„Die Mittel im Drogenkampf sind inakzeptabel“

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  • Philippinen - 05.09.2016

Die Gewalt auf den Philippinen eskaliert. Seit dem Amtsantritt von Präsident Rodrigo Duterte im Mai dieses Jahres häufen sich Berichte über gezielte Tötungen von Drogenhändlern und -konsumenten durch Polizeikräfte und Bürgermilizen. Aber nicht nur Kriminelle sind betroffen. Immer öfter trifft es auch Unbeteiligte.

Mit großer Sorge betrachtet auch das Internationale Katholische Hilfswerk Missio München diese Entwicklung. In diesem Jahr sind die Philippinen rund um den Sonntag der Weltmission im Oktober Thema bei Missio. „Der Kampf gegen Drogen und Drogenhandel ist wichtig, aber die Mittel, die derzeit angewandt werden, sind völlig inakzeptabel“, kommentiert der Präsident von Missio München, Wolfgang Huber, die Kampagne gegen den Drogenhandel auf den Philippinen. 700 Menschen sollen in der bisher zwei Monate dauernden Amtszeit des Präsidenten umgebracht worden sein. Andere Quellen sprechen von bis zu 2.000. Über 6.000 Polizeieinsätze gegen den Drogenhandel hat es gegeben. „Mein Befehl lautet zu schießen“, bekräftigte Duterte seine eigene Verantwortung.

Missio-Präsident Huber (hinten links) ist gerade von einer zweiwöchigen Reise auf die Philippinen zurückgekehrt, die er zusammen mit einer Delegation aus dem Bistum Speyer und dessen Weihbischof Otto Georgens (hinten rechts) unternommen hat.

Bistum Speyer

„Killerkommandos, die Verdächtige ohne Prozess auf offener Straße erschießen, werden das Drogenproblem und die Kriminalität nicht beseitigen können“, wendet Missio-Präsident Huber ein. In der vergangenen Woche ist er von einer Reise auf die Philippinen zurückgekehrt und bringt widersprüchliche Eindrücke mit. „Das Thema war präsent in allen Tageszeitungen, aber in einer Art und Weise, dass man sagt ‚Duterte räumt jetzt dort auf’. In den Gemeinden und Pfarreien, wo wir unterwegs gewesen sind, ist immer wieder angeprangert worden, dass man die Drogen so eigentlich nicht bekämpfen kann – aber Duterte hat einen großen Rückhalt im Volk. Das hat mich sehr verwundert.“

Politik der harten Hand gefordert

Drogenprobleme und vor allem auch die Korruption seien überall sehr präsent, berichtet Huber – ein Grund, weshalb viele Menschen sich von Duterte eine harte Hand wünschen, denn die bisherige Reformpolitik hat nichts gebracht. „Mir wurde bei verschiedensten Gesprächen berichtet, der Grund für die Wahl Dutertes sei gewesen, dass man endlich einen Wechsel und damit jemanden haben wollte, der aufräumt mit Korruption, Drogen und all den anderen Dingen.“

Als Bürgermeister hatte Duterte ein Jugendschutzgesetz eingeführt, das der Jugend den Aufenthalt auf der Straße abends ab acht Uhr verbot. Bei Zuwiderhandlung griff das Jugendamt ein, berichtet Huber. Das habe schon beeindruckt. „Auf der anderen Seite geht es natürlich überhaupt nicht, dass hier eine Justiz agiert, in der Menschen – wie uns berichtet wurde – aus Zufall erschossen wurden.“ Eine Frau erzählte, dass man ihren Bruder erschossen habe, weil man den Vater verdächtigt habe. Auch beim Besuch im Bistum Bontoc-Lagawe im Bergland nördlich von Manila berichteten die Gastgeber von einem Todesopfer: Ein Laienmitarbeiter der Kirche sei wegen früherer Verfehlungen angezeigt und mit zwei Schüssen in seiner Wohnung getötet worden.

Philippinische Bischöfe verurteilen Tötung von Drogenkriminellen

Die Kirche hat sich mehrfach klar gegen die Tötungen ausgesprochen, zuletzt durch den Erzbischof von Manila, Kardinal Luis Antonio Tagle und den Vorsitzenden der Bischofskonferenz,  Erzbischof Socrates Buenaventura Villegas. Huber berichtet, dass die Bischofskonferenz als solche wohl noch den Ablauf der ersten einhundert Tage der Amtszeit abwartet. Es gebe jedoch auch jetzt schon Bischöfe, die deutlich sagten, dass es für die Lösung des Drogenproblems vor allem Behandlungen des Süchtigen brauche.

Der Wunsch nach Wandel rühre aus der Dynamik im Land her, erklärt Huber – aus guter wie schlechter Dynamik. „Wir haben den Eindruck bekommen, dass es im Land einen großen Aufbruch gibt, vor allem bei den Jugendlichen. Allerdings gibt es viele Unterschiede zwischen Arm und Reich.“ Die Menschen wollten Geld verdienen, sagt Huber. Noch sei es so, dass viele Philippinos außerhalb des Landes arbeiteten und arbeiten müssten. Das wollten sie nicht mehr, sie wünschten sich, dass die Familien zusammen bleiben könnten. Deswegen setze Missio München vor allem auf Bildungsprojekte. Das bringe den Menschen am meisten. „Wir haben eine ganze Reihe von Schul- und Ausbildungsprojekten vor Ort, wo junge Leute Arbeit finden und mit denen sie ihre Familien ernähren können.“ Maßnahmen mit Zukunft und ganz ohne Gewalt.

© Radio Vatikan

Lesen Sie mehr über die Philippinenreise von Missio und dem Bistum Speyer in unserem Weltkirche-Blog.

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