Brasilianischer Kardinal Arns wird 95 Jahre alt

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  • Brasilien - 14.09.2016

Kardinal Paulo Evaristo Arns, prominenter Befreiungstheologe, Menschenrechtler und Franziskaner aus Brasilien, wird heute 95 Jahre alt. Während der Militärdiktatur im Land (1964–1985) protestierte der deutschstämmige Ordensmann gegen die Verbrechen des Regimes. Seit dem Übergang zur Demokratie mobilisierte er Kirche und Sozialbewegungen gegen Ungerechtigkeit, Folter und unmenschliche Arbeitsbedingungen.

Das von ihm geleitete Projekt „Brasil: Nunca Mais“ (Nie wieder) sammelte heimlich Dokumente über die Verbrechen der Militärs. 1985, kurz nach dem Ende der Diktatur, wurden die Ergebnisse in Buchform veröffentlicht. Das Projekt gilt bis heute als die ausführlichste Aufarbeitung der damals begangenen Verbrechen durch den Staatsapparat. 1992 war Arns in der Dominikanischen Republik in einen Unfall verwickelt. Die Ursache ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Er selbst betonte stets, dass er den Unfall als Attentatsversuch ansehe.

Zurückgezogenes Leben in Sao Paulo

Seit Jahren lebt der Kardinal zurückgezogen in einer franziskanischen Ordensgemeinschaft in Taboao da Serra im Großraum Sao Paulo. Er verzichtet weitestgehend auf öffentliche Auftritte. Arns ist derzeit das drittälteste Mitglied des Kardinalskollegiums; das älteste ist der Kolumbianer Jose de Jesus Pimiento Rodriguez (97). Neben dem früheren Kardinal und Papst Benedikt XVI. (2005–2013) ist der Brasilianer zudem der letzte noch lebende Kardinal, der noch von Paul VI. (1963–1978) kreiert wurde.

Der 1921 im südbrasilianischen Forquilhinha geborene Sohn deutscher Einwanderer trat bereits mit 18 Jahren in den Franziskanerorden ein. Später studierte er an der Pariser Sorbonne.1970 wurde er im Alter von 49 Jahren zum Erzbischof von Sao Paulo sowie 1973 zum Kardinal ernannt.

1985 rief Arns gemeinsam mit seiner Schwester, der Kinderärztin Zilda Arns Neumann (1934–2010), die Kinderpastoral der katholischen Kirche Brasiliens ins Leben. 1998 trat er aus Altersgründen als Erzbischof zurück. Weltliche Auszeichnungen durch Vereinte Nationen, Regierungen, Menschenrechtsorganisationen und Universitäten folgten.

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Kirche - 14.09.2016

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