„Rio bewegt.Uns.“

  • Olympia-Kampagne - 06.04.2016

Wenige Monate vor den Olympischen Spielen startet die Kampagne „Rio bewegt.Uns“ für mehr Gerechtigkeit in Brasilien. Vom Kegelverein bis zu den Ruderern des Deutschlandachters – an der Aktion sollen sich Sportler in Deutschland beteiligen. Im Aktionsbündnis vertreten ist auch das katholische Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat. Dessen Geschäftsführer Stephan Jentkens erklärt im Interview mit dem Kölner Domradio, was hinter der bundesweiten Olympia-Kampagne steckt.

Frage: Was genau will das Bündnis „Rio bewegt.Uns.“?

Jentgens: Wir wollen, dass nicht nur innerhalb, sondern auch außerhalb der Stadien die Menschen Gewinner der Olympischen Spiele sind. Alfons Hörmann, der Präsident des deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB, Anm. d. Red.), hat uns bestätigt, dass das auch ein Anliegen des DOSB und des Sports in Deutschland ist.

Stephan Jentgens ist Geschäftsführer des Lateinamerika-Hilfswerks Adveniat.

Steffen/Adveniat

Frage: Es sollen nicht nur die Olympioniken etwas davon haben, in dem sie die Medaillen bekommen, sondern alle Menschen, die in Brasilien leben. Wie kann das gehen?

Jentgens: Das ist eine relativ schwierige Aufgabe. Wie wir aus der Fußballweltmeisterschaft wissen, sind viele Investitionen an der Bevölkerung der einzelnen Austragungsstätten vorbeigegangen. Stadien wurden beispielsweise in Manaus hochgezogen, die heute fast gar keine Nutzung mehr haben. Infrastrukturprojekte wurden aufgelegt, aber nicht wirklich realisiert. In den Favelas wurde an bestimmten Stellen um die Stadien herum Ruhe geschaffen, aber es fand ein Verdrängungswettbewerb der Gewalt statt. All diese Fragen haben wir jetzt wieder auf die Agenda geholt und gesagt: Hier wollen wir ausdrücklich mit Partnern politisch Kraft aufwenden, wollen darüber Öffentlichkeit herstellen und wollen mit Leuchtturmprojekten schauen, dass es tatsächlich Hoffnung für eine Veränderung, für eine gerechtere Welt auch in den Städten in Brasilien gibt.

Frage: Das heißt, die Versprechungen von mehr Entwicklung und Wohlstand, die es vor der WM gegeben hat, haben sich nicht erfüllt?

Jentgens: Man muss von einem ernüchternden Ergebnis und Resümee der Fußballweltmeisterschaft reden. Sie wissen selber, was momentan politisch und wirtschaftlich in Brasilien los ist. Besonders in Mitleidenschaft gezogen werden die Menschen, die in den Favelas, in den Armenvierteln der großen Städte, leben und die Menschen vom Land. Von daher lohnt es sich, gerade jetzt anzutreten.

Frage: Wie können wir uns hier – jeder Einzelne von uns – an dem Aktionsbündnis beteiligen?

Jentgens: Auf der Homepage, die zu „Rio bewegt.Uns.“ eingerichtet wurde, gibt es verschiedene Mitmachmöglichkeiten. Die Konkreteste ist tatsächlich, wenn man sportlich unterwegs ist oder in einer Gruppe etwas mit Bewegung macht, sich auf dieser Homepage einzuchecken und zu sagen, wir machen diese Bewegung und diesen Sport solidarisch: Wir suchen uns Partner, die jeden gelaufenen, gekegelten Kilometer oder Meter vergüten und wir spenden es für die Projekte, die eine bessere Welt verheißen.

Das Interview führte Uta Vorbrodt (dr).

© domradio.de

Das Aktionsbündnis

Die Kampagne „Rio bewegt.Uns.“ setzt sich dafür ein, dass es in Rio de Janeiro auch außerhalb der Stadien Gewinner gibt. Zum Aktionsbündnis gehören in Deutschland: Adveniat, Arbeitsgemeinschaft katholisch-sozialer Bildungswerke (AKSB), Bischöfliches Hilfswerk MISEREOR, Bund der Deutschen katholischen Jugend (BDKJ), Deutscher Behindertensportverband (DBS), Deutscher Olympischer Sportbund (DOSB), DJK-Sportverband, DJK Sportjugend, Katholische Arbeitnehmer-Bewegung (KAB), Katholischer Deutscher Frauenbund (KDFB), Katholische Erwachsenenbildung (KEB), Katholische Landjugendbewegung (KLJB), Kinder in Rio, Kolpingwerk Deutschland, Kolping International, Missionszentrale der Franziskaner (MZF), Verband der Katholiken in Wirtschaft und Verwaltung (KKV).

www.rio-bewegt-uns.de

Olympia - 06.04.2016

Mit einem lauten Knall hat der Hamburger Erzbischof Dr. Stefan Heße die Kampagne „Rio bewegt.Uns.“ gestartet. Mehr als hundert Kinder, Jugendliche, Amateur- und Profisportler sind am Mittwoch, 6. April, kurz nach 14.30 Uhr im Hamburger Schanzenpark die ersten Solidaritätskilometer für die Menschen in der brasilianischen Metropole Rio de Janeiro gelaufen.

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