Papst setzt zum Jahresanfang starke Themen

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  • Vatikan - 12.01.2016

Die traditionelle Neujahrsansprache von Papst Franziskus am Montag an das Diplomatische Corps hatte einen ungewöhnlich starken Fokus. Während die Päpste zu diesem Anlass sonst einen ausgewogenen Rundgang durch die Weltpolitik unternehmen, widmete Franziskus seine Rede an die Diplomaten diesmal fast zur Hälfte der Migration, speziell in Europa.

Franziskus appellierte an die Europäer, bei der Aufnahme von Migranten nicht nachzulassen. Sorgen um das kulturelle und soziale Gefüge und die innere Sicherheit dürften nicht zu Abschottung führen. Die Ideale des Humanismus wie die Achtung vor der Menschenwürde und Solidarität könnten bisweilen eine schwere Bürde sein. Europa müsse jedoch, „unterstützt durch sein großes kulturelles und religiöses Erbe“, Schutzsuchenden weiterhin Zuflucht gewähren.

Antworten auf den „schweren Migrations-Notstand“ könnten die Staaten nur gemeinsam entwickeln, so der Papst. Bisher fehle dazu eine mittel- und langfristige Strategie. Die Aufnahme und Integration von Menschen, die vor Elend, Krieg, Verfolgung und den Folgen des Klimawandels flüchteten, müsse auch vom Bemühen um eine Verbesserung der Lage in den Herkunftsländern begleitet sein. Dazu gehöre der Kampf gegen Waffenhandel, Korruption und ausbeuterischen Rohstoffabbau. Franziskus wandte sich jedoch gegen Formen der Entwicklungszusammenarbeit, die den betreffenden Völkern „ideologisch fremd“ seien.

Nein zur Gewalt im Namen Gottes

Nachdrücklich warnte der Papst vor religiösem Fundamentalismus und Extremismus. Dabei werde Religion für machtpolitische Ziele missbraucht. Das Weihnachtsfest habe gerade daran erinnert, dass „jede authentisch gelebte religiöse Erfahrung nur den Frieden fördern“ könne, betonte Franziskus in seiner Ansprache.

Zugleich sei religiöser Fanatismus aber auch eine Reaktion auf fehlende Ideale und die Ablehnung von Religiosität im Westen. Dass junge Leute mit Migrationshintergrund in ihrem Aufnahmeland in den religiösen Extremismus abrutschten, habe auch mit der „Leere der fehlenden Ideale“ und dem „Verlust der – auch religiösen – Identität“ im „sogenannten Westen“ zu tun.

Hauptakzente: Barmherzigkeit und der Kampf gegen Menschenhandel

Papst Franziskus öffnet die erste Heilige Pforte Ende November in der Kathedrale von Bangui (Zentralafrikanische Republik).

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Franziskus ging in seiner Ansprache an die Botschafter auch auf das von ihm ausgerufene Heilige Jahr der Barmherzigkeit ein. Er habe es, so der Papst, absichtlich in Zentralafrika beginnen lassen, also in einem von Gewalt tief verwundeten Land. Die Öffnung der Heiligen Pforte der Kathedrale in der Hauptstadt Bangui sollte „ein Zeichen der Ermutigung sein, den Blick zu erheben, den Weg wieder aufzunehmen und die Argumente für den Dialog wiederzufinden.“

Darüber hinaus erneuerte Papst Franziskus in der Rede vor dem Diplomatischen Corps seinen Aufruf zum Kampf gegen Menschenhändler und Schlepper. Dass viele Staaten oder Staatenbündnisse „reguläre Migration“ unmöglich machten, treibe Migranten solchen zwielichtigen Geschäftemachern in die Hände, beklagte Franziskus. „Immer werden unserer Erinnerung und unseren Herzen die Bilder von Kindern, die im Meer ums Leben kamen, unvergesslich eingeprägt bleiben – Opfer der Skrupellosigkeit der Menschen und der Erbarmungslosigkeit der Natur.“

Herausforderungen für 2016

Für 2016 rief der Papst zu neuen Anstrengungen für ein Ende des Krieges in Syrien sowie für eine friedliche Lösung zwischen Israelis und Palästinensern auf. Besorgt äußerte er sich auch über die Migrationssituation an der Grenze zwischen Mexiko und den USA, die Konflikte in Zentralafrika, Libyen und in der Ukraine sowie den jüngsten Atomtest Nordkoreas. Positiv bewertete er hingegen das Atomabkommen mit dem Iran und den zu erwartenden Klimavertrag nach der Weltklimakonferenz von Paris. Zugleich mahnte der Papst mit Blick auf das internationale Klimaabkommen, „dass die übernommenen Engagements nicht nur ein guter Vorsatz bleiben“ dürften.

Der Heilige Stuhl unterhält gegenwärtig diplomatische Beziehungen zu 180 Staaten. Hinzu kommen die EU, der Malteserorden und die Palästinensischen Autonomiegebiete. (KNA/Radio Vatikan)

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Die Rede von Papst Franziskus finden Sie im Worlaut auf der Website von Radio Vatikan.