Eine ungleiche Partnerschaft

  • Gesundheit - 10.06.2016

Kirche und Pharmaindustrie – das klingt zunächst nach zwei ungleichen Partnern. Trotzdem tauschen sich die beiden großen Kirchen in Deutschland und die Pharmaindustrie seit nunmehr 25 Jahren regelmäßig aus. Im Mittelpunkt des Pharmadialogs steht die Frage, wie das Recht auf Gesundheit weltweit umgesetzt werden kann. Zum 25-jähirgen Jubiläum dieser Entwicklungspartnerschaft kamen Anfang Juni Vertreter der Kirchen und der Pharmaindustrie in Berlin zusammen.

Wenn es darum geht, die Gesundheitssysteme in Entwicklungsländern zu stärken, führt kein Weg an den Kirchen vorbei. Das betonte Prälat Martin Dutzmann, evangelischer Vorsitzender der Gemeinsamen Konferenz Kirche und Entwicklung (GKKE), in seiner Begrüßungsrede. „Bis heute befindet sich in Afrika rund die Hälfte aller Krankenhäuser und Gesundheitseinrichtungen in kirchlicher Trägerschaft“, erklärte Dutzmann.

Von links: Heiko Warnken, Leiter des Referats Gesundheit, Bevölkerungspolitik und soziale Sicherung im Entwicklungsministerium (BMZ), Birgit Fischer, Geschäftsführerin des Verbands forschender Pharma-Unternehmen (vfa), Dr. Adelheid Müller-Lissner, Fachjournalistin, Dr. Bernhard Köhler, ehem. Leiter der Saint Luke Foundation in Moshi (Tansania) und Kordula Schulz-Asche (Bündnis 90 / Die Grünen), MdB.

GKKE

Laut des evangelischen Geistlichen sei die Gesundheitsversorgung jedoch in vielen Ländern Afrikas, Asiens und Lateinamerikas ausgesprochen schlecht. Zudem sei der Gesundheitssektor in der Entwicklungspolitik von Regierungen wie auch von nichtstaatlichen Akteuren in den letzten Jahren stark vernachlässigt worden. Umso wichtiger sei es, dass Staat, Wirtschaft und Zivilgesellschaft gemeinsam daran arbeiteten, die Gesundheitsversorgung in Entwicklungsländern zu verbessern.

„Tatsächlich hat die GKKE bereits vor 25 Jahren einen strukturierten und kontinuierlichen Dialog mit der Pharmaindustrie begonnen und entsprechende Kooperationen auf den Weg gebracht“, erinnerte sich Dutzmann. Die Zusammenarbeit zwischen Kirchen, ihren Werken und der Pharmaindustrie habe Chancen und Grenzen. Legitime Profitinteressen der Unternehmen stünden den Gemeinwohlinteressen gegenüber. „Aber es gibt natürlich auch gemeinsame Interessen und Schnittmengen“, betonte der evangelische Theologe.

Als besondere Erfolgsgeschichte des Pharmadialogs hob die GKKE in diesem Zusammenhang die Entwicklung eines „Mini Labs“ hervor, mit dem gefälschte oder minderwertige Medikamente identifiziert werden können. Weltweit seien inzwischen 750 Mini Labs in Gebrauch.

Als weitere Früchte der Kooperation von GKKE und dem Verband forschender Pharma-Unternehmen nannten die Kirchen zudem die Überprüfung und Anpassung von Beipackzetteln auf lokale Bedürfnisse in Ländern des Südens oder die aktuelle Entwicklungspartnerschaft (Developp Projekt) „Access to Medicine“ zur Ausbildung pharmazeutischer Fachkräfte in Tansania. (lek)

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Die GKKE

Die Gemeinsame Konferenz Kirche und Entwicklung (GKKE) wurde 1973 als ökumenischer Arbeitsverbund zur Entwicklungspolitik gegründet. Sie steht im Gespräch mit politischen Institutionen und gesellschaftlichen Interessengruppen. Getragen wird die Konferenz von der katholischen Menschenrechts- und Entwicklungskommission Justitia et Pax und von Brot für die Welt - Evangelischer Entwicklungsdienst.

www.gkke.org