Keine Kompromisse

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  • Klimawandel - 26.10.2015

Der weltbekannte und sozial engagierte brasilianische Fotograf Sebastiao Salgado macht bei der Eröffnung der Ausstellung von „Genesis“ zur Jahresmitte in Berlin deutlich: „Die Erde braucht uns nicht, ihr wäre es lieber, wenn wir uns von ihr verabschiedeten. Aber wir brauchen die Erde. Und deshalb müssen wir nachhaltig mit ihr umgehen.“

Salgado bezieht sich dabei auch auf den Klimawandel. Seine Äußerung ist eine eindringliche Mahnung, der rasch fortschreitenden globalen Erwärmung wesentlich entschiedener entgegenzutreten, als es die Weltgemeinschaft bisher zu tun bereit war. Dass sie beim bevorstehenden UN-Klimagipfel in Paris die Kraft findet, vom jahrelangen Modus des zähen Verhandelns um kleinste Fortschritte und minimale Konsense zum entschlossenen Handeln überzugehen. Auch viele Menschen aus ganz Europa, die zurzeit auf dem Pilgerweg für Klimagerechtigkeit unterwegs nach Paris sind, wollen in diesem Sinne ein markantes Zeichen setzen und Staatsführungen wie Bevölkerungen aufrütteln: Macht Ernst in der Sorge um unsere Schöpfung als gemeinsames Haus, wie es Papst Franziskus so treffend formuliert hat. Macht Ernst mit der notwendigen Transformation unserer Welt hin zu einer anderen Art des Wirtschaftens und des Zusammenlebens und zu einem neuen Verständnis von Solidarität und Miteinander. Hört den Schrei der Erde und den der Armen.

„Macht Ernst“

Längst ist der Wandel des Klimas nicht nur eine ökologische, sondern auch eine soziale Katastrophe. Bereits bestehende soziale Asymmetrien werden verstärkt. Das berichten uns Partnerorganisationen aus  Asien, Afrika und Lateinamerika. Den Klimawandel spüren alle – wenn auch auf sehr unterschiedliche Weise. Auf den Philippinen etwa geht die Angst um vor neuen maßlosen Zerstörungen durch Sturmfluten. Von den Unwettern der vergangenen Jahre sind viele Menschen dort traumatisiert – auch weil sie ahnen, dass früher oder später die nächste Unwetter-Katastrophe über sie hereinbrechen kann. Die Verwüstungen durch Zyklon Pam auf der Pazifikinsel Vanuatu in diesem Jahr zeigen uns, wie real die Gefahr von klimabedingten Naturkatastrophen geworden ist.

Geht doch!

Anlässlich der UN-Klimakonferenz im Dezember 2015 in Paris riefen die Kirchen zu einem ökumenischen Pilgerweg für Klimagerechtigkeit auf.

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Wenn wir nach Afrika schauen, dann sehen wir in vielen Regionen Menschen, die ihre Heimat, ihre Dörfer, ihre Länder verlassen, auch weil ihre Böden zur Überlebenssicherung immer schlechter zu nutzen sind. Sie berichten von einer nur schwer berechenbaren Wetterentwicklung. Kleinbauern können nicht mehr nach ihrem traditionellen Kalender arbeiten. Regenfälle kommen früher oder später, fallen heftiger aus, aber kürzer, es kommt zu unerwarteten Trockenperioden und in der Folge zu gehäuften Missernten.

Grausame Ironie

Wir erleben nach den Worten des Potsdamer Klimafolgenforschers Hans-Joachim Schellnhuber eine grausame Ironie. Diejenigen, die am wenigsten zum Ausstoß von Treibhausgasen beigetragen haben, sind vom Klimawandel am stärksten betroffen – die Armgemachten in vielen Ländern des Südens, denen zudem oft die finanziellen Mittel fehlen, um sich den Bau eines Deichs gegen den ansteigenden Meeresspiegel und eine Versicherung gegen schwankende Agrarerträge leisten zu können.

„Es braucht ein neues Denken, damit ein weltweit gerechtes, friedliches und nachhaltiges Handeln Wirklichkeit wird. Auch in der Klimadiplomatie.“

Damit ist klar: Es braucht ein neues Denken, damit ein weltweit gerechtes, friedliches und nachhaltiges Handeln Wirklichkeit wird. Auch in der Klimadiplomatie. Und hier sind vor dem Pariser Gipfel noch eine Menge Probleme zu beseitigen. So müssen etwa die Zusagen zur finanziellen Unterstützung ärmerer Länder bei der Bewältigung des Klimawandels festgeschrieben werden. Die Kosten von Verlusten und Schäden durch die Folgen der Erderwärmung müssen von den Verursachern mitgetragen werden, und damit sind zuallererst die wohlhabenden westlichen Industriestaaten gemeint.

Wir wissen, dass unsere Lebensweise besonders seit Beginn des industriellen Zeitalters Auswirkungen auf das Klima hat. Und das bedeutet immerhin: Wir sind auch in der Lage, etwas gegen die Ursachen des Klimawandels und dessen Folgen zu unternehmen. Also: Nehmen wir diese Herausforderung an und begreifen die Sorge um unser gemeinsames Haus Erde als gemeinschaftliche Aufgabe. Kompromisse können wir uns dabei nicht mehr leisten.

Von Pirmin Spiegel, Hauptgeschäftsführer von Misereor

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