Papst-Premiere am Reformationstag

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  • Ökumene - 31.10.2016

Papst Franziskus‘ Schweden-Reise unterscheidet sich von seinen bisherigen Reisen vor allem in einem Punkt: Bei seinem Besuch in Lund und Malmö von heute bis Dienstag geht es weniger um das Land Schweden als um das ökumenische Gedenken zum 500. Jahrestag der Reformation. In Lund wird das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche erstmals gemeinsam mit ranghohen Vertretern des Protestantismus an die Reformation erinnern.

Dass dieses Ereignis Franziskus nach Schweden statt nach Deutschland führt, sorgte bei der Ankündigung der Reise im Januar für Erstaunen, gilt doch Martin Luther als Auslöser der Reformation: Am 31. Oktober 2017 jährt sich der angebliche Anschlag seiner 95 Thesen an die Wittenberger Schlosskirche zum 500. Mal. Nicht wenige hatten gehofft, der Papst würde zu diesem Anlass nach Deutschland kommen, vielleicht nach Eisleben, wo Luther 1483 geboren wurde und 1546 starb, oder an seine Wirkungsstätte Wittenberg.

Doch Franziskus überraschte einmal mehr: Zum gemeinsamen ökumenischen Reformationsgedenken geht es nach Schweden – in ein Land, in dem die große Mehrheit der evangelisch-lutherischen Kirche angehört und die Katholiken weniger als zwei Prozent ausmachen. Warum ausgerechnet Schweden, warum Lund?

Warum Schweden?

Weil „das Reformationsgedenken keine allein deutsche Angelegenheit mehr ist, sondern eine universale“, sagte der vatikanische Ökumene-Verantwortliche, Kardinal Kurt Koch. Das habe der Lutherische Weltbund (LWB) unterstrichen, der rund 72 Millionen Christen repräsentiert. Derzeit gehören der Vereinigung 145 Kirchen in 98 Ländern an. Die südschwedische Stadt Lund wurde ausgewählt, weil dort 1947 der LWB gegründet wurde.

Heute wird Franziskus deshalb gemeinsam mit dem LWB-Präsidenten, dem jordanischen Bischof Munib Younan, und LWB-Generalsekretär Martin Junge an einem „gemeinsamen ökumenischen Gebet“ in der lutherischen Kathedrale von Lund teilnehmen. Koch und Junge sehen darin einen „Meilenstein“, und „Ausdruck der in 50 Jahren des internationalen katholischen-lutherischen Dialogs erzielten Fortschritte“, wie sie in einer Anfang Oktober vom LWB veröffentlichten gemeinsamen Erklärung mitteilten.

Reformationsgedenken unter dem Motto „Vom Konflikt zur Gemeinschaft – Verbunden in Hoffnung“

Bei dem gemeinsamen Reformationsgedenken unter dem Motto „Vom Konflikt zur Gemeinschaft – Verbunden in Hoffnung“ sei unter anderem Buße für das „gewaltige Leid“ infolge der „Religionskriege“ im 16. und 17. Jahrhundert in Europa geplant. Zudem sollen der Papst und Bischof Younan eine Gemeinsame Erklärung unterzeichnen. Deren genaue Inhalte würden noch erarbeitet, sagte LWB-Generalsekretär Junge der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Er hoffe, „dass wir dabei sehr konkret werden können“.

Frage der gemeinsamen Kommunion soll erörtert werden

Damit ist zumindest aus Sicht des LWB auch die Frage einer gemeinsamen Kommunion von Katholiken und Protestanten gemeint. Das Thema solle in Lund auf jeden Fall erörtert werden, so Junge. Er äußerte die Hoffnung, dass das Reformationsgedenken 2017 den Weg zu einem gemeinsamen Abendmahl beider Konfessionen ebnen könnte. Die Lutheraner hätten „mit Recht Erwartungen an die Katholiken“ – die Katholiken aber ebenso an die Lutheraner, sagte Koch dazu. „Was daraus entstehen kann, müssen wir gemeinsam suchen“, so der Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen.

Papst Franziskus hatte Luther beim Rückflug von seiner Armenien-Reise im Sommer gewürdigt. Dessen Absichten seien „nicht falsch“ gewesen, wenn auch „vielleicht einige Methoden nicht richtig“ erschienen. Der Reformator habe damals gegen eine korrupte und verweltlichte Kirche protestiert, die „kein Modell zum Nachahmen“ gewesen sei. Auf die Frage, ob nicht angesichts des Reformationsgedenkens eine Aufhebung von dessen Exkommunikation oder eine andere Form der Rehabilitierung angebracht sei, ging Franziskus nicht ein.

Es bleibt also spannend, was der Besuch in Lund bringen wird. Die Erwartungen sind hoch. Vor Franziskus reiste zuletzt vor 27 Jahren Johannes Paul II. (1978–2005) als bislang erster Papst nach Schweden. Bei seiner Reise nach Norwegen, Island, Finnland, Dänemark und Schweden war das ökumenische Klima trotz des Reisedatums im Juni eher skandinavisch kühl. Vielleicht weht nun für Franziskus ein anderer Wind.

Von Stefanie Stahlhofen (KNA)

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Katholische Kirche in Schweden

Die katholische Kirche in Schweden ist klein und international geprägt. Bis zum Jahr 2000 war in dem skandinavischen Land die evangelisch-lutherische Kirche Staatskirche; ihr gehörte bis dahin jeder Schwede mit seiner Geburt automatisch an. Inzwischen sind noch etwa 60 Prozent der Schweden Lutheraner.

Laut vatikanischen Angaben sind 113.000 Einwohner Schwedens katholisch; das entspräche bei rund 9,8 Millionen Gesamtbevölkerung 1,15 Prozent. Etwa die Hälfte von ihnen sind Einwanderer; die Katholiken in Schweden kommen aus mehr als 80 Nationen. Gottesdienste werden in neun verschiedenen Riten und in mehr als 25 Sprachen gefeiert.

Das römisch-katholische Bistum Stockholm umfasst mit einer Fläche von knapp 450.000 Quadratkilometern das ganze Land. Rund 45 katholische Pfarreien verteilen sich auf das Bistum, dem 176 Priester angehören. Bischof von Stockholm ist Anders Arborelius (67). Öffentliche Einrichtungen in katholischer Trägerschaft sind in Schweden selten.

Die katholische Kirche Schwedens bekommt seit 1974 finanzielle Hilfe vom Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken. Das Diaspora-Kommissariat der deutschen Bischöfe, dem alle Priester ein Prozent ihres Gehalts geben, sandte 2015 mehr als 1,6 Millionen Euro nach Schweden. (KNA)