Schweigen, Beten, Glauben, Hoffen

  • Weihnachtsimpuls - 24.12.2015

Vielleicht nicht gerade ein gewohntes, sondern eher befremdend anmutendes Bild, das der Künstler Walter Habdank zu Weihnachten gemalt hat. Aber passt es nicht gerade in unsere Zeit? Wie vor 2015 Jahren sind Menschen mit einer Hoffnung nach einem besseren Leben unterwegs. Wie vor 2015 Jahren suchen Menschen nach Heil und Heilung. Wie vor 2015 Jahren warten Menschen auf einen, der Frieden bringt, der erlöst von Unterdrückung und Gewalt ... wie vor 2015 Jahren!

Und die Antwort kam, vor 2015 Jahren, in einem Kind. Die Botschaft damals wie heute: Erhebt Eure Häupter, habt keine Angst, lasst euch nicht verunsichern, kommt heraus aus euren Gefängnissen, denn Gott ist mit Euch. Oder, wie das Bild es ausdrückt: Ein Kind, nicht die Macht, bringt Frieden, ein Kind, nicht die Herrscher, bringt Freiheit. Das heißt nicht Macht, nicht Krieg, nicht Terror erlösen die Menschheit, sondern ohnmächtige Liebe, Vertrauen, Güte, Menschlichkeit, wie es das Kreuz im Hintergrund suggeriert. Deshalb ist unsere Weihnachtsbotschaft für Sie alle einfach in dieser Zeit der Unsicherheit: Verzagt nicht, sondern schaut auf den, der uns Hoffnung schenkt, der unter uns ist und uns stärkt, heute an die Erlösung zu glauben, heute zu hoffen, dass das Gute stärker ist als das Böse.

„Nicht Macht, nicht Krieg, nicht Terror erlösen die Menschheit, sondern ohnmächtige Liebe, Vertrauen, Güte, Menschlichkeit.“

Schweigen, Beten, Glauben, Hoffen, damit Friede in die Welt komme. Gestärkt durch diese Haltungen können wir Hoffnungsträger und -trägerinnen in der heutigen Welt sein, damit – wie vor 2015 Jahren – heute Heil und Rettung in unsere konkrete Geschichte kommen können, dass Menschen, die an der Unmenschlichkeit und Ungerechtigkeit vieler Systeme zerbrechen, wieder Hoffnung fassen und an eine Zukunft in Frieden und Freiheit glauben können.

Es ist nicht von ungefähr, dass Papst Franziskus gerade in diesen Tagen ein Heiliges Jahr ausgerufen hat, ein Jahr der Barmherzigkeit. Ein Jahr, in dem Fremde zu Nachbarn werden sollen, Feinde sich verzeihen, Menschen bereit sind, Grenzen und Mauern einzureißen statt sie aufzubauen. Diese Botschaft hört sich – damals wie heute – wie ein Paradox an, ja fast wie ein Hohn, denn wir sind Zeugen des Gegenteils: Grenzen werden nicht abgebaut, sondern wieder gezogen. Vielleicht ist es nötig … für eine Zeit. Allerdings: Die Grenzen und Mauern in unseren Herzen und Köpfen, die können wir abreißen und eine menschlichere Welt um uns herum schaffen.

Im Namen aller deutschen Missionsschwestern Unserer Lieben Frau von Afrika wünsche ich Ihnen ein frohes Weihnachtsfest und Gottes Segen für jeden Tag des Jahres 2016.

Ihre

Sr. Elisabeth Biela,
Missionsschwestern U. L. Frau von Afrika

© weltkirche.katholisch.de

Zur Autorin

Schwester Elisabeth Biela ist Regionaloberin der Missionsschwestern Unserer Lieben Frau von Afrika (Weiße Schwestern) in Deutschland. 1966 in den Orden eingetreten arbeitete Biela lange Jahre in Ghana und Burkina Faso im Bereich Bildung, Pastoral und Verwaltung. Im Jahr 2009 kehrte sie zurück nach Deutschland, um in Trier die Regionalleitung der Weißen Schwestern zu übernehmen.

Zur Website