„Eine wahre Olympiasiegerin“

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  • Olympia - 17.08.2016

Mit der Auszeichnung der brasilianischen Aktivistin Maria da Penha will das katholische Aktionsbündnis „Rio bewegt. Uns.“ ein Zeichen setzen. Mehr als zwei Jahre hatte die 51-Jährige gegen den Abriss ihrer Siedlung, der Favela Vila Autodromo, gekämpft, die angeblich dem Olympiapark im Westen von Rio de Janeiro im Weg stand.

Ursprünglich lebten hier 583 Familien. Auf Druck der Stadtregierung zogen die meisten von ihnen widerstrebend in Sozialwohnungen am Stadtrand – eigentlich hatten sie ein verbürgtes Wohnrecht auf 99 Jahre. Zug um Zug räumte die Stadt die Häuser und riss sie ab. Die letzten 20 Familien erreichten jedoch, dass ihnen an gleicher Stelle neue Wohnungen gebaut wurden. Eine der Wortführerinnen war Maria de Penha.

Für ihren Einsatz erhielt sie in der vergangenen Woche die symbolische Medaille des Aktionsbündnisses, dem zahlreiche katholische Organisationen angehören, darunter das Hilfswerk Misereor, das Kolpingwerk Deutschland und das katholische Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat. Auch die Erzdiözese Rio de Janeiro sowie der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) und der Deutsche Behindertensportverband (DBS) sind Teil des Bündnisses.

„Medaille der Werte“ für Maria Penha

„Menschen wie Maria da Penha sind für das Zusammenleben von großer Wichtigkeit“, betonte Adveniat-Hauptgeschäftsführer Bernd Klaschka bei der Verleihung der „Medaille der Werte“. Sie sei eine wahre Olympiasiegerin. Der erfolgreiche Widerstand setze ein Zeichen dafür, dass bei sportlichen Megaevents künftig mehr auf die Belange der betroffenen Menschen geschaut werden müsse, so Klaschka. „Was sie erreicht hat, wird länger nachwirken als ein individueller Olympiasieg.“ In ihrem Kampf komme zum Ausdruck, worum es bei Olympia wirklich gehe, „nämlich dass Menschen in Frieden zusammenleben“. Der bei Olympia um sich greifende Gigantismus müsse endlich ein Ende haben.

Zug um Zug riss die Stadt die Favela Vila Autodromo ab. Maria ist eine der wenigen Bewohnerinnen, die an der gleichen Stelle nun eine neue Bleibe bekommt.

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Trotz des Erfolgs – die ursprüngliche Gemeinschaft der Vila Autodromo ist durch den Wegzug der meisten Familien zerstört. „Maria da Penhas Sieg ist so etwas wie ein Schaufenstersieg. Letztlich ist das eigentlich eine sehr bittere Bilanz“, sagte Stephan Jentgens, ebenfalls Geschäftsführer von Adveniat. Immerhin, man verstehe den Sieg der Vila Autodromo als Startsignal für soziale Veränderungen in der Olympiastadt Rio de Janeiro. Auch über Olympia hinaus werde man die pastorale Arbeit der Diözese Rio de Janeiro unterstützen.

Sportverbände auch nach Olympia in der Verantwortung

Bei den Sportfunktionären sei man mit der Idee des Bündnisses anfangs auf Bedenken gestoßen, so Jentgens. „Aber wir machen ja keine Kampagne des ‚Kontra‘, sondern eine konstruktive Kampagne. Deswegen kamen sie mit ins Boot.“ Für die Zeit nach Olympia erwarte man nun von den Sportverbänden einen Beitrag zur sozialen Entwicklung in Rio. „Wir werden den DOSB und den DBS nicht aus der Verantwortung lassen, auch nach der Olympiade für diese Menschen da zu sein.“

Der Sport will sich dieser Verantwortung stellen, verweist jedoch zugleich auf beschränkte Einflussmöglichkeiten. „Wir wissen, dass der Sport eine gesellschaftliche Verantwortung hat. Deswegen engagieren wir uns in dieser Kampagne“, betonte Michael Vesper, Delegationschef des deutschen Olympiateams. „Wir wollen uns aber auch nicht überschätzen als Sport. Eine Stadt wie Rio oder ein Land wie Brasilien können wir nicht verändern. Aber wir können sicherlich einige Impulse setzen.“

So ist es dem Bündnis etwa gelungen, 40 Straßenhändler aus Rio de Janeiro auszubilden und ihnen einen attraktiven Verkaufsplatz zu garantieren. Sie dürfen auf dem „Olympischen Boulevard“ im umgebauten Hafenviertel von Rio ihre Waren anbieten. Man habe also bereits etwas bewegt, so Jentgens. „Aber noch nicht genug.“

Von Thomas Milz (KNA)

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