„Das Pulverfass wird bald explodieren“

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  • Burundi - 19.05.2016

Eine festgefahrene Situation im ostafrikanischen Burundi: Die Regierung in der Hauptstadt Bujumbura weigert sich, mit der Opposition zu verhandeln. Pater Mario Pulcini, Oberer der Xaverianer-Missionare in Burundi, ist ausgesprochen besorgt, dass die politische Krise im Land weiter eskalieren könnte. Seit Präsident Pierre Nkurunziza letztes Jahr gegen die Verfassung seine Wiederwahl durchgedrückt und Proteste niedergeschlagen hat, fürchten manche das Aufkommen einer Völkermord-Stimmung wie im Ruanda der neunziger Jahre. Die Nachbarländer Burundis schauen tatenlos zu. Ruanda hat in diesen Tagen sogar über 1.300 Flüchtlinge, die aus Burundi stammen, ausgewiesen.

„Der Dialog in Burundi muss stattfinden“

In Burundi droht ein Bürgerkrieg. Einer, der sich trotz Morddrohungen für den Frieden einsetzt, ist Erzbischof Simon Ntamwana. Für ihn gibt es nur einen Weg aus der Krise.

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„In Bujumbura ist die Lage besonders prekär, vor allem in jenen Stadtvierteln, die der Opposition zugerechnet werden. Dort werden willkürlich Menschen verhaftet. Viele werden zwar rasch wieder auf freien Fuß gesetzt, aber das verbreitet nur Angst und Schrecken“, so Pulcini.

Die Regierung fühle sich so sattelfest, dass sie keine großen Proteste erwarte, fügt der Missionar an. „Diese Willkür und Verhaftungen sind eine Art Bestrafung und Warnung für all jene, die sich nicht der Regierung unterwerfen. Da diese Verhaftungswelle weiter andauert, denke ich, dass da noch etwas Größeres dahinter steckt. Es gibt ja nicht einmal Friedensverhandlungen.“

Der Missionar spricht im Interview mit Radio Vatikan sogar von „Hintermännern“: Die Nachbarländer hätten Interesse daran, Burundi zu schwächen, und umgekehrt nutze die Regierung die gegenwärtige Situation aus, um an der Macht zu bleiben. „Ich habe aber den Eindruck, dass das Pulverfass bald explodieren wird, und das wird eine enorme Flüchtlingswelle auslösen“, so Pulcini.

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