„Türen der Versöhnung“ nie schließen

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  • Heiliges Jahr - 21.11.2016

Langsam schreitet Papst Franziskus die wenigen Stufen vor der Heiligen Pforte im Petersdom hinauf. Er greift den goldfarbenen Griff des Türflügels zu seiner Rechten, zieht ihn zu, der linke Türflügel folgt: Die Heilige Pforte im Petersdom ist verschlossen – bis zum nächsten ordentlichen Heiligen Jahr 2025.

Der Weg zum Heil aber, der steht allen weiter offen, die „mit aufrichtigem Herzen“ suchen. Das betont der Papst im Gebet vor der Schließung der Pforte. Es ist auch der Tenor seiner Predigt: Die „wahre Pforte der Barmherzigkeit“ sei „das Herz Christi“. Bei der Messe zum Abschluss des Heiligen Jahres rief Franziskus die laut Vatikanangaben 70.000 Zuhörer auf dem Petersplatz auf, gemeinsam den Weg der Barmherzigkeit weiterzugehen. Die „Türen der Versöhnung und der Vergebung“ dürften nie verschlossen werden. Stattdessen gelte es, „über das Böse und die Divergenzen“ hinauszugehen.

Hinaus an die Ränder zu gehen, darauf kommt es Franziskus an. Das hat er selbst im Heiligen Jahr nicht nur immer wieder gesagt, sondern auch auf vielfältige Weise gezeigt. Etwa durch seine freitäglichen „Barmherzigkeitsbesuche“, die er unangekündigt ehemaligen Zwangsprostituierten oder Priestern, die ihr Amt aufgegeben und eine Familie gegründet hatten, abstattete. Er ging auch zu Wachkoma-Patienten, einer Neugeborenen-Station, ehemaligen Drogenabhängigen oder einem SOS-Kinderdorf. Stets kam er ohne offizielle Ankündigung mit wenigen Begleitern und konnte das sein, was er am liebsten ist: Seelsorger.

Nächstenliebe statt Egoismus

Immer wieder ging Papst Franziskus im Heiligen Jahr hinaus an die Ränder. Im Februar etwa besuchte er unangekündigt ein katholisches Therapiezentrum für jugendliche Drogenabhängige in der Nähe von Castelgandolfo.

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Doch der Papst ging nicht nur selbst auf die oftmals von anderen ausgestoßenen Menschen zu, er lud sie auch zu sich ein. Etwa zur Heilig-Jahr-Wallfahrt für Obdachlose und Strafgefangene im Vatikan. Er hielt Sonderaudienzen für diese Gruppen, umarmte sie, feierte Messen mit ihnen. Beim Abschlussgottesdienst am Sonntag rief Franziskus zu Nächstenliebe statt Egoismus auf: Jeder solle sich täglich fragen: „Was verlangt die Liebe von mir, wohin drängt sie mich? Welche Antwort gebe ich Jesus mit meinem Leben?“

Bei der Feier auf dem Petersplatz unter strahlend blauem Himmel waren auch die von Franziskus am Vortag ernannten neuen Kardinäle dabei. Auch mit ihrer Auswahl richtete der Papst das Augenmerk auf „Randgebiete“, auf viele von Krieg und Konflikten geprägte Länder, die allzu oft vergessen würden. Dabei würdigte er auch die Vielfalt, die die neuen Kardinäle aus den unterschiedlichsten Teilen der Welt – etwa aus Lesotho, der Zentralafrikanischen Republik, Bangladesch und Malaysia – neben Europa, den USA und Australien mitbrächten. Ein wenig hallte das auch bei der Messe am Sonntag auf dem Petersplatz wider: Eine Fürbitte wurde in Sango, der Nationalsprache der Zentralafrikanischen Republik vorgetragen, eine andere auf Albanisch.

Möglicherweise wurde diese Sprache zu Ehren des albanischen Priesters Ernest Simoni gewählt, der von Franziskus für sein besonderes Glaubenszeugnis am Samstag in den Kardinalsstand erhoben worden war. Der 88-Jährige war von den Kommunisten zum Tode verurteilt worden, weil er den christlichen Glauben verkündete und verbrachte 18 Jahre im Gefängnis.

Papstschreiben zum Ende des Heiligen Jahres

Neben solchen kleinen eindrucksvollen Details gab es auch am Ende der Messe noch einen besonderen Moment: Plötzlich wurde ein Tisch vor den Altar getragen, über die Lautsprecher auf dem Platz wurde erklärt, Franziskus werde nun sein Schreiben zum Heiligen Jahr unterzeichnen, das der Vatikan am heutigen Montag vorstellt. Unter Applaus setzte Franziskus seine Unterschrift unter das Dokument mit dem Titel „Misericordia et misera“ („Barmherzig und armselig“).

Kurz darauf überreichte der Papst persönlich ausgewählten Stellvertretern des „Gottesvolks“ vorab eine Ausgabe seines Schreibens. Unter ihnen waren nicht nur Erzbischöfe, sondern auch Priester aus der Republik Kongo und aus Brasilien sowie ein Ständiger Diakon mit seiner Familie. Weitere Exemplare aus der Hand des Papstes bekamen Ordensschwestern aus Mexiko und Südkorea, eine Familie aus den USA einschließlich der Großeltern, zwei junge Verlobte, zwei Katechetinnen aus Rom sowie ein Kranker. Zum Schluss ging Franziskus zu einem Mensch mit Behinderung im Rollstuhl, und überreichte auch diesem ein Exemplar.

Von Stefanie Stahlhofen (KNA)

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