Klimagipfel in Marrakesch – Was wurde erreicht?

  • © Bild: KNA
  • Umwelt - 18.11.2016

Heute geht die UN-Klimakonferenz in Marokko zu Ende. Kirchen und Hilfsorganisationen ziehen eine gemischte Bilanz des zweiwöchigen Treffens. Bei diesem wollte sich die internationale Staatengemeinschaft auf konkrete Maßnahmen verständigen, um die Ziele des im Herbst 2015 unterzeichneten Klimaschutzabkommens von Paris in die Tat umzusetzen. Was wurde beschlossen? Wir beantworten vier Fragen zu dem Gipfeltreffen.

Kirchen, Hilfswerke und Umweltschutzorganisationen fordern eine Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad. Im Klimaschutzvertrag ist von mindestens 2 Grad die Rede. Ist Marrakesch diesen Zielen näher gekommen?

Eher nicht, sagt Henrik Grape, Koordinator der Arbeitsgruppe Klimawandel des Weltkirchenrats. „Die Nationen müssten ihr Engagement verstärken“, fordert er. Besonders im Transportsektor gebe es noch erhebliches Einsparpotenzial beim CO2-Ausstoß. Auch beim Umstieg auf erneuerbare Energien zeigten sich zwar Fortschritte, diese reichten aber nicht aus.

Ab 2020 wollen die Industrieländer die ärmeren Staaten mit 100 Milliarden US-Dollar jährlich bei der Anpassung an den Klimawandel unterstützen. Wie steht es um die finanzielle Ausstattung des Fonds?

„Es geht weder vorwärts, noch rückwärts“, kritisiert Grape. Mit einem Durchbruch sei einstweilen nicht zu rechnen. Die Klima-Expertin von Misereor, Kathrin Schroeder, wertet als positiv, dass Deutschland in Marrakesch weitere 50 Millionen Euro zusicherte. „Das ist ein wichtiges Signal. Denn die ärmeren Länder brauchen in finanzieller Hinsicht eine gewisse Planbarkeit.“

Im Kampf gegen den Klimawandel sollen die Menschenrechte nach dem Willen von Kirchen und Hilfsorganisationen nicht unter die Räder geraten. Haben die Verhandlungen in Marrakesch Fortschritte gebracht?

Für Misereor-Expertin Kathrin Schroeder zeichnet sich ein „ein grundlegender Wandel in der Klimapolitik“ ab.

KNA

In einer zum Ende der Konferenz veröffentlichten gemeinsamen Erklärung mahnen 230 Religionsführer aus 44 Ländern zu einer gerechten Klimaschutzpolitik. Die Belange von Indigenen müssten berücksichtigt werden – ebenso wie die Tatsache, dass bis 2030 der Strom aus erneuerbaren Energien auch jenen 1,1 Milliarden Menschen zugutekommt, die bislang noch gar keinen Zugang zur Elektrizität haben. Mit der praktischen Umsetzung hapert es allerdings noch, erläutert Misereor-Expertin Schroeder. „Das Bewusstsein dafür ist da, aber es fehlen noch die Mechanismen, um diesen Punkt innerhalb der Klimaschutzpolitik der einzelnen Staaten zu verankern.“ Das Thema werde daher bei den kommenden UN-Gipfeltreffen weiter auf der Tagesordnung stehen.

Wie lautet die erste Gesamtbilanz nach Marrakesch?

Viele Nichtregierungsorganisationen erklären, es bleibe noch viel zu tun. Zugleich betonen sie, dass seit der Unterzeichnung des Klimaschutzvertrages 2015 in Paris eine Menge in Bewegung gekommen sei. „Ein grundlegender Wandel in der Klimapolitik ist unumkehrbar“, sagt Schroeder. Diesen Trend könne auch ein künftiger US-Präsident Donald Trump nicht aufhalten. Grape zeigt sich erfreut, dass bei einem Marsch von Aktivisten in Marrakesch das Konzept der Klimagerechtigkeit im Vordergrund gestanden habe. Das hätten die Kirchen seit Jahren schon gefordert.

Von Franziska Broich und Joachim Heinz (KNA)

© KNA

Misereor zum Klimagipfel: Auf verlässliche Zusagen kommt es jetzt an

Beim Klimagipfel in Marrakesch habe die Bundesregierung die Unterstützung für Schwellen- und Entwicklungsländer mit Geld, Beratung und Technik zur Umsetzung der Klimaziele von Paris vorangetrieben, sagte das Hilfswerk Misereor zum Ende des UN-Klimagipfels in Marrakesch. Gerade deshalb müsse sie auch bei der Umsetzung der eigenen Klimaschutzziele deutlicher vorangehen. Und das bereits vor Inkrafttreten des Pariser Abkommens im Jahr 2020, forderte das Werk für Entwicklungszusammenarbeit am heutigen Freitag.

Die gesamte Stellungnahme von Misereor zur UN-Klimakonferenz lesen Sie hier:

Artikel lesen