Tod einer Hoffnungsträgerin

  • Honduras - 04.03.2016

Nach offiziellen Angaben wurde Berta Caceres Opfer eines Raubüberfalls. Die prominente Umweltschützerin sei am Donnerstag in ihrem Haus in Honduras von Einbrechern überrascht und erschossen worden, teilten die honduranischen Sicherheitskräfte in einer ersten Einschätzung mit. Caceres starb einen Tag vor ihrem 43. Geburtstag.

Die Anhänger der mit dem renommierten internationalen Goldman-Umweltpreis ausgezeichneten Menschenrechtlerin und Umweltschützerin trauen dieser Version jedoch nicht und halten einen Auftragsmord für möglich. „Berta Caceres – eine Märtyrerin der Umweltschützer“, schreibt etwa die Tageszeitung „La Tribuna“. „Sie war eine furchtlose Heldin für die Umwelt“, sagte John Goldman, Präsident der Goldman-Umweltstiftung, in einer ersten Stellungnahme. Sie habe die Risiken ihrer Arbeit gekannt, doch das habe sie nicht davon abgehalten, sich mit beeindruckender Kraft und Überzeugung für ihre Gemeinschaft einzusetzen.

In den sozialen Netzwerken fordern internationale Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International die konsequente Aufklärung der Tat: „Eine Tragödie, die zu erwarten war“, twitterte Amnesty.

Fassungslosigkeit auch in Deutschland

Auch in Deutschland löste der Mord an Caceres Bestürzung aus. Mitglieder des Arbeitskreises (AK) für Gerechtigkeit und Frieden an der Katholischen Universität (KU) in Eichstätt äußerten sich am Freitag „fassungslos und schockiert“ über die Nachricht. Die honduranische Umweltschützerin hatte 2012 den mit mehr als 15.000 Euro dotierten Eichstätter Shalompreis erhalten.

„Wir durften Berta Caceres 2012 in Eichstätt als mutige und engagierte Frau erleben“, erklärte ein Mitglied des Arbeitskreises. Der Shalompreis habe neben finanzieller Unterstützung durch das Bekanntmachen ihres Engagements auch einen Schutz geben wollen. Der Arbeitskreis bedauere, dass die Auszeichnung diesen Zweck genauso wenig habe erfüllen können wie der renommierte Goldman-Umweltpreis, den die Honduranerin 2015 erhalten hatte.

Caceres erhielt wiederholt Morddrohungen

Die honduranische Regierung verurteilte den Mord und wies zugleich jede Mitverantwortung von sich. Die Regierung des Landes habe die von der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) geforderten besonderen Schutzmaßnahmen umgesetzt, hieß es in einer Stellungnahme, aus der örtliche Medien zitieren. Caceres sei nicht in ihrem bei der Regierung gemeldeten Wohnhaus ums Leben gekommen, sondern in einer anderen Unterkunft in El Calvario. Weil diese nicht registriert gewesen sei, habe es dort auch keine besonderen Schutzmaßnahmen für die Umweltaktivistin gegeben. In anderen Berichten heißt es hingegen, Caceres habe bewusst den Wohnort gewechselt, weil sie sich nicht sicher gefühlt habe.

Zuletzt hatte es nach Angaben der Familie wiederholt Morddrohungen gegen die vierfache Mutter gegeben. Zwei ihrer Kinder hätten das mittelamerikanische Land aus Sicherheitsgründen verlassen. Caceres hatte sich seit Jahren für die Rechte der Lenca-Indigenen eingesetzt und gegen den Bau von umstrittenen Staudamm-Projekten gekämpft. Wegen ihres Engagements war sie immer wieder bedroht worden. Wie ernst die Lage war, hatte Caceres laut Medienberichten erst in der vergangenen Woche deutlich gemacht, als sie über die Ermordung und Bedrohung von Mitstreitern berichtete.

Familien und Freunde vermuten Auftragsmord

Auch aus diesem Grund misstrauen Familienangehörige den offiziellen Erklärungen der Sicherheitskräfte. „Ich habe keinen Zweifel, dass sie wegen ihres Engagements getötet wurde und dass Soldaten und die Leute des Staudammprojekts dafür verantwortlich sind“, sagte Caceres' 84-jährige Mutter dem Radiosender Globo. „Ich mache die Regierung verantwortlich.“ Eine Mitstreiterin von Carceres wird mit den Worten zitiert, das Opfer sei von vier Pistolenschüssen niedergestreckt worden. Sollte dies der Fall sein, würde es auf einen gezielten Auftragsmord hindeuten. Noch am Donnerstagnachmittag Ortszeit versammelten sich hunderte Unterstützer der Aktivistin und forderten vor dem Gebäude der Staatsanwaltschaft eine unabhängige internationale Untersuchung des Mordes.

Protestmarsch gegen Mega-Staudamm

Die von Caceres mitgegründete honduranische Menschenrechtsorganisation COPINH hatte erst am 20. Februar einen Protestmarsch gegen das Megastaudamm-Projekt Agua Zarca in der honduranischen Region Rio Blanco organisiert. Dabei kam es zu Auseinandersetzungen mit der Armee, der Polizei, lokalen Politikern und Mitarbeitern des Staudamm-Unternehmens. Neben einem chinesischen Investor sind auch europäische und deutsche Firmen an dem Projekt beteiligt.

Victoria Tauli-Corpuz, UN-Sonderberichterstatterin für die Rechte indigener Völker, erklärte in einer ersten Reaktion, sie sei geschockt und bestürzt. Indigene Aktivisten und Menschenrechtler seien in Honduras einer steigenden Bedrohung ausgesetzt. Honduras gilt als eines der gefährlichsten Länder der Welt für Menschenrechtsaktivisten. Im Zeitraum zwischen 2010 und 2014 sind nach Angaben von Menschenrechtlern rund 100 Aktivisten getötet worden. Tomas Garcia, der mit Caceres an der Spitze von COPINH stand, war 2013 während einer Demonstration erschossen worden.

Von Tobias Käufer (KNA) (Ergänzung lek: Reaktion aus Eichstätt)

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