Adama Barrow als neuer Präsident Gambias vereidigt

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  • Gambia - 20.01.2017

Trotz einer anhaltenden Regierungskrise ist Wahlsieger Adama Barrow am Donnerstag als neuer Präsident Gambias vereidigt worden. Die Zeremonie fand in der gambischen Botschaft im Nachbarland Senegal statt.

Der am 1. Dezember abgewählte Präsident Yahya Jammeh, der Gambia seit Jahrzehnten regiert, hält derweil weiter an seinem Machtanspruch fest. In der gambischen Hauptstadt Banjul läuft ein letztes Ultimatum der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft ECOWAS gegen ihn. Bis Mittag hat der abgewählte Präsident Zeit, doch noch seinen Rücktritt zu erklären. Die Verhandlungen mit ihm führt Guineas Präsident Alpha Conde. Bisher waren mehrere Gespräche von ECOWAS-Repräsentanten gescheitert. Erste Soldaten der senegalesischen Armee haben bereits am Donnerstagabend die Grenzen überquert. Für die Verhandlungen wurde die Militärintervention allerdings unterbrochen.

Eine militärische Intervention in Gambia könnte das Gesundheitssystem des westafrikanischen Kleinstaates vor große Probleme bei der Versorgung von Verletzten stellen. Das befürchtet Gisela Schneider, die Leiterin des Deutschen Instituts für Ärztliche Mission (Difäm) mit Sitz in Tübingen. „Die medizinische Versorgung ist einer militärischen Intervention mit Verletzten überhaupt nicht gewachsen“, sagte die Ärztin, die selbst jahrelang in Gambia ein Krankenhaus geleitet hat, der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).

„Die medizinische Versorgung ist einer militärischen Intervention mit Verletzten überhaupt nicht gewachsen“

— Gisela Schneider, Leiterin des Deutschen Instituts für Ärztliche Mission (Difäm) in Tübingen

Auch ohne Notfälle sei das Gesundheitssystem in dem gut zwei Millionen Einwohner großen Staat mit der „Routineversorgung sehr gefordert“, so Schneider weiter. „Gerade die chirurgische Versorgung ist schlecht. Auch die Anzahl der Ärzte und ausgebildeten Fachkräfte ist begrenzt.“ Häufig fehlten schon Röntgengeräte.

Mit Sorge sieht Schneider auch die Flüchtlingsströme in das Nachbarland Senegal. Dorthin sind nach Einschätzung des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen (Unicef) mittlerweile mindestens 26.000 Menschen geflüchtet. Andere Schätzungen gehen von bis zu 50.000 Menschen aus. Dank der Großfamilien, die häufig sowohl in Gambia als auch im Senegal leben, sei eine Versorgung für einige Tage zwar sichergestellt. „Dauert es länger, dann braucht es aber eine zusätzliche Versorgung“, so Schneider. Problematisch könnte dann auch der Zugang zu Wasser und Toiletten werden.

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