Misereor-Fastenaktion in Würzburg eröffnet

  • Hilfswerke - 15.02.2016

Mit einem feierlichen Gottesdienst in Würzburg ist am Sonntag die Misereor-Fastenaktion eröffnet worden. Unter dem Leitwort „Das Recht ströme wie Wasser“ steht dieses Jahr das Schicksal der Menschen in Brasilien im Mittelpunkt der Kampagne des weltweit größten kirchlichen Entwicklungshilfswerks.

Dabei geht es unter anderem um die Rechte der Menschen auf Wohnung und um den Kampf gegen riesige Staudammprojekte im Norden des Landes. Am fünften Sonntag der Fastenzeit, dem 13. März 2016, werden in allen katholischen Kirchengemeinden Deutschlands Spenden für Entwicklungsprojekte in Brasilien und die  Arbeit des Hilfswerks in Afrika, Asien und Lateinamerika gesammelt.

Kräutler: Kirche muss Finger in die Wunde legen

Während des Gottesdienstes riefen der brasilianische Bischof Erwin Kräutler sowie der Würzburger Oberhirte Friedhelm Hofmann die Christen zum Kampf gegen die Verletzung von Menschenrechten auf. Der aus Österreich stammende und im Amazonas-Gebiet tätige Kräutler warf multinationalen Konzernen vor, die Naturreichtümer des Landes auszubeuten, „meist unter Missachtung von Sozial- und Umweltstandards“. Sie verschlössen auch davor die Augen, dass versprochene Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung und der Umwelt nicht umgesetzt würden.

Bischof Erwin Kräutler kritisierte im Gottesdienst scharf die rücksichtslosen Methoden vieler Unternehmen in Brasilien.

Radtke/Misereor

Scharfe Kritik übte der Bischof an den großen Staudammprojekten. Wasserkraft werde als saubere Energie gepriesen. „Was heißt da sauber, wenn tausende Familien ihren Grund und Boden verlieren und bestenfalls in enge Fertigteilhäuschen zwangsumgesiedelt werden?“ Menschen würden als Objekte behandelt, die Subjekte dagegen seien die Energieprojekte, die letztendlich nur der Industrie nutzten, dem Export dienten, beklagte der Amazonas-Bischof.

„Die brasilianische Regierung, auch viele Schichten der Gesellschaft, denken an Fortschritt und Entwicklung rein im ökonomischen Sinn“, kritisierte der Bischof in der vergangenen Woche im Gespräch mit der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). „Also Fortschritt bedeutet, dass das Bruttosozialprodukt wächst und die Exportfähigkeit von Brasilien zunimmt, das Land interessanter wird für ausländische Investoren."

Für ihn dagegen sei Fortschritt, wenn die Lebensqualität wachse, betonte Kräutler. „Ich frage mich: Wie geht es unserem Volk? Wie schaut es in unseren Schulen aus, in unseren Krankenhäusern, wie ist es um die öffentliche Sicherheit bestellt?“ Hier müsse Kirche, müsse ein Bischof seine Finger in die Wunden legen, ist er überzeugt.

Hofmann: Die weltweite Ungerechtigkeit darf uns nicht kalt lassen

An die Verantwortung der Europäer für das Schicksal der Menschen erinnerte der Würzburger Bischof Friedhelm Hofmann in dem Eröffnungsgottesdienst zur Fastenaktion. Aus politischen und wirtschaftlichen Interessen sei anderen Völkern gegenüber viel Unrecht geschehen und es geschehe zum Teil immer noch. Dieses Unrecht sei auch für die instabilen Verhältnisse in Afrika, Südamerika und im Nahen Osten verantwortlich. „Die weltweiten Ungerechtigkeiten, die sich in brutalen Aktionen gegen die oft einfachen Menschen richten, dürfen uns nicht kalt lassen“, mahnte Hofmann.

„Gott und Gold – Wie viel ist genug?“

Das Misereor-Hungertuch 2015/16 regt dazu an, den eigenen Lebensstil zu hinterfragen: Wie viel ist genug für mich? Wie sollten wir leben, damit alle Menschen auf der Erde „gut leben“ können?

Misereor

Der Hauptgeschäftsführer von Misereor, Pirmin Spiegel, betonte: „Die Klage gegen Unrecht und die Sehnsucht nach Gerechtigkeit entspringen einer Haltung, der das Leiden der anderen nicht gleichgültig ist. Es ist die Grundhaltung Gottes gegenüber den Menschen, gerade gegenüber den Armgemachten, den Benachteiligten und allen, die um ihr Recht gebracht und um ihr Leben in Würde betrogen werden.“

Während des Gottesdienstes im Würzburger Kiliansdom brachte eine Sozialarbeiterin einen Wasserzähler als Symbol für das Recht auf Wohnen als Gabe an den Altar, ein Mitarbeiter der Landpastoral eine Waage für das Recht auf wirtschaftliche, soziale und kulturelle Selbstbestimmung bei großen Staudammprojekten. Ein Wasserkanister stand für das Recht auf Wasser und sanitäre Grundversorgung. Durch schadhafte Leitungen versickert etwa die Hälfte des Trinkwassers in Brasilien. Nur 39 Prozent aller Haushalte sind an Abwasserkanäle angeschlossen.

Seit Mittwochabend gab es rund um die Eröffnung der Fastenaktion mehrere Konzerte, Tagungen und Gottesdienste. Erstmals wird sie gemeinsam mit dem Nationalen Rat der christlichen Kirchen in Brasilien (CONIC) durchgeführt.

Papst Franziskus hatte im Vorfeld der Eröffnung die gemeinsame Aktion in einem Grußwort gewürdigt und zum Engagement für eine gerechtere Welt aufgerufen. „Ich bin überzeugt, dass der Reichtum christlicher Spiritualität einen wunderbaren Beitrag zu den Bemühungen um eine Neuorientierung des Menschen leisten kann“, so das Kirchenoberhaupt. (lek/KNA/Misereor)

© weltkirche.katholisch.de

Das Recht auf Land steht in diesem Jahr im Mittelpunkt der Misereor-Fastenaktion. Mehr Informationen zur bundesweiten Aktion des Hilfswerks finden Sie in unserem Dossier.

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Im Vorfeld der Misereor-Fastenaktion hat der brasilianische Bischof Erwin Kräutler die Regierung seines Landes harsch kritisiert.

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