Zwischen Reformation und „Amoris laetitia“

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  • Papst - 08.12.2016

Das Jahr 2016 im Pontifikat von Papst Franziskus wird in Deutschland vor allem mit zwei Ereignissen in Erinnerung bleiben: dem ökumenischen Reformationsgedenken im schwedischen Lund und der Veröffentlichung des Apostolischen Schreibens „Amoris laetitia“.

Das gemeinsame Gebet mit Vertretern des Lutherischen Weltbundes am Reformationstag galt schon – bevor es überhaupt stattfand – als historischer Meilenstein im ökumenischen Dialog zwischen Katholiken und Protestanten. Auf beiden Seiten wurde das Gedenken und die gemeinsame Erklärung darüber hinaus auch als Impuls für eine intensivere Beschäftigung mit der Frage eines gemeinsamen Abendmahls gewertet. Ob sich daraus konkrete Fortschritte ergeben, dürfte sich allerdings frühestens 2017 zeigen.

Debatte über „Amoris laetitia“ hält an

Mit seinem Schreiben „Amoris laetitia“ forderte Franziskus mehr Barmherzigkeit und Realismus im kirchlichen Umgang mit Familien und Ehepaaren. Kein päpstliches Dokument seit „Humanae vitae“ löste innerhalb der katholischen Kirche so heftige Reaktionen aus. Die heftige Debatte darüber, welche Konsequenzen „Amoris laetitia“ für wiederverheiratete Geschiedene hat, hält bis heute an.

Franziskus' Schreiben „Amoris laetitia“ löste in der Kirche heftige Diskussionen aus.

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Abgesehen von Einzelereignissen wird 2016 nicht zuletzt als Heiliges Jahr ins Gedächtnis der katholischen Kirche eingehen. Zwar gab es nicht den anfangs von manchen erwarteten massenhaften Pilgerandrang in Rom. Das Jahr, das bereits im Dezember 2015 begann und im November endete, mit Heiligen Pforten in allen Bistümern wird jedoch als erstes globales Heiliges Jahr in die Kirchengeschichte eingehen.

Die Globalisierung vorangetrieben hat der Papst auch mit seinen Kardinalsernennungen im November. Er stärkte auch mit dem dritten sogenannten Konsistorium seiner Amtszeit die außereuropäischen Staaten sowie Schwellen- und Entwicklungsländer. 5 von 17 neuen Kardinälen kommen aus Ländern, die nie zuvor einen Kardinal gestellt haben.

Neues Ministerium für Menschenrechte gegründet

Das vatikanische Mammutprojekt des Papstes ging 2016 ebenfalls weiter: die Kurienreform. Mit der Schaffung von zwei neuen vatikanischen Großbehörden, einem Ministerium für die Belange von Familien, Laien sowie den Lebensschutz und einem für Migration, Armutsbekämpfung, Menschenrechte und Umweltschutz bündelte der Papst bislang auf verschiedene Einrichtungen verteilte Kompetenzen. Zugleich stärkte er die Rolle der Laien im Vatikan.

Am meisten von sich reden machte im zurückliegenden Jahr allerdings eine neue Einrichtung, die gar nichts mit der Kurienreform zu tun hat, und überdies nur vorübergehend besteht: die im August eingesetzte Kommission für das Frauendiakonat, die nach Franziskus‘ Willen die Rolle von Diakoninnen in den ersten Jahrhunderten der Kirche untersuchen soll.

Akzente gesetzt hat Franziskus im zurückliegenden Jahr nicht nur mit seiner Schweden-Reise. Auch sein Besuch eines Flüchtlingslagers auf der griechischen Mittelmeerinsel Lesbos im April und sein Gottesdienst an der Grenze zwischen den USA und Mexiko im Februar setzten ein vielbeachtetes Zeichen für einen humanen Umgang mit Flüchtlingen und Migranten. Auf schwieriges politisches Terrain begab sich Franziskus mit seinen beiden Kaukasus-Reisen nach Armenien im Juni und Georgien und Aserbaidschan im Herbst, wo er für Versöhnung und Frieden mit den Nachbarstaaten warb. Beim Weltjugendtag im polnischen Krakau wurde Franziskus im Juli von den Jugendlichen gefeiert; die kirchliche und politische Hierarchie in Polen tat sich hingegen schwerer mit ihrem Gast, der nachdrücklich für die Aufnahme von Flüchtlingen warb.

Begegnung mit dem russisch-orthodoxen Patriarchen Kyrill I.

Ein weiterer ökumenischer Meilenstein war die Begegnung des Papstes mit dem russisch-orthodoxen Patriarchen Kyrill I. in Havanna im Februar. Es war das erste Mal, dass sich ein Moskauer Patriarch und ein Papst trafen.

Der inzwischen 89 Jahre alte Benedikt XVI. zog sich 2016 noch mehr zurück und reduzierte seine ohnehin schon seltenen öffentlichen Auftritte. Zur Schließung der Heiligen Pforte des Petersdoms kam er im November ebenso wenig wie zur Ernennung der neuen Kardinäle. Dafür gab er in einem Interview-Buch Einblicke in sein Befinden. Seinen Rücktritt habe er nie bereut, berichtete er darin.

Hoffnungen, Franziskus könnte zum Auftakt des Reformationsgedenkens nach Deutschland kommen, haben sich auch 2016 nicht erfüllt. Zumindest ein Trostpflaster war jedoch, dass Franziskus im Mai den Internationalen Karlspreis im Vatikan entgegennahm. Und: Völlig ausgeschlossen hat der Papst zuletzt eine Deutschlandreise 2017 zumindest nicht.

Von Thomas Jansen (KNA)

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