Organisationen beklagen Gewalt und Benachteiligung von Frauen

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  • Weltfrauentag - 08.03.2016

Anlässlich des heutigen Weltfrauentages prangern Organisationen und Verbände Gewalt gegen Frauen an. Der Katholische Deutsche Frauenbund (KDFB) forderte am Montag in Köln mehr Schutz und Sicherheit für Frauen in Flüchtlingsheimen. Dazu zähle eine separate Unterbringung in Erstaufnahmeeinrichtungen mit abschließbaren Räumlichkeiten, forderte KDFB-Präsidentin Maria Flachsbarth.

Zudem bräuchten Frauen und Mädchen „mehr weibliche Ansprechpartnerinnen, an die sie sich bei Bedrohung, Erpressung oder sexuellen Belästigungen direkt wenden können“, erklärte Flachsbarth.

Auch die Diakonie Deutschland forderte in Berlin, die Standards für Flüchtlingsunterkünfte zu verbessern. „Die derzeitige zum Teil äußerst schlechte und beengte Unterbringung, ohne Rückzugsmöglichkeiten für Frauen, leistet körperlicher und physischer Gewalt an Frauen Vorschub“, sagte Maria Loheide vom sozialpolitischen Vorstand der Diakonie. Zudem kritisierte sie, dass geflüchtete Frauen nicht ohne weiteres ein Frauenhaus aufsuchen dürften. Sie seien verpflichtet, sich in der Erstunterkunft aufzuhalten.

Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) sicherte indes zu, den Schutz von Frauen und Kindern in Flüchtlingsunterkünften zu verbessern. Dazu sollen zusammen mit Wohlfahrtsverbänden zusätzliche Stellen für Ansprechpartner geschaffen werden, die die Arbeit von Beratungsstellen, Frauenhäusern und Ämtern koordinieren, wie Zeitungen der Funke Mediengruppe am Sonntag berichteten. Demnach sollen zunächst entsprechende Stellen in 25 Flüchtlingsheimen eingerichtet werden, die mit jeweils 40.000 Euro gefördert werden sollen.

Auch der entwicklungspolitische Dachverband Venro forderte einen besonderen Schutz für Frauen und Mädchen auf der Flucht. Es müssten legale Zugangswege nach Europa eingerichtet werden. „Millionen von Frauen und Mädchen sind weltweit auf der Flucht“, erklärte der Verband am Freitag in Berlin. „Sie fliehen vor Krieg und Zerstörung, aber auch vor Genitalverstümmelung, Zwangsverheiratung und Vergewaltigungen.“ Ein besonderer Schutz sei „keine Kür, sondern eine Pflicht, denn geschlechtsspezifische Verfolgung ist nach der Genfer Flüchtlingskonvention als Fluchtgrund anerkannt“, so Venro.

Die katholische Frauenhilfsorganisation „Solwodi“ wies in Boppard darauf hin, dass Frauen nicht nur in Flüchtlingsunterkünften, sondern weltweit von Gewalt betroffen seien. „Opfer und Täter kommen aus allen Gesellschaftsschichten, haben unterschiedliche Religionen und Nationalitäten“, hieß es in einer Erklärung.

Das internationale katholische Hilfswerk Missio erklärte in München, in Partnerländern in Afrika, Asien und Ozeanien werde die Würde der Frauen mit Füßen getreten. Mit gemeinsamen Projekten müsse versucht werden, Frauen und Mädchen aus Armut und Abhängigkeiten zu befreien.

Stiftung: Mädchen in Entwicklungsländern besonders benachteiligt

Vor allem Mädchen in Entwicklungsländern seien benachteiligt, erklärte die Stiftung Weltbevölkerung in Hannover. Fast jedes dritte Mädchen sei schon vor seinem 18. Geburtstag verheiratet, jedes fünfte bekomme ein Kind, so die Stiftung. Dies verhindere die Chance auf gute Bildung und ein eigenes Einkommen, das ihnen Unabhängigkeit ermöglichen würde.

Die Organisation „One“ veröffentliche in Berlin den Bericht „Armut ist sexistisch“, demzufolge eine halbe Milliarde Frauen weltweit nicht lesen können. 62 Millionen Mädchen werde die Schulbildung verwehrt und in 155 Ländern gebe es Gesetze, die Frauen ungleich behandeln. Niger führe die Liste der Länder an, in denen es Mädchen von Geburt an am schwersten haben, hieß es.

Zudem litten in Afrika 40 Prozent der Frauen an Blutarmut, so One weiter. 20 Prozent der Todesfälle bei Frauen während oder kurz nach Geburt gingen auf diese Ursache zurück. 74 Prozent der HIV-Neuinfektionen unter Jugendlichen entfielen auf Mädchen.

Veranstaltung für Frauenrechte im Vatikan

Auch der Vatikan beschäftigt sich am heutigen Weltfrauentag mit dem Thema Frauenrechte. Am Sitz der Päpstlichen Akademie für die Wissenschaften wird eine Konferenz veranstaltet, an der Frauenrechtlerinnen aus aller Welt teilnehmen. Während der Veranstaltung kommen Frauen aus vier Kontinenten zu Wort, die Opfer von Menschenhandel, Vertreibung, Gewalt oder Zwangsheirat wurden. Auch der in vielen Teilen der Welt noch erschwerte Zugang zu Bildung für Frauen ist Thema. Zudem ist eine Podiumsdiskussion zur Rolle der Frau in der Kirche geplant.

Organisator ist die US-Initiative „Voices of Faith“ (Stimmen des Glaubens). Geschäftsführerin Chantal Götz erhofft sich durch die Veranstaltung im Vatikan auch mehr Anerkennung für die Frauen in der katholischen Kirche: „Frauen machen mindestens die Hälfte der Gläubigen aus. Da sollten ihre Stimmen auch wahrgenommen und ihre Arbeit geschätzt werden.“ Die Liechtensteinerin betonte am Freitag vor Journalisten in Rom, dass es nicht darum gehe, „sich in Kirchenlehre oder Dogmatik einzumischen“. „Es gibt auch so genug Gelegenheiten, wo eine gebildete Frau mit tollen Erfahrungen eingesetzt werden kann.“ (lek/KNA)

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