahme von USA und Kanada zusammengefasst.

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