Jesuiten wollen Flüchtlingshilfe und Friedensarbeit stärken

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Um die Welt zu verbessern, reiche jedoch der Glaube allein nicht aus. Nötig sei auch „intellektueller Tiefgang“. Dieser dürfe allerdings kein Selbstzweck sein. „Wir wollen unsere Mauern nicht mit Akademikern füllen, sondern der Kirche gut dienen“, so Sosa.

Sosa wies in seiner ersten Pressekonferenz darauf hin, dass der konkrete künftige Kurs des Ordens derzeit vom Generalkapitel erarbeitet werde, das seit zwei Wochen in Rom tagt. Die Delegierten und Ordensoberen hatten Sosa am Freitag als ersten Nichteuropäer in der rund 500-jährigen Geschichte des Ordens zum Generaloberen gewählt.

Die „Gesellschaft Jesu“ hat derzeit nach eigenen Angaben weltweit 16.400 Mitglieder. Sie unterhält etliche Universitäten und Schulen, außerdem einen eigenen Flüchtlingsdienst.

„Es ist eine andere Welt möglich“

Sosa appellierte dazu, auch in aussichtslos erscheinenden Situationen die Hoffnung nicht aufzugeben. Selbst wenn Waffenhandel, Menschenhandel und Drogenkriminalität unbesiegbar erschienen, gelte es stets, das Unmögliche zu denken: „Es ist eine andere Welt möglich“, sagte der Jesuit. Es zeichne den Jesuitenorden aus, dass er im Vertrauen auf Jesus immer voller Hoffnung sei.

Sosa, der sich den Journalisten als „Padre Arturo“ vorstellte, äußerte sich auch zur politischen Lage in seiner Heimat Venezuela. Das politische Erbe des früheren Staatspräsidenten Hugo Chavez ruhe auf den Öleinnahmen des Landes. Es könne sich wirtschaftlich, politisch oder ideologisch nicht auf eigenen Beinen halten. Der Einbruch der Öleinnahmen führe nun zu großem Leid in der Bevölkerung. Die Opposition habe jedoch auch kein Projekt für eine Zukunft ohne Ölgelder. Wichtig für das Land seien jetzt ein nationaler Dialog und das Bauen von Brücken; die Bevölkerung wolle keine Gewalt.

Sosa ist Nachfolger des Spaniers Adolfo Nicolas (80), der von dem Amt auf Lebenszeit zurückgetreten war. Seit 2008 fungierte Sosa als Berater Nicolas‘.

Zusätzlich zu den drei klassischen Ordensgelübden Armut, Ehelosigkeit und Gehorsam geloben Jesuiten, dass sie sich vom Papst in die Pflicht nehmen lassen. Zum ersten Mal in der Geschichte ist mit Papst Franziskus seit 2013 ein Jesuit Oberhaupt der katholischen Kirche. (KNA/Radio Vatikan/lek)

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Jesuitenorden

Der Jesuitenorden ist die größte männliche Ordensgemeinschaft der katholischen Kirche. Gründer der „Gesellschaft Jesu“, so die offizielle Bezeichnung in Anlehnung an den lateinischen Namen „Societas Jesu“ (SJ), ist der Spanier Ignatius von Loyola (1491–1556).

Jesuiten sind keine Mönche; sie führen kein Klosterleben und tragen keine Ordenskleidung. Neben Armut, Ehelosigkeit und Gehorsam verpflichten sie sich in einem vierten Gelübde zu besonderem Gehorsam gegenüber dem Papst. Zudem legen sie ein Zusatzversprechen ab, nicht nach kirchlichen Ämtern zu streben.

Aufgabenfelder sind traditionell Schulen, Universitäten und Priesterausbildung, seit einiger Zeit auch die Medienarbeit. Nach Angaben des Ordens besuchen im deutschen Sprachraum rund 6.000 Menschen Bildungseinrichtungen in Trägerschaft der Jesuiten, darunter Gymnasien in Bonn, Sankt Blasien, Berlin, Hamburg, Linz und Wien. Hinzu kommen philosophisch-theologische Fakultäten in Frankfurt, Innsbruck und München.

Jesuiten gelten, nicht zuletzt wegen ihrer exzellenten Ausbildung und ihrer strengen geistlichen Übungen (Exerzitien), als intellektuelle Elite und Avantgarde des Katholizismus. Ihre römische Hochschule, die „Gregoriana“, ist die renommierteste unter den Päpstlichen Universitäten.

An der Spitze der Gesellschaft Jesu, die in 125 Ländern vertreten ist, steht ein Ordensgeneral. Er leitet von der römischen Jesuiten-Kurie aus derzeit weltweit rund 16.400 Mitglieder, in Deutschland rund 400. Vor wenigen Tagen wurde der Venezolaner Arturo Sosa Abascal (67) zum 31. Generaloberen des Ordens gewählt. (KNA)

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