Migration, Integration, Fremdenfeindlichkeit

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  • Katholikentag - 24.05.2016

Es ist der Anspruch der Katholikentage, immer am Puls der aktuellen gesellschaftspolitischen Themen zu sein. Und so sind es Flüchtlinge, Asyl, Integration und Fremdenfeindlichkeit, die beim 100. Jubiläumstreffen vom 25. bis 29. Mai in Leipzig im Mittelpunkt stehen. Auch das diesjährige Leitwort – bereits im Herbst 2014 festgelegt – passt dank seiner Universalität: „Seht, da ist der Mensch“.

Hochkarätig besetzt sind denn auch diverse Podien zur Flüchtlingsfrage: Bundespräsident Joachim Gauck spricht zum Thema „In welcher Gesellschaft wollen wir leben?“. Bundestagspräsident Norbert Lammert hält ein Impulsreferat zum Karl Valentin-Zitat „Fremd ist der Fremde nur in der Fremde“. Bundesinnenminister Thomas de Maiziere (CDU) sitzt auf einem Podium zu Flüchtlingsschutz und Willkommenskultur. Der SPD-Politiker Wolfgang Thierse debattiert über „Aufstehen gegen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit“. Und der Hildesheimer Bischof Norbert Trelle, Vorsitzender der Migrationskommission der Deutschen Bischofskonferenz, diskutiert mit Vertretern kirchlicher Initiativen und des Bundesamtes für Migration sowie Betroffenen darüber, wie es um den Schutz von Flüchtlingen in Europa steht.

Ebenfalls geht der Aggiornamento-Preis der Deutschen Katholikentage, der während des Großevents verliehen wird, in diesem Jahr an ein Projekt zum Thema Integration: Die Bremer Kinder- und Jugendkantorei erhält die mit 5.000 Euro dotierte Auszeichnung für ihr Musiktheater „Das Schaf gewinnt“, an dem benachteiligte Jugendliche mit Migrationshintergrund mitwirken. Der wollige Hauptdarsteller wird dabei mit Flucht, Krieg und Gewalt konfrontiert. Während des Katholikentags ist eine Aufführung am Fronleichnamstag geplant.

Dialog mit Geflüchteten

Auch die Flüchtlinge selbst kommen beim Katholikentag zu Wort und wirken bei Projekten und Podien mit. Die Junge Aktion der Ackermann-Gemeinde etwa verantwortet mehrere Werkstätten unter dem Titel „Menschen sehen, Geschichten hören, Verständnis schaffen“. Dort berichten Flüchtlinge von Donnerstag bis Samstag in der Leipziger Oper von ihren Schicksalen. Eine Stadtführung der besonderen Art bieten geflüchtete Jugendliche unter dem Stichwort „Perspektivwechsel“ an.

Bei dem Rock-Oratorium „Daniel“ von Thomas Gabriels und Eugen Eckerts wirken ebenfalls Asylbewerber mit, die seit November Teil des internationalen Ensembles sind. Erzählt und inszeniert wird die alttestamentarische Geschichte von Daniel und dem Volk Israel. Durch geschicktes Verhandeln gelingt es Daniel, auch im Exil die kulturelle Identität seines Volkes zu bewahren und ein friedliches Miteinander herbeizuführen.

ZdK-Präsident Thomas Sternberg: „Wir sprechen selbstverständlich über die Themen der AfD, aber wir wollen in unseren Diskussionsrunden nicht einfach nur schrille Stimmen aufeinanderprallen lassen.“

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Dieses friedliche Miteinander scheint gegenwärtig eine der großen Herausforderungen. Gerade Sachsen kam in den vergangenen anderthalb Jahren immer häufiger mit ausländerfeindlichen und rechtsextremen Angriffen auf Flüchtlingsheime in die Schlagzeilen. Hier haben „Pegida“ in Dresden und der radikalere Ableger „Legida“ in Leipzig ihre Heimat und mobilisieren Woche für Woche Menschen. Die rechtspopulistische Partei AfD, die zuletzt durch islamfeindliche Parolen Aufmerksamkeit erregte, ist inzwischen in jedem zweiten Länderparlament vertreten, in Sachsen-Anhalt sogar als zweitstärkste Fraktion.

Diskussion über die AfD, aber nicht mit ihr

Über dieses Problem am rechten Rand soll auch beim Christentreffen diskutiert werden – aber nicht mit AfD-Repräsentanten. Aller anhaltenden Kritik zum Trotz hält Katholikentags-Präsident Thomas Sternberg an der Entscheidung fest, keine Spitzenvertreter der Partei auf Podien zuzulassen. Einen solch pauschalen Ausschluss soll es hingegen beim Evangelischen Kirchentag 2017 nicht geben. Parteienforscher gehen jedenfalls davon aus, dass der „Alternative“ größere Dauer beschieden sein dürfte als etwa den „Republikanern“ in den 1980/1990er Jahren.

Zu guter Letzt will der Katholikentag die Flüchtlingshilfe mit barer Münze unterstützen: So fließen Teile der Kollekten des Katholikentags in ein Projekt des Flüchtlingsrats Leipzig. Mit dem Geld sollen ehrenamtliche Kräfte qualifiziert werden, die minderjährige Flüchtlinge unterstützen und begleiten.

Von Karin Wollschläger (KNA)

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