„Es ist höchste Zeit, die Sklaverei zu überwinden!“

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  • Menschenhandel - 27.10.2016

Im Vatikan ist heute die vierte internationale Konferenz der sogenannten Santa Marta Group zu Ende gegangen. Seit gestern kamen Kardinäle, (Erz-)Bischöfe, Ordensschwestern, hochrangige Polizeibeamte sowie Vertreter weiterer staatlicher und nichtstaatlicher Organisationen aus über 30 Ländern zusammen, um über opferzentrierte Strategien gegen Menschenhandel zu beraten.

Für die Deutsche Bischofskonferenz nahm Erzbischof Dr. Stefan Heße (Hamburg), Vorsitzender der Migrationskommission und Sonderbeauftragter für Flüchtlingsfragen, an der Konferenz teil. Unter den insgesamt 130 Delegierten waren auch Vertreter des Bundeskriminalamts und eine Ordensschwester, die sich in der Frauenrechtsorganisation Solwodi in Berlin engagiert.

Erzbischof Heße zeigte sich von den Berichten ehemaliger Opfer des Menschenhandels tief beeindruckt: „Wir haben das erschütternde Zeugnis von Menschen gehört, die inmitten unserer europäischen Gesellschaften erniedrigt und ausgebeutet wurden. Keiner von uns darf wegsehen, wenn Mitmenschen zu Gebrauchsgegenständen degradiert werden. Jeder von uns trägt Verantwortung – denn ohne eine hohe Nachfrage könnten die verschiedenen Formen der Ausbeutung nicht weiter bestehen. Der Heilige Vater hat uns bei unserer heutigen Zusammenkunft angespornt, den Kampf gegen Menschenhandel weltweit fortzusetzen. Es ist höchste Zeit, die Sklaverei zu überwinden!“

Kampf gegen Menschenhandel liegt Papst Franziskus am Herzen

Bei der Gründungskonferenz der Santa Marta Group im April 2014 im Vatikan hatte Papst Franziskus die Weltgemeinschaft dazu aufgerufen, durch „gemeinsame und effektive Strategien“ darauf hinzuwirken, dass „überall auf der Welt Männer und Frauen nicht mehr als Mittel zum Zweck missbraucht werden und ihre unantastbare Würde geschützt wird“. In einer Abschlusserklärung hatten die Teilnehmer sich dazu verpflichtet, in ihren Ländern und Organisationen an der Verwirklichung dieses Ziels mitzuarbeiten.

Nach weiteren Konferenzen in London (Dezember 2014) und Madrid (Oktober 2015) hatten die Mitglieder der Santa Marta Group nun die Gelegenheit, Papst Franziskus von ihren Fortschritten bei der Bekämpfung des Menschenhandels zu berichten. Der Papst bedankte sich bei den Delegierten persönlich für deren Engagement. In seiner Ansprache brachte er zum Ausdruck, was das Evangelium angesichts der modernen Sklaverei fordert: „Der Herr hat zu uns gesagt: ‚Ich war hungrig ..., ich war durstig ...‘ und ihr habt mir geholfen. Heute könnte Er sagen: ‚Ich wurde missbraucht, ausgebeutet, versklavt‘ und ihr habt mir beigestanden.“

Geleitet wird die Santa Marta Group von Kardinal Vincent Nichols (Westminster), Vorsitzender der Bischofskonferenz von England und Wales. Anlässlich der diesjährigen Konferenz erklärte Kardinal Nichols: „Menschenhandel ist ein internationales Verbrechen, das eine koordinierte internationale Antwort erfordert. Die Santa Marta Group hat sich dem Ziel verschrieben, durch eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Kirche und Polizei den Menschenhandel zu bekämpfen sowie die Opfer zu begleiten, zu unterstützen und in die Gesellschaft zu integrieren. Eine herausgehobene Bedeutung kommt dabei dem Engagement der Ordensschwestern zu. Als Christen verteidigen wir die Würde jedes Menschen, vor allem aber der Schwachen und Verletzlichen.“

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Hintergrund

Laut dem „Global Slavery Index 2016“ leben weltweit derzeit mehr als 45 Millionen Menschen in moderner Sklaverei. Darunter fallen verschiedene Formen des Menschenhandels, der Zwangsarbeit, Kinderarbeit, Schuldknechtschaft und Zwangsprostitution.

Papst Franziskus hat den Kampf gegen Menschenhandel und andere Formen der Sklaverei zu einem Schwerpunktthema erhoben. Im Dezember 2014 unterzeichnete er gemeinsam mit hochrangigen Würdenträgern anderer Religionsgemeinschaften im Vatikan eine Erklärung, die dazu aufruft, die „moderne Sklaverei weltweit bis 2020 und für alle Zeiten abzuschaffen“.

Die katholischen Organisationen, die sich in Deutschland im Kampf gegen den Menschenhandel engagieren, haben sich 2014 auf Anregung der Migrationskommission der Deutschen Bischofskonferenz in der „Arbeitsgruppe Menschenhandel“ zusammengeschlossen. Neben dem Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz und dem Katholischen Büro in Berlin sind in der Arbeitsgruppe der Deutsche Caritasverband e. V., die Deutsche Kommission Justitia et Pax, das Osteuropa-Hilfswerk Renovabis und die Frauenrechtsorganisation Solwodi vertreten. Zudem wird durch das von der Diakonie getragene Fraueninformationszentrum Stuttgart eine ökumenische Perspektive eingebracht.

Die gemeinsame Erklärung (Dezember 2014) sowie weitere Informationen sind unter santamartagroup.com und im Themen-Dossier Menschenhandel verfügbar. (DBK)

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