Experten fordern eine Reform des humanitären Systems

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  • Humanitäre Hlife - 20.05.2016

Vor dem ersten Humanitären Weltgipfel Anfang kommender Woche im türkischen Istanbul fordert der Dachverband der deutschen entwicklungspolitischen Nichtregierungsorganisationen (Venro) eine umfassende Reform des internationalen Hilfssystems. Dieses sei „unterfinanziert“ und agiere „schwerfällig und zentralisiert“, sagte die Venro-Vorstandsvorsitzende Inez Kipfer-Didavi am Freitag in Berlin.

Laut Venro-Angaben sind derzeit 83 Millionen Menschen weltweit auf humanitäre Hilfe angewiesen. „Der Bedarf an humanitärer Hilfe hat sich in den vergangenen Jahren vervierfacht, die Hilfe selbst wurde aber nur verdoppelt“, beklagte Kipfer-Didavi.

Zugleich mahnte die Venro-Vorstandsvorsitzende an, die betroffenen Menschen in den Mittelpunkt der humanitären Hilfe zu stellen. „Die Hilfe muss sich an ihren Bedürfnissen ausrichten und darf ihnen nicht von oben übergestülpt werden“, so Kipfer-Didavi.

„Nothilfe darf keine neuen Abhängigkeiten schaffen“

Auch der Misereor-Hauptgeschäftsführer Pirmin Spiegel hatte am Donnerstag davor gewarnt, die Betroffenen bei Nothilfemaßnahmen zu bevormunden. „Nothilfe darf Selbsthilfeansätze nicht untergraben und neue Abhängigkeiten schaffen“, betonte Spiegel. Der direkte Zugang zu humanitären Hilfsgeldern – auch der Bundesregierung – für lokale Nichtregierungsorganisationen müsse verbessert werden, fügte Kipfer-Didavi hinzu.

Zum Humanitären Weltgipfel werden rund 5.000 Vertreter aus Politik, Wirtschaft und von Nichtregierungsorganisationen erwartet. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) will an den Bosporus reisen, ebenso wie eine Delegation des Vatikans. Venro begrüßte die Teilnahme der Kanzlerin am UN-Gipfel und forderte die Bundesregierung auf, ihren Beitrag zur Minimierung künftiger Katastrophen zu leisten. Dies könnte durch eine faire und kohärente Wirtschafts-, Außen- und Klimapolitik geschehen.

Hilfsorganisationen hatten mit Blick auf den UN-Gipfel kritisiert, dass eine verbindliche Resolution nicht vorgesehen ist und es stattdessen freiwillige Selbstverpflichtungen geben soll. „Es stellt sich die Frage, wer diese Selbstverpflichtungen nachverfolgen und gegebenenfalls einfordern wird“, so Misereor-Chef Spiegel. (lek/Venro/KNA)

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Humanitäre Hilfe - 18.05.2016

 

Den Standpunkt „Scheitern ist keine Option“ des entwicklungspolitischen Dachverbands Venro zum Humanitären Weltgipfel lesen Sie hier als PDF:


 

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