Papst geißelt einen „Grund-Terrorismus“ der Weltwirtschaft

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  • Vatikan - 07.11.2016

Papst Franziskus hat erneut einen Vorrang von Wirtschaftsinteressen als Ursache der globalen Armut gegeißelt. Die weltweite Kontrolle des Geldes diene einem „terroristischen“ System, sagte er bei einem Treffen mit Volksbewegungen am Samstag im Vatikan.

Das Geld herrsche „mit der Peitsche der Angst, der Ungleichheit, der ökonomischen, sozialen, kulturellen und militärischen Gewalt“. Von diesem „Grund-Terrorismus“ nährten sich auch der Terrorismus der Drogenkriminalität, Staatsterrorismus und „jener, den einige irrigerweise als ethnischen oder religiösen Terrorismus bezeichnen“.

Vertreter der vor allem in Südamerika beheimateten, aber auch in Afrika und Asien verbreiteten Volksbewegungen hatten seit Dienstag an einer Konferenz zum Recht auf Arbeit, Wohnung und Land teilgenommen. Das Welttreffen in Rom war das dritte dieser Art seit 2014. Daran beteiligten sich Delegationen aus rund 60 Ländern.

Papst: Den Terror mit der Liebe angehen

Franziskus betonte, die katholische Soziallehre und auch Lehräußerungen seiner Amtsvorgänger rebellierten „gegen den Götzen Geld, der herrscht, statt zu dienen, und die Menschheit tyrannisiert und terrorisiert“. Die Angst schwäche, destabilisiere und betäube gegenüber den Leiden anderer. „Barmherzigkeit ist das beste Gegenmittel gegen die Angst“, so der Papst. Man müsse „den Terror mit der Liebe angehen“.

Die Zukunft der Menschheit liege nicht nur in den Händen der politischen Führer, der Mächtigen und der Eliten, sondern „vor allem in den Händen der Völker“, in ihrer Fähigkeit, sich zu organisieren und einen Wandel „mit Demut und Überzeugung“ voranzubringen, sagte Franziskus. Dazu könne und müsse auch die Kirche ihren Beitrag leisten, freilich „ohne zu behaupten, ein Monopol auf die Wahrheit zu haben“.

Demokratie entwickeln

Michael Ramminger vom Institut für Theologie und Politik in Münster und Julia Lis von der deutschen „Refugees Welcome“-Bewegung nahmen als deutsche Vertreter am Treffen der Volksbewegungen teil. Im Interview mit Radio Vatikan am Samstag forderten sie „neue Formen von Partizipation und Demokratie“, die von den sozialen Bewegungen her gedacht seien.

Die über 150 Teilnehmer der Konferenz seien sich einig gewesen, dass die aktuelle Form von repräsentativer Demokratie kaum mehr in der Lage sei, auf die Probleme der Menschen zu reagieren, so Ramminger. Für Lis ist vor allem der Einsatz der Ortskirchen bei der Unterstützung und Hilfe für Flüchtlinge wichtig, „so wie sie Papst Franziskus selber auch immer wieder äußert.“

Theologe Ramminger begrüßte die regelmäßigen Treffen von Papst Franziskus mit den Volksbewegungen. „Noch nie hat sich ein Papst mit AktivistInnen sozialer Bewegungen getroffen. Die Bewegungen erfahren durch diese Treffen eine enorme Anerkennung und bekommen eine Plattform, sich weltweit zu organisieren“, so der Mitbegründer des Instituts für Theologie und Politik in Münster. (lek/KNA/Radio Vatikan)

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Der Päpstliche Rat für Gerechtigkeit und Frieden hatte das Institut für Theologie und Politik (ITP) aus Münster zum dritten Welttreffen der Sozialen Bewegungen vom 2. bis zum 6. November 2016 in den Vatikan eingeladen. Eine Rückschau des Welttreffens der Volksbewegungen lesen Sie auf der Website des ITP.

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