Vatikan berät über Strategien gegen Menschenhandel

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  • Menschenhandel - 02.06.2016

Papst Franziskus nimmt am Freitag an einem internationalen Treffen für Strategien gegen Menschenhandel und Sklaverei im Vatikan teil. Das teilte das vatikanische Presseamt am Donnerstag mit. Bei der zweitägigen Veranstaltung der Päpstlichen Akademie der Sozialwissenschaften geht es um Formen der „modernen Sklaverei“ wie Menschenhandel, Zwangsarbeit, Organhandel und organisierte Kriminalität. Erwartet werden Vertreter internationaler Menschenrechtsorganisationen sowie Richter, Staatsanwälte und Justizbeamte aus vielen Teilen der Welt.

Wie Radio Vatikan am Mittwoch vermeldete, wollten die Richter darüber beraten, wie sie sich am wirksamsten in die Anstrengungen gegen Sklaverei und Menschenhandel einschalten könnten. Ein Vatikan-Statement sprach davon, dass Richter „vielfältigem Druck durch Regierungen, privaten Einrichtungen und natürlich das organisierte Verbrechen ausgesetzt“ seien. Sie müssten sich klar darüber werden, „dass sie eine unersetzliche Aufgabe haben, wenn es um die Herausforderung durch die Globalisierung der Gleichgültigkeit geht“.

Zu dem Treffen am Sitz der Akademie in den Vatikanischen Gärten werden unter anderem die US-Sonderbotschafterin für den Kampf gegen Menschenhandel Susan Coppedge, der für das gleiche Thema zuständige britische Hochkommissar Kevin Hyland, die niederländische Hochkommissarin Corinne Detmeijer-Vermeulen und die schwedische Justizkanzlerin Anna Skarhed erwartet. Am Samstag ist die Unterzeichnung einer gemeinsamen Erklärung vorgesehen.

Ähnliche Veranstaltungen organisierte die Päpstliche Akademie der Sozialwissenschaften bereits in den Vorjahren. 2014 waren internationale Vertreter verschiedener Religionen geladen, 2015 Bürgermeister großer Städte.

45,8 Millionen Menschen leben weltweit in moderner Sklaverei

Laut dem am Dienstag in Brüssel veröffentlichten „Global Slavery Index 2016“ leben aktuell 45,8 Millionen Männer, Frauen und Kinder in moderner Sklaverei. Der Bericht der australischen Menschenrechtsorganisation „Walk Free Foundation“ bezeichnet als moderne Sklaverei unter anderem Kinderarbeit, Zwangsprostitution, die Rekrutierung von Kindersoldaten oder wirtschaftliche Ausbeutung. Besonders Flüchtlinge seien gefährdet, Opfer von moderner Sklaverei zu werden, so die Experten.

Dem Report zufolge ist Europa der Kontinent mit der niedrigsten Anzahl Betroffener (1.243.400). Die Asien-Pazifik-Region weist mit 30,4 Millionen die höchste Zahl auf. Laut Bericht arbeiten allein in Indien 18,3 Millionen Menschen unter Zwang. Das Land mit dem höchsten Anteil versklavter Bevölkerung ist demnach Nordkorea: Dort leben knapp 4,4 Prozent der rund 24 Millionen Einwohner in struktureller Unfreiheit.

In Europa rangiert Mazedonien im Bereich der modernen Sklaverei an der Spitze (0,64 Prozent). Darauf folgen den Angaben zufolge die Türkei (0,63 Prozent), Polen und Bosnien-Herzegowina (0,48). Die Niederlande gehen laut dem Bericht am besten gegen moderne Sklaverei vor. Die „Walk Free Foundation“ führte für die Studie 42.000 Befragungen in 53 Sprachen durch. (lek/KNA/RV)

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