Solwodi: Opfer von Silvester-Übergriffen ernst nehmen

  • Hilfswerke - 06.01.2016

Die Hilfsorganisation „Solwodi“ hat die Politik aufgefordert, die Opfer der Übergriffe in der Silvesternacht ernst zu nehmen. Die zuständigen Minister müssten dafür sorgen, dass die Sicherheit von Frauen bei öffentlichen Veranstaltungen gewährleistet sei, erklärten die Menschenrechtler am Dienstag in Boppard.

Nach Polizeiangaben hatten sich am Silvesterabend rund um den Kölner Hauptbahnhof mehr als 1.000 junge Männer versammelt, überwiegend aus dem nordafrikanischen Raum. Aus der Menge bildeten sich demnach Gruppen, die Frauen umzingelten, bedrängten und ausraubten. Der Polizei lagen bis Dienstagnachmittag 90 Anzeigen vor, eine wegen Vergewaltigung. Ähnliche Vorfälle gab es laut Deutscher Polizeigewerkschaft in Hamburg und Stuttgart.

Die Täter müssten angemessen bestraft werden, forderte Solwodi; „die patriarchalischen Strukturen ihrer Herkunftsländer“ seien kein Maßstab bei der juristischen Beurteilung der Vorfälle.

Umdenken in der Asylpolitik gefordert

Zudem forderte Solwodi ein Umdenken in der Asylpolitik. Geflüchtete Frauen aus patriarchalischen Gesellschaften müssten als Asylsuchende stärker anerkannt werden, forderte die Vorsitzende von Solwodi Deutschland, Schwester Lea Ackermann. Der Staat würdige die individuellen Asylgründe der Frauen nicht hinreichend, gerade bei Frauen aus Osteuropa, deren Herkunftsländer als sicher eingestuft seien. „Ein Land, in dem eine Frau keine Rechte hat, ist nicht sicher.“

Die Hilfs- und Menschenrechtsorganisation Solwodi wurde 1985 von der Ordensschwester Ackermann im kenianischen Mombasa gegründet. Die Bezeichnung steht für „Solidarity with Women in Distress“ (Solidarität mit Frauen in Not). Die Beratungen und Hilfen richten sich an Frauen und Kinder, die Opfer von Menschenhandel, Prostitution, Zwangsheirat oder häuslicher Gewalt geworden sind.

Solwodi unterhält nach eigenen Angaben derzeit 18 Beratungsstellen und 8 Schutzwohnungen in Deutschland, je eine Beratungsstelle in Österreich und Rumänien, 34 Beratungsstellen sowie Projekte in Kenia und ein Zentrum in Ruanda.

© KNA

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