Faires Label – faire Kleider?

  • Fairer Handel - 24.03.2016

Fairtrade International hat am Dienstag ein neues Textil-Label veröffentlicht, das einen besseren Schutz und gerechte Löhne entlang der gesamten textilen Kette erreichen soll. Katholische Jugendverbände begrüßten den neuen Standard als wichtigen Schritt  „die Kriterien des Fairen Handels über die bisher zertifizierte Baumwolle hinaus im Textilsektor auszuweiten“. Doch auch kritische Stimmen meldeten sich zu Wort.

Laut Fairtrade Deutschland macht das neue Textil-Label  als erster Standard weltweit eine feste Zeitvorgabe für das Erreichen von existenzsichernden Löhnen in der Textilindustrie. „Innerhalb von sechs Jahren müssen die Löhne auf ein existenzsicherndes Niveau angehoben werden“, so Martin Hill von Fairtrade International bei der Vorstellung des Standards. Nicht nur Textilfabriken, auch die Markenunternehmen würden in die Pflicht genommen und in Verträgen zu fairen und langfristigen Einkaufspraktiken verpflichtet.

Jugendverbände begrüßen neuen Standard

Der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) würdigte am Mittwoch die Einführung des neuen Labels. Durch den Textilstandard würden noch mehr Menschen in Strukturen des Fairen Handels eingebunden und es werde für sichere Arbeit gesorgt, von der die Menschen im Globalen Süden auch leben könnten. Zugleich äußerte der BDKJ-Bundesvorsitzender Wolfgang Ehrenlechner die Sorge, dass Textilunternehmen das Label nicht als verpflichtend ansähen. „Wir hoffen, dass die Unternehmen ihre Verantwortung für eine soziale Lieferkette ernst nehmen und nicht nur einzelne Produktgruppen als Feigenblatt zertifizieren lassen und sonst so weitermachen wie bisher“,  erklärte Ehrenlechner.

Indes mahnte der Bundesvorsitzende der Deutschen Pfadfinderschaft Sankt Georg (DPSG), Dominik Naab, Transparenz im Zertifizierungsprozess an. „Wichtig ist auch, dass die Kommunikation der Unternehmen darüber, ob nun schon ein existenzsichernder Lohn bezahlt wird, für Verbraucherinnen und Verbraucher klar und deutlich ist“, so Naab.

Zugleich müssten bei der Textilproduktion ökologische und soziale Standards eingehalten werden, forderten die katholischen Jugendverbände.  „Das muss bei der Auswahl der nachhaltigen Fasern, die der Produktion zu Grunde liegen, auch beachtet werden“, erklärte Daniel Steiger, Bundesseelsorger der Katholischen Landvolkbewegung (KLJB).

Gerade für junge Menschen in Ländern des Globalen Südens seien Ausbildung und Schulungen wichtig, um den Kreislauf der Armut und die Landflucht zu unterbrechen. „Dass der Textilstandard hier Kriterien aufstellt und Anreize für Unternehmen schafft, in Ausbildung zu investieren, ist wichtig für junge Menschen in diesen Ländern und Regionen“, so Steiger weiter.

Kritik an der Wirksamkeit des Textilstandards

Kritik an der Einführung des neuen Textil-Labels äußerte die Clean Clothes Campaign (CCC). Sie kritisierte, dass es den Firmen erlaubt sei, nur einzelne Produktionsketten zertifizieren zu lassen, statt das ganze Unternehmen auf Fairtrade-Bedingungen umzustellen.

Zudem bemängelt die Kampagne fehlende Umsetzungs- und Kontrollmechanismen. Für den Standard seien zwar auch Begleitprogramme geplant, doch es sei zweifelhaft, ob diese finanziert werden könnten und ob sie langfristig genug angesetzt seien, um etwas zu bewirken, gibt die Clean Clothes Campaign zu bedenken. 

Indes hofft Fairtrade International, bald erste Kooperationen mit Textilfirmen ankündigen zu können. Der Standard könne ab Juni 2016 angewendet werden, so die Fair-Handels-Organisation. Bis die erste Lieferkette komplett zertifiziert sei und die Verbraucher die ersten Textilien mit dem neuen Textil-Label kaufen könnten, werde es jedoch noch etwas dauern, so Dieter Overath, Geschäftsführender Vorstandsvorsitzender TransFair e. V. (vk/lek/BDKJ/EvB)

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