„Die Leibeigenen der Scheichs“

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  • Menschenrechte - 07.07.2016

Die Zeitschrift „Brigitte“ kritisiert in der aktuellen Reportage „Die Leibeigenen der Scheichs“ (15/2016) die Menschenrechtsverletzungen in den Golfstaaten, unter denen besonders philippinische Hausmädchen leiden. Dass die Welt wegen des Themas Fußball auf Katar blicke, habe die Lage nicht verbessert, schreibt die Redakteurin Meike Dinklage und bezieht sich dabei auf die Aussage eines Insiders. „Die schlechte Bezahlung, die ungeregelte Arbeitszeit, verbale und körperliche Gewalt, sexueller Missbrauch – all das findet unverändert statt“.

Es handle sich um ein „brutales System globaler Ausbeutung und Unfreiheit“, heißt es in dem Artikel. In den Golfstaaten seien „Hunderttausende, ein Großteil davon Frauen von den Philippinen, dieser modernen Form der Sklaverei ausgesetzt.“ Denn vor der Armut in ihrer Heimat fliehen viele Filipinos unter anderem nach Katar, um dort Geld zu verdienen und ihre zurückgebliebenen Familien zu ernähren. Doch in dem Emirat mit dem weltweit höchsten Pro-Kopf-Einkommen schuften die jungen Frauen vielfach für einen Hungerlohn.

Missio hilft den betroffenen Frauen

Meike Dinklage recherchierte für ihren Artikel in der Golfregion und auf den Philippinen, wo sie die Menschenrechtsaktivistin Rina Anastacio von der Organisation „Migrante“ interviewte. Diese kritisiert sowohl die Golfstaaten wie auch die Philippinen. Viele Hundert staatliche Vermittlungsagenturen seien auf den Philippinen aktiv und kassierten dabei aus Ländern wie Katar 2.000 Euro für jeden Arbeitnehmer, berichtet Rina Anastacio. Schätzungsweise ein bis zwei Milliarden Euro an Einnahmen würden so Jahr für Jahr gemacht.

Die Zeitschrift berichtet über das Hilfsprojekt der Katholischen Organisation Missio, mit dem die betroffenen Frauen unterstützt werden. Beteiligt sind dabei die Organisation „Migrante“ und die Ordensschwester Mary John Mananzan, die international einen Ruf als Kämpferin für Frauenrechte genießt.

Mit dem Programm wird Frauen geholfen, die in Not geraten sind und die in ihre Heimat zurückkehren wollen. Dafür werden mehrere Hotline-Nummern eingerichtet. Mit diesem ersten Maßnahmenpaket können bis zu 500 Frauen gerettet werden. Gleichzeitig werden die Mitarbeiter von „Migrante“ in den Bereichen Menschenrechte und Justiz geschult. Dabei sind sie oft selber gefährdet. Im Jahre 2009 wurden alle „Migrante“-Mitarbeiterinnen in Saudi Arabien verhaftet, weil sie sich für ein missbrauchtes Dienstmädchen eingesetzt hatten.

Doch das „Migrante“-Team und Schwester Mary John Mananzan lassen sich nicht einschüchtern. Gott sei für sie ein „spiritueller Partner, der mir hilft, mich mit den Mächtigen anzulegen“, erklärte die mutige Ordensschwester gegenüber der Frauenzeitschrift „Brigitte“. Sie engagiere sich weiter für die Opfer, weil „die Humanität der Gesellschaft  bei Frauen am brutalsten versagt.“

© Missio Aachen

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