Neuer Hauptgeschäftsführer für Renovabis

  • Hilfswerke - 02.12.2016

Mit einem Pontifikalamt und anschließendem Festakt auf dem Freisinger Domberg ist gestern Abend (1. Dezember 2016) Pfarrer Dr. Christian Hartl feierlich in sein Amt als neuer Hauptgeschäftsführer von Renovabis, der Solidaritätsaktion der deutschen Katholiken mit den Menschen in Mittel- und Osteuropa, eingeführt worden.

Dr. Hartl war zuvor Spiritual und Dozent für spirituelle Theologie und Homiletik am Interdiözesanen Priesterseminar St. Lambert in Lantershofen (Rheinland-Pfalz). Bei Renovabis folgt er auf den Jesuiten Pater Dr. Stefan Dartmann SJ, der im Vorjahr zum Leiter des Collegium Germanicum et Hungaricum, des deutschsprachigen Priesterseminars in Rom, berufen worden war. Zwischenzeitlich hatte Geschäftsführer Dr. Gerhard Albert das Hilfswerk 18 Monate geleitet.

Erzbischof Dr. Heiner Koch (Berlin), Vorsitzender des Leitenden Aktionsrates von Renovabis, wies in seiner Predigt im Festgottesdienst auf die oft stark voneinander abweichenden Sichtweisen in Ost- und Westeuropa hin. Renovabis und der neue Hauptgeschäftsführer hätten in dieser Situation die Aufgabe, eine Kommunikationskultur zu entwickeln, die Lernbewegungen auf beiden Seiten in Gang setzen könne. „Renovabis ist ein Prozess, sich auf andere einzulassen – damit wir gemeinsam lernen, Gott zu sehen“, betonte Erzbischof Koch.

Wachsende Spannungen in Europa – Renovabis leistet Beitrag zur Verständigung

Auch die frühere Beauftragte der polnischen Regierung für die Beziehungen mit Deutschland, Prof. Dr. Irina Lipowicz, ging in ihrem Festvortrag auf die wachsenden Spannungen in Europa ein. Das sich ausbreitende Misstrauen und die abnehmende Bereitschaft zur Solidarität gefährdeten das Zusammenleben zwischen den Völkern und könnten auch die polnisch-deutsche Versöhnung ernsthaft beschädigen. „Stürmische Zeiten stehen in Ost und West bevor“, so Prof. Lipowicz. Hoffnung stiftend sei indes, dass die Kirchen und gerade auch Renovabis in den zurückliegenden Jahrzehnten substanzielle Beiträge zur Verständigung geleistet hätten; so sei die Aussöhnung „nicht auf Sand gebaut“ und könne auch unter schwierigen Umständen verteidigt werden.

„Stürmische Zeiten stehen in Ost und West bevor.“

— Prof. Dr. Irina Lipowicz, ehem. Beauftragte Polens für die Beziehungen mit Deutschland

Erzbischof Dr. Ludwig Schick (Bamberg), Vorsitzender der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz, vollzog beim Festakt die förmliche Einführung von Dr. Hartl als Renovabis-Hauptgeschäftsführer. In seiner Ansprache machte er die theologischen Grundlagen des Hilfswerkes zum Thema, die in der Wahl des Namens zum Ausdruck kommen: Emitte spiritum tuum, et renovabis faciem terrae – Sende aus deinen Geist und du erneuerst das Antlitz der Erde. Das Programm von Renovabis sei die Erneuerung Osteuropas im Geist Gottes. Eigentlicher „Operator“ dieser „Geisteserneuerung“ sei Gott selbst, Renovabis aber gehöre zu den „Kooperatoren“. Nach den Worten von Erzbischof Schick ist diese Erneuerung im Osten Europas während der zurückliegenden 25 Jahre in vielerlei Hinsicht vorangekommen, jedoch bleibe noch viel zu tun. Auch weiterhin sei es die erste Aufgabe von Renovabis, dazu beizutragen, dass sich der in der Periode des Kommunismus verfemte Glaube an Gott erneuere. „Geisteserneuerung“ beziehe sich aber auch auf die sozialen Beziehungen innerhalb der Gesellschaften: Mit den sozialen, karitativen und kulturellen Projekten helfe Renovabis mit, den Beziehungen der Menschen und der Sozialstruktur der Länder eine neue Gestalt aus dem Geist christlicher Hoffnung und Liebe zu geben.

Auf Wunsch von Pfarrer Dr. Hartl war die Veranstaltung unter das Leitthema „… um der Menschen willen“ gestellt worden. Der neue Hauptgeschäftsführer unterstrich in seinem Dankeswort die bleibende geistliche und soziale Bedeutung des Solidaritätsprinzips. Von diesem Gedanken werde Renovabis auch in unruhigen Zeiten geprägt bleiben.

© DBK

Zur Person

Christian Hartl (51) wurde 1990 in Augsburg zum Priester geweiht und war von 1993 bis 1997 Sekretär des Augsburger Bischofs Viktor Josef Dammertz OSB. An der Seite des Missionsbenediktiners Dammertz konnte Hartl in diesen Jahren vielfältige weltkirchliche Erfahrungen sammeln. Neben verschiedenen Stellen in der Seelsorge als Kaplan und Pfarrer trug Hartl fast ein Jahrzehnt Verantwortung in der Priesterausbildung, zunächst von 2000 bis 2003 als Subregens und dann von 2003 bis 2009 als Regens am Priesterseminar der Diözese Augsburg. Im Jahr 2000 wurde er an der Universität Innsbruck zum Doktor der Theologie promoviert. In seiner Zeit als Regens versah er auch einen Lehrauftrag für Homiletik an der Universität Augsburg, sowie in den Folgejahren an der Philosophisch-Theologischen Hochschule in Benediktbeuern. Seit 2012 ist Hartl Spiritual am Priesterseminar in Lantershofen. (Renovabis)

Interview mit Christian Hartl

Auf der Renovabis-Website finden Sie mehr Informationen über den neuen Hauptgeschäftsführer des Osteuropa-Hilfswerks und ein Interview mit Pfarrer Dr. Christian Hartl.

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