Ein Symbol der göttlichen Barmherzigkeit

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  • Heiliges Jahr - 16.11.2016

Am vergangenen Sonntag sind alle Heiligen Pforten weltweit mit Ausnahme der des Petersdoms feierlich geschlossen worden. Wirklich alle? Nicht ganz. Eine Heilige Pforte in Afrika bleibt offen. Es ist die von Bangui, der Hauptstadt der Zentralafrikanischen Republik.

Der Papst hatte die Pforte letztes Jahr noch vor dem offiziellen Beginn des Heiligen Jahres der Barmherzigkeit aufgestoßen. Am vergangenen Sonntag gab es zwar eine Schließungs-Zeremonie in Bangui, doch dabei erklärte der Erzbischof der Stadt, dass die Pforte auch künftig als Symbol für die göttliche Barmherzigkeit offenstehen werde.

„Es war eine einmalige Emotion“, berichtete der Pfarrer der Kathedrale, Mathieu Bondobo, am Dienstag gegenüber Radio Vatikan. „Wir haben den Heiligen Vater am 29. November des letzten Jahres bei uns gehabt und die Öffnung der ersten Heiligen Pforte miterlebt, ein einmaliges geistliches Ereignis in der Kirchengeschichte. Und bei der Schlussfeier des Heiligen Jahres haben wir am Sonntag die ganze Emotion von damals, als der Papst bei uns war, neu erlebt. Alle Pfarreien der Stadt, alle Pfarreien des Erzbistums waren da. Wir haben auch unsere muslimischen und protestantischen Geschwister eingeladen. Der Heilige Vater hat uns bei seinem Besuch in Bangui die Straße der Barmherzigkeit als Weg zum Frieden in diesem Land, das seit vielen Jahren leidet, vorgegeben“, so der Geistliche.

Just als Jorge Mario Bergoglio im März 2013 zum Papst gewählt wurde, ist die Zentralafrikanische Republik in Unsicherheit und bürgerkriegsähnliche Zustände abgerutscht. Massaker und Massenflucht waren die Folge. Seither ist das Misstrauen zwischen Christen und Muslimen tief. Franziskus hat versucht, es aufzubrechen – mit unsicherem Erfolg. Immerhin: Auch der Imam war am Sonntag in die Kathedrale von Bangui gekommen.

„Kein Religionskrieg in Zentralafrika“

„Alle Religionsführer – der Imam, der Pastor, die Kirche von Bangui – haben sich eingesetzt, um dieses gemeinsame Zeugnis zu geben, dass das, was in Zentralafrika passiert, kein Religionskrieg ist. Das Problem liegt woanders! Der interreligiöse Dialog und die ökumenische Arbeit sind sehr wichtig für Zentralafrika“, betonte Bondobo.

Der Erzbischof von Bangui, Dieudonne Nzapalainga (rechts), und Imam Oumar Kobine Layama (2. v. r.) erhielten im vergangenen Jahr den Aachener Friedenspreis für ihre Verdienste im interreligiösen Dialog.

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Der Erzbischof von Bangui, Dieudonne Nzapalainga, wurde in den letzten Jahren vor allem dadurch bekannt, dass er zusammen mit Imam Oumar Kobine Layama im Land herumreiste, mit Rebellen verhandelte, die Freilassung von Geiseln erwirkte und Flüchtlinge in Kirchenräumen aufnahm. Für ihr Engagement bekamen beide letztes Jahr den Aachener Friedenspreis. Der Papst wird den mutigen Erzbischof am Samstag in Rom gemeinsam mit 16 weiteren Kirchenmännern ins Kardinalskollegium aufnehmen.

Begleitet wird Nzapalainga bei der Zeremonie von Imam Layama und dem Präsidenten der Evangelischen Allianz, Nicolas Guerekoyamene-Gbango. Die drei Geistlichen leiten seit 2013 eine „Interreligiöse Plattform für Frieden“ in dem von Konflikten geschüttelten Land. Bisweilen werden sie als die „Drei Heiligen von Bangui“ bezeichnet.

Bei seinem Besuch Ende November 2015 in der Hauptstadt der Zentralafrikanischen Republik hatte Franziskus erklärt, Bangui sei an diesem Tag „die spirituelle Hauptstadt der Welt“. Diese Worte beschäftigten die Christen im Land bis heute. „Das ist einer der Sätze des Heiligen Vaters, den sich die Menschen in Zentralafrika immer wiederholen. Ein starker Satz: Da spricht Petrus. Das sollte man nicht auf die leichte Schulter nehmen. Und eine Herausforderung für uns: Was haben wir denn getan, um so einen Satz zu verdienen? Nichts. Wir haben nichts getan. Wir haben vor Gott keinerlei Verdienste. Aber dieser Satz sagt, dass jeder von uns in Bangui auf seine Weise versuchen sollte, entsprechend zu leben, damit der Satz Wirklichkeit wird“, mahnte der Pfarrer der Kathedrale in Bangui gegenüber Radio Vatikan.

„Die Menschen schreien nach Frieden“

Die Zentralafrikanische Republik ist nach allen Statistiken einer der ärmsten, am wenigsten entwickelten und am weitesten von einer Demokratie entfernten Staaten der Welt. Gewaltsame Umstürze waren seit der Unabhängigkeit des Landes nicht die Ausnahme, sondern die Regel. Der Konflikt, der 2013 losgebrochen war, ist nur scheinbar eingedämmt, die staatlichen Strukturen sind kaum noch vorhanden, die Aussichten auf wirklichen Frieden sind düster. Da klammern sich die Menschen im Land an alles, was irgendwie Hoffnung verspricht. Zum Beispiel die offen bleibende Heilige Pforte in Bangui.

„Die Welle des Heiligen Jahres wird etwas sehr Positives für dieses Land bedeuten“, zeigte sich Bondobo zuversichtlich. „Am Donnerstag findet eine internationale Geberkonferenz in Brüssel statt, auf der über finanzielle Hilfen und den Frieden in Zentralafrika gesprochen wird. All das opfern wir dem Herrn auf. Alle Menschen im Land beten um Frieden, schreien nach Frieden. Jeder sucht den Weg zum Frieden, und ich glaube, mit dieser Gnade des Heiligen Jahres wird das möglich.“ (lek/Radio Vatikan/KNA)

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