„El Nino“ könnte stärker sein als je zuvor

  • Klima - 06.11.2015

Die Ankunft des Christkindes – eine Zeit für besinnliche Stunden, Entspannung und Geschenke. Ganz anders aber, wenn „El Nino“ – spanisch „das Christkind“ – kommt: ein Wetterphänomen, das entweder für Dürre, oder aber für sintflutartige Regenfälle sorgt.

„El Nino“ tritt vorrangig im tropischen Pazifik auf, hat jedoch Auswirkungen auf viele Teile der Welt. Die Wetteranomalie verursacht in einigen Regionen sehr starke Regenfälle, in anderen sorgt sie für Wasserknappheit – mit teilweise verheerenden Auswirkungen für die dort lebenden Menschen. Die internationale Entwicklungsorganisation Oxfam präsentiert eine besorgniserregende Zahl: „Mindestens zehn Millionen Menschen sind dieses und nächstes Jahr von Hunger in Folge von Dürren, unberechenbaren Regenfällen und einem sich abzeichnenden extrem starken ‚El Nino‘ bedroht.“

Alle zwei bis sieben Jahre tritt die Wetterschaukel „El Nino“ auf. Dem Vernehmen nach haben peruanische Fischer dem Naturereignis seinen Namen gegeben. Sie beobachteten, dass sich die Wasseroberfläche an ihrer Pazifikküste in periodischen Abständen durch extreme Regenfälle, Passatwinde und Meeresströmungen erwärmte. Dies führte dazu, dass die Fische in ihrem angestammten Gebiet keine Nahrung mehr fanden und sich andere Regionen suchten. Dieses Phänomen ereignete sich immer zur Weihnachtszeit – und so nannten sie es „Das Christuskind“.

Klimawandel verstärkt Wetterextreme

Ob „El Nino“ in diesem Jahr tatsächlich so stark ausfallen wird, könne nicht genau gesagt werden, Anzeichen dafür gebe es jedoch, sagte der Fachreferent der Welthungerhilfe, Michael Kühn, auf Anfrage der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). „Der Klimawandel verstärkt ganz klar die Stärke und das Vorkommen der extremen Wetterereignisse“.

Die Hilfsorganisationen haben Vorsorge getroffen. Dauerhaft, nicht nur, wenn ein „El Nino“ anstehe, so Kühn. Nur durch vorbeugende Maßnahmen könnten größere Katastrophen verhindert werden. So ist der kontinuierliche Ausbau von Fluchträumen, in denen sich die Menschen bei einer Naturkatastrophe schützen können, ein großes Projekt, das die Welthungerhilfe unterstützt. Auch die Bodenbefestigung in schwer betroffenen Gebieten ist notwendig, um das Land weitestgehend zu erhalten.

Drohende Hungersnöte

Die mit „El Nino“ einhergehenden Dürren und Überschwemmungen können Auslöser für große Hungersnöte sein. Laut Oxfam schätzt die Regierung in Äthiopien, dass „4,5 Millionen Menschen bis Ende des Jahres wegen der geringen Niederschläge Nahrungsmittelhilfe brauchen“. Die Stiftung „Menschen für Menschen“ spricht von insgesamt 8,2 Millionen betroffenen Menschen in Äthiopien. Auch im Süden Afrikas herrscht Wassermangel; sollte es bis November nicht regnen, droht eine Nahrungsmittelkrise. Die Regionen Indiens sind zwiegespalten: In einigen Gebieten ist die Wasserknappheit hoch, in anderen Gebieten regnet es übermäßig viel.

Um einer Hungersnot entgegenzuwirken, unterstützen Hilfsorganisationen Betroffene mit dem Notwendigsten. Care beispielsweise versorgt nach eigenen Angaben bis zu 250.000 Menschen in Äthiopien mit Nahrungsmitteln. In Indien unterstützt die Hilfsorganisation Bäuerinnen bei der Entwicklung lokaler Märkte und fördert Einkommensmöglichkeiten, die nicht mit der Landwirtschaft zusammenhängen. In Kenias Regenregionen werden Wasserspeicher- und -aufbereitungsanlagen gebaut, die das Versorgungssystem unterstützen sollen.

Ein großes Problem ist laut Kühn, dass vor allem die Armen im Land am schlimmsten betroffen sind, da sie meist nicht lesen und schreiben können und somit nur schwer an Informationen über nahende Katastrophen kommen. Deswegen ist der Aufbau von Frühwarnsystemen ein bedeutendes Projekt der Welthungerhilfe. Sie bietet eine spezielle Schulung an, um Betroffenen das Analysieren von Wetterdaten zu vermitteln. Lokale Netzwerke müssen ausgebaut und gestärkt werden. Kuba zum Beispiel habe eine gute Vorsorge, Haiti dagegen weniger, sagt Kühn. 

Die Welthungerhilfe hat in Anbetracht des bevorstehenden „El Ninos“ ihre vorbeugende Arbeit intensiviert. „Wir wollen so wenig wie möglich Nothilfe leisten müssen“, sagt Kühn.

Von Romina Carolin Stork (KNA)

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