Zeit des Übergangs in der Dormitio-Abtei

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  • Heiliges Land - 30.08.2016

Es ist eine der prominentesten deutschsprachigen Benediktinerabteien: die Dormitio auf dem Berg Zion direkt an der Altstadt von Jerusalem. Seit der vergangenen Woche hat das Kloster nun einen neuen Oberen, aber keinen gewählten Abt. Pater Nikodemus Schnabel, bislang Ordenssprecher im Heiligen Land, ist vom Abtpräses der zuständigen Benediktinerkongregation, Abt Ansgar Schmidt, zum Prior-Administrator ernannt worden.

Im November 2015 hatte der damalige Abt der Dormitio, Gregory Collins, zunächst eine Sabbatzeit genommen und dann schließlich Ende Juni diesen Jahres seinen Rücktritt erklärt. Es gab zunächst eine Visitation des Klosters und dann die Entscheidung für einen Prior-Administrator, wie Pater Nikodemus im Interview mit Radio Vatikan berichtet.

„Prior-Administrator ist ein Oberer in einer Abtei mit allen Rechten und Pflichten eines Abtes. Er ist aber ernannt und nicht gewählt. Es ist auch immer ein Übergangsamt, meine Amtszeit ist achtzehn Monate, das ist kein Amt auf Dauer, kein Amt für die Ewigkeit“, so P. Nikodemus.

Das Übergangsamt passt zur Umbruchszeit, durch die das Kloster derzeit geht, wie der neue Prior-Administrator erzählt. „Für unseren Umbruch kann ich klar zwei Faktoren nennen. Einerseits hatten wir im Sommer vergangenen Jahres einen verheerenden Brandanschlag auf unser Außenkloster am See Genezareth, Tabgha, das steckt man als Kloster nicht so einfach weg. Außerdem ist zum 29. Juni unser Abt zurückgetreten und hat seine Amtszeit vorzeitig beendet. Auch das steckt man als Kloster nicht einfach so weg.“

Umgeben von Solidarität

Dabei ist das Leben direkt an der Altstadtmauer von Jerusalem ohnehin nicht einfach. Direkt nach dem Papstbesuch vor drei Jahren gab es schon einmal einen Brandanschlag, damals in der Kirche in Jerusalem selber. „Als Mönch lebt es sich intensiv“, beschreibt Pater Nikodemus die Situation. „Es gibt einerseits den nicht zu leugnenden zunehmenden Christenhass von einer sehr kleinen Splittergruppe innerhalb des nationalreligiösen Judentums, die uns auf der Straße bespucken, verbal attackieren und ‚Tod den Christen’ an unsere Klöster schmieren. Das gibt es, das kann man nicht leugnen. Aber gleichzeitig gibt es als Reaktion – und das ist eine viel größere Zahl – eine große Solidaritätswelle mit uns“, erklärt der Benediktinermönch.

Es sei eine neue Erfahrung für ihn, dass Israelis ihn und Brüder auf der Straße ansprächen und unterstützten. „Wir hatten auch noch nie so viele Rabbiner als Freunde“, fügt der Pater an. „Die Zahl derer, denen wir egal sind, schwindet. Immer mehr Menschen haben eine dezidierte Meinung zu uns. Ein kleiner Teil will uns am liebsten hier weg haben, aber ein wachsender Teil stellt sich solidarisch hinter uns. Das gibt Mut. Es ist ein intensives aber auch sehr schönes Leben“, so P. Nikodemus.

„Ich muss mich jetzt bewegen“

Nach 110 Jahren der Existenz des Klosters hat es nun erstmalig einen Oberen aus den eigenen Reihen. Bislang haben die Mönche ihre Äbte immer von außen gewählt. Er sei selber zwar nicht gewählt, aber es habe einen ausführlichen Konsultationsprozess im Kloster gegeben. Seine Ernennung sieht Pater Nikodemus also als „enormen Vertrauensbeweis“. „Ich bin jetzt der, der sich am meisten bewegen und am meisten dazulernen muss“, schaut der neue Obere der Benediktiner in die Zukunft.

Seine starke Außenpräsenz müsse nun hinter dem Dienst an der Gemeinschaft zurücktreten. Jetzt müsse er erst einmal zuhören, sich beraten lassen und auch Kritik annehmen. „Die Brüder kennen mich sehr gut. Sie kennen alle meine Macken, Ticks, Schwächen. Da hoffe ich auf die Barmherzigkeit meiner Brüder. So langsam habe ich es verdaut, dass ich jetzt in dieser Position bin. Die Stimmung ist hoffnungsvoll und ich schaue mit Gottvertrauen in die Zukunft“, freut sich der Benediktiner.

Die Amtszeit von Pater Nikodemus ist auf achtzehn Monate beschränkt. Danach wird die Mönchsgemeinschaft zu einer Abtswahl zusammenkommen.

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