Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser

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  • Rohstoffe - 20.01.2017

Um Menschenrechtsverletzungen beim Rohstoffabbau zu verhindern, reicht es nicht aus, dass Unternehmen sich freiwillig dazu verpflichten, die Lieferketten offenzulegen. Zu diesem Schluss kommt eine neue Studie der Freien Universität Berlin.

In der Studie wird die Lieferkette der deutschen Kupferimporte offengelegt und zeigt eklatante Transparenzdefizite, wie es in einer Mitteilung am Freitag heißt. Susanne Friess, Beraterin zum Thema Bergbau in Lateinamerika für Misereor, sagt hierzu: „Unsere Partnerorganisationen in Chile, Peru und anderen Ländern Lateinamerikas berichten uns immer wieder von Menschenrechtsverletzungen und Umweltzerstörung im Umfeld von Kupferminen. Deutsche Unternehmen, die Kupfer aus diesen Minen beziehen, sind jedoch nicht bereit, ihre Lieferketten offen zu legen und somit ihre menschenrechtliche Verantwortung entlang der Lieferkette wirklich wahrzunehmen.“

Die Studie setzt sich kritisch mit dem Hamburger Konzern Aurubis, einem der weltweit führenden Betreiber von Kupferschmelzen, und dessen Verbindungen zu Menschenrechtsverletzungen auseinander. Das Unternehmen spielt in der Lieferkette von Kupfer eine zentrale Rolle  - die Studie stellt vor allem mangelnde Transparenz fest: „Aurubis benennt die Herkunftsländer, legt aber nicht offen, aus welchen Minen das Unternehmen Kupfer bezieht. Für Außenstehende und die nachgelagerte Industrie ist daher nicht nachvollziehbar, welche Auswirkungen der Abbau von Kupfer auf die Bevölkerung vor Ort hat“, so die Autorin der Studie, die Politikwissenschaftlerin Melanie Müller.

 

„Die Bundesregierung sollte Unternehmen verpflichten, ihre Lieferketten transparent offen zu legen.“

— Melanie Müller, Autorin der Policy Studie

Die UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte, zu deren Umsetzung sich die Bundesregierung verpflichtet hat, fordern, dass Unternehmen mit der „gebührenden Sorgfalt“  agieren müssen, um Menschenrechtsverletzungen entlang der Lieferkette zu verhindern. In Deutschland fehlen jedoch gesetzliche Regelungen, die deutsche Unternehmen dazu verpflichten, die UN-Leitlinien anzuwenden, und die bei Missachtung auch Sanktionen implizieren.

Mit dem im Dezember 2016 vorgelegten Nationalen Aktionsplan Wirtschaft und Menschenrechte setzt die Bundesregierung erneut auf freiwillige Selbstverpflichtungen und bleibt sowohl hinter den Erwartungen von Menschenrechtsorganisationen als auch der Gesetzgebung anderer Staaten zurück. Müller kommt zu dem Schluss: „Freiwillige Selbstverpflichtungen alleine reichen nicht aus, um negative menschenrechtliche Auswirkungen entlang der Lieferkette im Rohstoffabbau zu verhindern. Die Bundesregierung sollte Unternehmen verpflichten, ihre Lieferketten transparent offen zu legen, Screening-Berichte sowie umfassende menschenrechtliche Folgeabschätzungen durchzuführen und die Ergebnisse zu veröffentlichen.“

Hier geht es zur Policy Studie.

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