„Woche der Brüderlichkeit“ eröffnet

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  • Christlich-jüdischer Dialog - 07.03.2016

Der Philosoph, Publizist und Erziehungswissenschaftler Micha Brumlik (68) ist am Sonntag in Hannover mit der Buber-Rosenzweig-Medaille des Deutschen Koordinierungsrates der Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit geehrt worden. Der Rat setzt sich für eine bessere christlich-jüdische Verständigung ein. Die Auszeichnung wurde zum Auftakt der christlich-jüdischen „Woche der Brüderlichkeit 2016“ verliehen. Unter dem Motto „Um Gottes Willen“ richtet sie sich in diesem Jahr gegen den Missbrauch von Religion. Bis zum 13. März sind dazu deutschlandweit Veranstaltungen geplant.

Bundespräsident Joachim Gauck prangerte bei der Eröffnung laut Redemanuskript an, dass Terroristen „vorgeblich im Namen Gottes“ im Nahen und Mittleren Osten „ungeheuerliche Schreckenstaten“ verübten. „Uralte Zeugnisse menschlicher Kultur, religiösen Glaubens werden von fanatisierten islamistischen Gotteskriegern vernichtet.“ Zugleich wies der Bundespräsident darauf hin, dass es auch in Europa etwa während des Dreißigjährigen Krieges „Mord und Totschlag im Namen Gottes“ gegeben habe. „Und dass auch getaufte Christen bei der Vernichtung der Juden Europas beteiligt waren, ist leider unbestreitbar.“ Umso wichtiger sei es, sich heute für Versöhnung und Verständigung einzusetzen.

Die Botschafterin für das Luther-Jahr 2017, Margot Käßmann, würdigte in ihrer Laudatio den Preisträger der Buber-Rosenzweig-Medaille, Brumlik, als „Querdenker“ in einer Zeit, „die zu Anpassung und Mainstream neigt“. Diese Kraft des „kreativen und kritischen Denkens“ sei es auch, die „gegen Fundamentalismus“ helfen könne, so die evangelische Theologin. Religion müsse selbstkritisch sein und offen für den Dialog. „Gewaltfreie Konfliktfähigkeit auch von religiösen Überzeugungen ist gerade in unserer Zeit dringend gefragt.“ Zudem gelte es darum zu ringen, „dass Religion nicht in die Privatsphäre abgedrängt wird oder sich selbst abschottet gegenüber dem weltlichen Raum“.

An der Veranstaltung im Theater am Aegi nahmen unter anderen auch Ministerpräsident Stephan Weil (SPD), der Oberbürgermeister von Hannover, Stefan Schostock (SPD), sowie Vertreter der evangelischen und katholischen Kirchen teil.

Im Koordinierungsrat sind mehr als 80 Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit zusammengeschlossen. Ihnen gehören 20.000 Mitglieder an. Der 1949 gegründete DKR sitzt in Bad Nauheim, Schirmherr ist traditionell der Bundespräsident. Im März findet seit 1952 eine Woche der Brüderlichkeit statt. Der DKR verleiht jährlich eine Medaille, die nach den jüdischen Philosophen Martin Buber (1878–1965) und Franz Rosenzweig (1886–1929) benannt ist.

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Woche der Brüderlichkeit

Die „Woche der Brüderlichkeit“ richtet sich gegen weltanschaulichen Fanatismus und religiöse Intoleranz. Seit 1952 wird die bundesweite Aktionsreihe jeweils im März vom „Deutschen Koordinierungsrat der Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit“ veranstaltet. Ihm gehören rund 80 Gruppen an. Sie setzen sich ein für Verständigung und Versöhnung zwischen Christen und Juden, wenden sich gegen Judenfeindschaft und gegen Diskriminierung aus religiösen, weltanschaulichen, politischen, sozialen oder ethnischen Gründen.

Jeweils zum Auftakt der „Woche der Brüderlichkeit“ verleiht der 1949 gegründete Koordinierungsrat seit 1968 die Buber-Rosenzweig-Medaille. Sie ist benannt nach den jüdischen Philosophen Martin Buber (1878–1965) und Franz Rosenzweig (1886–1929). Mit ihr ausgezeichnet werden Personen, Institutionen oder Initiativen für Verdienste um eine Verständigung zwischen Christen und Juden.  

Zu den Trägern der Medaille gehören u. a. der Geigenvirtuose Yehudi Menuhin (1916–1999), der ehemalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker (1920–2015), der frühere deutsche Außenminister Joschka Fischer (Grüne) und der katholische Theologe Hanspeter Heinz. In diesem Jahr erhält sie der Publizist und Erziehungswissenschaftler Michael Brumlik.

 

www.deutscher-koordinierungsrat.de

Interreligiöser Dialog

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