Ein Kämpfer für die Armen

  • © Bild: KNA
  • Trauer um Kardinal Terrazas - 10.12.2015

Der bolivianische Kardinal und langjährige Freund von Papst Franziskus Julio Terrazas Sandoval ist tot. Terrazas, von 1991 bis 2013 Erzbischof von Santa Cruz und langjähriger Vorsitzender der Bolivianischen Bischofskonferenz, starb nach längerer Krankheit am Mittwochabend (Ortszeit) in seiner Bischofsstadt Santa Cruz, wie das Erzbistum mitteilte.

Ende November war die medizinische Behandlung eingestellt und Terrazas zum Sterben nach Hause entlassen worden. Der Kardinal musste zuletzt immer wieder wegen Infektionen sowie Nieren- und Herzproblemen im Krankenhaus behandelt werden. Im Juli, als er bei der Südamerika-Reise des Papstes einer der Gastgeber war, besuchte ihn Franziskus in der Klinik.

Als Erzbischof der rasch wachsenden Metropole Santa Cruz im subtropischen Osten Boliviens rang Terrazas viele Jahre mit der linksgerichteten Regierung von Staatspräsident Evo Morales um die Stellung der Kirche und um Wertefragen. Seine Stellungnahmen zu Kriminalität und Menschenrechten im Land wurden gehört. Morales begab sich noch am Dienstag trotz eines allgemeinen Besuchsverbots durch die Ärzte an das Krankenbett Terrazas'.

Erzbischof Sergio Gualberti, seit 2013 Oberhirte in Santa Cruz, würdigte seinen Vorgänger als Zeugen der Hoffnung und eines unerschütterlichen Glaubens. „Wir verlieren einen Vater, einen Hirten und einen Freund, aber wir gewinnen einen Fürsprecher beim himmlischen Vater“, schrieb Gualberti.

„Wir verlieren einen Vater, einen Hirten und einen Freund, aber wir gewinnen einen Fürsprecher beim himmlischen Vater.“

— Sergio Gualberti, Erzbischof von Santa Cruz de la Sierra

Adveniat trauert um den „Brückenbauer über alle politischen Grenzen hinweg“

Das katholische Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat nannte Terrazas einen Brückenbauer über alle politischen Grenzen in Bolivien. Der Kardinal habe stets „an der Seite der im Leben Benachteiligten“ gestanden, erklärte Adveniat-Hauptgeschäftsführer Bernd Klaschka am Donnerstag in Essen.

„Er strahlte eine innere Freude aus“, erinnert sich Adveniat-Hauptgeschäftsführer Bernd Klaschka.

KNA

Besonders hob Klaschka die Kritik Terrazas' an den negativen Folgen der Globalisierung hervor. So habe sich nach der Einschätzung des Kardinals trotz eines Schuldenerlasses für Bolivien und andere lateinamerikanische Länder die Situation im Bildungs-, Sozial- und Gesundheitswesen eher verschlechtert als verbessert. Verantwortlich machte er dafür, neben den Politikern in Lateinamerika, vor allem die internationalen Wirtschaftsordnungen und die Globalisierung. Diese führten nach Ansicht des Kardinals dazu, dass lediglich die Reichen Lateinamerikas noch reicher würden.

Kämpfer an der Seite der Armen

Terrazas, am 7. März 1936 in armen Verhältnissen in Vallegrande in der Erzdiözese Santa Cruz de la Sierra geboren, studierte in Cordoba und im französischen Lille und wurde 1962 zum Priester geweiht. Als 1967 Che Guevara in der Nähe von Terrazas‘ Heimatstadt Vallegrande erschossen wurde und man den örtlichen Pfarrer der Komplizenschaft bezichtigte, wurde Julio Terrazas als Vermittler entsandt.

In den folgenden Jahren machte sich Terrazas als entschiedener Kämpfer für die Rechte der Armen einen Namen. Für einen Wasseranschluss der Pfarrgemeinde organisierte er eine Straßenblockade und ging ins Gefängnis.

Von 1982 bis 1991 war er Bischof von Oruro, einer der ärmsten Diözesen Südamerikas. 2001 wurde er von Johannes Paul II. in den Kardinalsstand erhoben. Er ist auch Mitbegründer der seit 1987 bestehenden Partnerschaft zwischen dem Bistum Hildesheim und der katholischen Kirche von Bolivien. Eindrücklich blieb die Geste, wie er am Ende der Messe, die die Partnerschaft besiegeln sollte, sein einfaches Bischofskreuz aus Zinn abnahm und es dem Hildesheimer Bischof Josef Homeyer umhängte. Das Bistum Trier unterhält seit über 50 Jahren eine Partnerschaft zur Kirche Boliviens.

Am 25. Mai 2013 nahm Papst Franziskus seinen Rücktritt als Erzbischof von Santa Cruz an. Während der Papstreise im Juli 2015 traf sich Franziskus mit Julio Terrazas persönlich. Anschließend kam es zur Aussöhnung zwischen dem bolivianischen Präsidenten Evo Morales und Kardinal Terrazas. (KNA/Adveniat)

© weltkirche.katholisch.de