„Panamas Kirche lebt, was Franziskus fordert“

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  • Weltjugendtag - 03.08.2016

Fast jeder in Panama ist katholisch. Die Kirche in dem mittelamerikanischen Land kümmert sich vor allem um die Benachteiligten. Monika Lauer Perez vom Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat spricht im domradio.de-Interview über den Gastgeber des nächsten Weltjugendtages.

Frage: Panama bildet den schmalsten Teil der mittelamerikanischen Landbrücke zwischen Nord- und Südamerika. Wie sieht es da eigentlich aus – so rein landschaftlich?

Lauer Perez: Rein landschaftlich ist es ein sehr schönes Land und ein sehr diverses Land: Es gibt Hochgebirge. Die höchste Erhebung im westlichen Teil des Landes in Richtung Costa Rica ist 3.500 Meter hoch, das ist ein erloschener Vulkan. Und genauso gibt es eines der größten Regenwaldgebiete der Welt im östlichsten Teil des Landes an der Grenze zu Kolumbien. Das ist übrigens auch die einzige Stelle, an der die Panamericana unterbrochen ist.

Frage: Wenn man sich Bilder von Panama-Stadt anschaut, erinnern die einen schon an US-amerikanische Metropolen. Ist Panama alles in allem moderner als die Nachbarstaaten in Mittelamerika?

Lauer Perez: Sagen wir mal so: Panama-Stadt wird gerne auch mal Klein-Manhattan genannt. Das erinnert tatsächlich an US-amerikanische Skylines und Metropolen. Die Stadt an und für sich ist Sitz von vielen Banken. Vor einigen Jahren war auch sehr bekannt, dass sehr viele Schiffe in Panama registriert waren und heute auch noch sind. Es ist weltweit für Reedereien der größte Platz. Und so gibt es in der Stadt sehr viele ökonomische Möglichkeiten. Aber es ist wie überall in Lateinamerika: Es ist nicht generell auf das ganze Land übertragbar. So gibt es zum Beispiel die afrostämmige und indigene Bevölkerung, die zu gut 50 Prozent in extremer Armut lebt.

Frage: Wir kennen das von Rio und den Olympischen Spielen: Wenn ein Land eine Großveranstaltung zugesprochen bekommt, ist das schön, aber ein Teil des Landes leidet auch darunter. Wie weit gehen Arm und Reich in Panama auseinander?

Monika Lauer Perez ist die Länderreferentin für Panama beim Hilfswerk Adveniat.

Steffen/Adveniat

Lauer Perez: Der Unterschied ist schon sehr groß. Aber man kann einen Weltjugendtag nicht mit einem sportlichen Großereignis vergleichen, bei dem sehr viel Infrastruktur notwendig ist. Das ist bei einem Weltjugendtag ja nicht der Fall. In der Regel ist es ja so, dass die Jugendlichen aus aller Welt in Familien unterkommen – also im Prinzip schon vorhandene Infrastruktur genutzt wird. Insofern sehe ich da nicht die Problematik, wie es sie jetzt beispielsweise in Rio gibt. Außerdem tragen die Bischofskonferenzen aller mittelamerikanischen Länder den Weltjugendtag mit und wollen Panama auch helfen, damit er gelingen kann. Das haben der Erzbischof von Panama-Stadt und der Nuntius von Panama schon gesagt.

Frage: Rein religiös und kirchlich betrachtet ist das Land ja auch ein Schwergewicht mit 86 Prozent Katholiken. Wie ist die katholische Kirche dort aufgestellt?

Lauer Perez: Sie ist eine Kirche, von der man im Prinzip nicht sehr viel hört. Sie macht keine Schlagzeilen. Aber sie ist eine Kirche, die sich tatsächlich auch um die Benachteiligten kümmert. Die Kirche lebt eigentlich das, was Papst Franziskus fordert – besonders auch in der pastoralen Arbeit mit der indigenen Bevölkerung. Da wird schon sehr gute Arbeit geleistet, die auch von Adveniat unterstützt wird. 

Frage: Wie sieht diese Unterstützung aus?

Lauer Perez: Es gibt natürlich unsere klassischen Infrastruktur-Projekte: Dass wir beim Bau von Kirchen und Pfarrhäusern helfen, dass wir Fahrzeuge bereitstellen, damit die Priester und Ordensfrauen in die weit gelegenen Gebiete kommen können. Außerdem sind Bildungs- und Pastoral-Projekte mit den Indigenen Schwerpunkte unserer Arbeit. Wir haben speziell zum Thema Weltjugendtag schon Gespräche aufgenommen mit der Arbeitsstelle für Jugendseelsorge in Deutschland, die die deutsche Delegation vorbereitet. In der Vorbereitungsarbeit für Panama wollen wir unterstützen – genauso wie wir das in Rio auch schon gemacht haben.

Das Gespräch führte Daniel Hauser.

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Adveniat unterstützt Weltjugendtag 2019 in Panama

Das Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat wird den nächsten Weltjugendtag „intensiv mitvorbereiten“. Dass das Event in drei Jahren nach Panama komme, sei „ein starkes Zeichen der Solidarität“, sagte Adveniat-Geschäftsführer Bernd Klaschka am Dienstag in Essen. Die Entscheidung, die Papst Franziskus am Ende des Weltjugendtags in Krakau mitgeteilt hatte, unterstreiche die Rolle Lateinamerikas für die Weltkirche.

Das Lateinamerika-Hilfswerk unterhält enge Kontakte zur Kirche in dem mittelamerikanischen Land, in dem es zurzeit nach eigenen Angaben 19 Projekte fördert. Schwerpunkt der Förderung sind demnach Bildungsprojekte für die am meisten benachteiligten Gruppen. Dazu gehören vor allem die Indigenen und Afro-Panamaer.

Der Erzbischof von Panama, Jose Domingo Ulloa Mendienta, hatte den Weltjugendtag in Panama als „Balsam für die Jugendlichen Mittelamerikas“ bezeichnet. Er erinnerte daran, dass Panama 1523 als erste Diözese auf dem amerikanischen Festland gegründet worden sei. Von dort sei die Evangelisierung des ganzen Kontinentes ausgegangen. (KNA)

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Panama ist der bislang kleinste Staat, in dem der Weltjugendtag stattfindet – aber dafür stark christlich geprägt. Rund 85 Prozent der 3,6 Millionen Einwohner bekennen sich zur katholischen Kirche, über 10 Prozent zum Protestantismus. Zum dritten Mal wird 2019 ein lateinamerikanisches Land Gastgeber der Zusammenkunft, die als größte Massenveranstaltung der katholischen Kirche gilt. (KNA)