Klimapilgerweg erreicht Paris

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  • Klimakonferenz - 27.11.2015

Es sollte ein großes Ereignis werden, wenn der Pilgerweg für Klimagerechtigkeit nach zweieinhalb Monaten am 27. und 28. November 2015 in Paris seinen Abschluss findet und die Botschaft für ein global verbindliches Klimaabkommen durch die Straßen von Paris getragen und der Verhandlungsleitung übergeben wird. Doch die Terrorangriffe der letzten Wochen in vielen Teilen der Welt haben auch Paris getroffen und viele Opfer gefordert.

In der Folge hat sich der Rahmen für die Weltklimaverhandlungen und die Möglichkeiten zivilgesellschaftlicher Beteiligung verändert. Veranstaltungen und Aktionen außerhalb des Verhandlungszentrums sind erheblich eingeschränkt: Keine Versammlungen und Demonstrationen unter freiem Himmel. Die Botschaft des Pilgerweges an die in Paris verhandelnden fast 200 Vertragsstaaten der UN Klimarahmenkonvention (United Nations Climate Convention on Climate Change, UNFCCC) für ein global verbindliches Klimaabkommen ändert sich jedoch nicht:

  • Treffen Sie eine Vereinbarung, die Klimagerechtigkeit in den Mittelpunkt rückt, indem die katastrophalen Folgen des Klimawandels gestoppt und eine nachhaltige Entwicklung für alle ermöglicht wird.
  • Vereinbaren Sie auf nationaler und internationaler Ebene gerechte, ehrgeizige und dauerhafte Klimaschutzmaßnahmen, die den Klimawandel stoppen und die Erderwärmung deutlich unter zwei Grad halten.
  • Stellen Sie ausreichende finanzielle Mittel zur Verfügung, damit eine Anpassung an den Klimawandel und eine nachhaltige, kohlenstoffarme Entwicklung für die Ärmsten möglich ist.
  • Vereinbaren Sie ein Abkommen, damit niemand beim Klimaschutz zurück bleibt.

Bonn im Zeichen des Klimaschutzes

12 Etappen, 77 Tage und rund 1.500 Kilometer zu Fuß – die Wegstrecke der Klimapilger ist kein Zuckerschlecken. Vor wenigen Tagen machten die Teilnehmer des Ökumenischen Pilgerwegs Station in Bonn und setzten beim UN-Klimasekretariat ein Zeichen für Klimaschutz.

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Zeichen leuchtet weiter

Einige Pilgerinnen und Pilger haben den Weg abgebrochen und Gruppen, die überlegt hatten, per Bus oder Bahn zur Schlussetappe und zum Pilgerwegfinale kommen wollten, verzichten auf die Reise nach Paris. Auch wenn damit eine kleinere Gruppe als geplant nach Paris einlaufen wird und die Petitionsübergabe und Schlussveranstaltungen weitgehend in geschlossenen Räumen stattfinden, leuchtet das Zeichen für ein gerechtes Abkommen unvermindert weiter. Die Pilger erwartet nach ihrem langen Weg in Paris ein ansprechendes und vielfältiges Programm mit Gottesdienst und interreligiösem Gebet, Empfang, Petitionsübergabe und Kultur sowie reiche Austausch- und Begegnungsmöglichkeiten.

Die zentrale Demonstration am 29.11. in Paris ist zwar abgesagt, doch in Berlin und in vielen anderen Städten der Welt werden Menschen demonstrieren und ihre Forderungen nach einem ambitionierten Klimaabkommen in bunter und kreativer Weise auf die Straße tragen. Brot für die Welt wirkt im Trägerkreis mit und hat den Ökumenischen Pilgerweg von Anbeginn unterstützt – als Weg geistlich-spiritueller Erfahrung und als schöpfungsverantwortliches politisches Zeichen. 

5.000 Menschen beteiligten sich am Pilgerweg

Fast 1.500 Kilometer haben die Pilgerinnen und Pilger seit dem Start am 13. September in Flensburg zurückgelegt. Insgesamt waren rund 5.000 Menschen mit auf dem Weg – für einen Tag, mehrere Tage oder Wochen bis hin zur gesamten Strecke nach Paris. Auf Schusters Rappen von Flensburg über Hamburg, Bremen, Münster, Osnabrück, Dortmund, Wuppertal, Köln, Bonn, Trier liefen die Pilgerinnen und Pilger durch Deutschland, in Frankreich über Metz, Châlons-en-Champagne und Montmirail in die französische Hauptstadt.

Hunderte ehrenamtliche Helfer und Unterstützerinnen haben den Pilgerweg vor Ort und auf den Etappen mitorganisiert, die Teilnehmenden beherbergt und begleitet und vielfältige klimabezogene Veranstaltungen und Programmpunkte an den unterschiedlichsten „Kraftorten“ und „Schmerzpunkten“ gestaltet. Dabei sind ökumenische Netzwerke geknüpft worden, die hoffentlich für weitere Vorhaben Bestand haben.

Die Mehrdeutigkeit des Pilgerwegmottos „Geht doch!“ wird zum Abschluss des Weges noch einmal ganz deutlich den Verhandlungsbeteiligten zugerufen, damit nach zwei Verhandlungswochen ein ermutigendes Abkommen steht und es beim Blick auf das Ergebnis von Paris hoffentlich heißt: „Schau an – Es ging doch!“

Von Heinz Fuchs, Brot für die Welt

Quelle: „Brot für die Welt“-Blog

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